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Innere Medizin 5. August 2005

Hochselektive Faktor Xa-Hemmung

Große orthopädische Eingriffe an den unteren Extremitäten sind mit einem besonders hohen Risiko für venöse Thromboembolien verbunden. So treten trotz fachgerechter Thromboseprophylaxe mit niedermolekularen Heparinen bei etwa 15 Prozent der Patienten nach elektivem Hüftgelenksersatz und etwa 30 Prozent der Patienten nach Kniegelenksersatz und Hüftfrakturen tiefe Beinvenenthrombosen auf, berichtete Prim. Prof. Dr. Herwig Niessner, Interne Abteilung im KH Wiener Neustadt, bei einer Pressekonferenz am 24. April.

Risiko für postthrombotisches Syndrom verringert

Mit Fondaparinux, einem neuen synthetischen hochselektiven Hemmer des Gerinnungsfaktors Xa, wurde das Risiko für venöse Thromboembolien nach elektivem Hüft- und Kniegelenksersatz, sowie Hüftgelenksfrakturen um mehr als 50 Prozent gesenkt. Damit wird nicht nur das Risiko für die zwar seltenen, aber oft tödlichen Pulmonalembolien, sondern auch jenes für das häufige postthrombotische Syndrom mit seinen oft schwerwiegenden Langzeitfolgen verringert.

"Entwicklungsgeschichte und Wirkungsmechanismus machen Fondaparinux zu einer einzigartigen Substanz unter den Gerinnungshemmern", schwärmte Prof. Dr. Herbert Watzke, Univ.-Klinik für Innere Medizin I in Wien. Fondaparinux ist ein vollsynthetisch hergestelltes Pentasaccharid, das aus einem einzigen definierten Molekül mit einem hochspezifischen Wirkmechanismus besteht. Es ist der erste selektive Hemmstoff des Faktors Xa, dem zentralen Gerinnungsfaktor in der Gerinnungskaskade. 

Niedermolekulare Heparine (NMH) hingegen werden aus Schweinedarm gewonnen (pro Spritze muss ein Schwein geschlachtet werden), bestehen aus einem heterogenen Gemisch verschiedener Polysaccharide und üben ihre Wirkung an mehreren Zielorten innerhalb der Gerinnungskaskade aus. Wirksamkeit und Verträglichkeit in der Thromboseprophylaxe von Fondaparinux wurde in einem weltweiten Studienprogramm untersucht, berichtete Prof. Dr. Vilmos Vécsei, Universitätsklinik für Unfallchirurgie in Wien. Studien an über 7.300 Patienten

Dieses Studienprogramm besteht aus vier internationalen klinischen Studien mit über 7.300 Patienten, die sich einem größeren orthopädischen Eingriff unterziehen mussten (Hüftgelenksersatz, Hüftfraktur, Kniegelenksersatz). Als Vergleichssubstanz wurde in allen vier Studien (EPHESUS, PENTHIFRA, PENTATHLON 2000 und PENTAMAKS) das niedermolekulare Heparin Enoxaparin eingesetzt. Das Design der einzelnen Studien war ident.

Vorteile von Fondaparinux

Fondaparinux wurde einmal täglich in einer Dosis von 2,5 mg während eines Zeitraumes von fünf bis elf Tagen verabreicht, wobei die erste Injektion sechs Stunden postoperativ appliziert wurde. Zum Nachweis der Wirksamkeit wurde am Tag elf nach der Operation obligatorisch eine beidseitige Phlebographie durchgeführt. Vécsei: "Die Ergebnisse dieser doppelblind, randomisiert und prospektiv durchgeführten Untersuchungen zeigte klare Vorteile von Fondaparinux. Es senkte das relative Risiko für ein venöses thromboembolisches Ereignis um 50 Prozent im Vergleich zum niedermolekularen Heparin Enoxaparin!"

Hinsichtlich Blutungsneigung war Fondaparinux bei postoperativer Gabe frühestens sechs Stunden nach Nahtschluss gleich sicher wie Enoxaparin, wie auch Prim. Dr. Josef Hochreiter, Orthopädische Abteilung im KH der Barmherzigen Schwestern, bestätigte. Er konnte das gute Nutzen-Risiko-Profil von Fondaparinux selbst im Rahmen der Studie EPHESUS bei 100 Patienten mit Hüftgelenksersatz verfolgen. Dadurch, dass die Prophylaxe sechs Stunden postoperativ beginnt, besteht kein erhöhtes Risiko für intraoperative Blutungen oder die Ausbildung eines epiduralen Hämatoms bei rückenmarksnaher Anästhesie. "Die Thromboseprophylaxe muss nach der Entlassung mehrere Wochen fortgesetzt werden", betonte Niessner.

Allerdings sind für Fondaparinux noch keine Studien über die Wirksamkeit in der Langzeitprophylaxe abgeschlossen, derzeit werden dafür in der Regel NMH eingesetzt. Watzke wies abschließend noch auf das automatische Nadelschutzsystem der Arixtra®-Spritze hin, welches das Risiko von Nadelstichverletzungen stark reduziere.

Dr. Klaus Huber, Ärzte Woche 18/2002

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