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Innere Medizin 5. August 2005

Thrombosen oft asymptomatisch

Die venöse Thromboembolie hat schwerwiegende Langzeitfolgen mit beträchtlichen Konsequenzen für die Lebensqualität der Patienten. Die tiefe Venenthrombose als Risikofaktor für venöse Thromboembolien stellt auch eine große Belastung für das Gesundheitssystem dar.

Häufig nicht diagnostiziert

Obwohl verschiedene Behandlungsmethoden entwickelt wurden, ist das Management der venösen Thromboembolie weiterhin suboptimal und die Mortalität nach wie vor hoch. Es besteht deshalb der dringende Bedarf für neue Therapieoptionen, die die Auswirkungen venöser Thromboembolien in Bezug auf Morbidität und Mortalität reduzieren und gleichzeitig das Gesundheitssystem entlasten können. 
Etwa 80 Prozent aller tiefen Venenthrombosen (TVT) verlaufen asymptomatisch. Sie werden deshalb oft nicht diagnostiziert. Wenn Symptome auftreten, so sind sie unspezifisch (Schmerzen in der Muskulatur von Unter- bzw. Oberschenkel und Schwellung des Beines). Ähnliche Symptome treten auch bei einem einfachen "Muskelkater" oder bei Streptokokkeninfektionen auf. Auch asymptomatische tiefe Venenthrombosen können Auslöser einer Pulmonalembolie (PE) sein. Die Pulmonalembolie kann ebenfalls asymptomatisch verlaufen. Infolgedessen werden weniger als die Hälfte der tödlich verlaufenden Pulmonalembolien vor dem Tod des Patienten diagnostiziert (siehe Grafik). Eine akute Pulmonalembolie ist mit einer hohen Mortalität verbunden. Jeder sechste Patient stirbt innerhalb von drei Monaten nach einer akuten Pulmonalembolie, 75 Prozent dieser Todesfälle finden bereits während der initialen Krankenhausaufnahme statt.
Eine PE hat schwerwiegende Langzeit-Konsequenzen auch für die Patienten, die die initiale Episode überleben: Rezidive sind häufig und mit einer deutlich erhöhten Mortalität verbunden. 17 Prozent der Patienten müssen innerhalb von drei Monaten nach der ersten Episode erneut ins Krankenhaus aufgenommen werden. 

Sehr hohes Risiko

Große orthopädische Operationen sind mit einem sehr hohen Risiko für TVT und PE verbunden. Ohne Prophylaxe versterben bis zu 13 Prozent der Patienten mit einer Hüftfraktur infolge einer PE. Ohne Prophylaxe kommt es bei ca. 50 Prozent der Patienten, die sich einer elektiven Hüftgelenksoperation unterziehen bzw. die eine Hüftfraktur erlitten haben, zu einer TVT. Bei Patienten mit einem Kniegelenksersatz sind die Raten sogar noch höher. 
Wegen des hohen Risikos für tiefe Venenthrombosen in Verbindung mit orthopädischen Operationen ist die Verwendung von wirksamen prophylaktischen Maßnahmen absolut unumgänglich. Herkömmliche Antithrombotika wie unfraktioniertes Heparin, niedermolekulares Heparin und orale Antikoagulanzien üben ihre Wirkung an mehreren Zielorten innerhalb der Gerinnungskaskade aus.

Selektive Faktor Xa-Hemmung

Seit April steht in Österreich ein neues Medikament zur Verfügung: Fondaparinux-Natrium (Arixtra®) ist ein vollsynthetisch hergestellter Fünffachzucker und besteht aus einem einzigen definierten Molekül. Fondaparinux ist der erste selektive Hemmstoff des Faktors Xa, dem zentralen Gerinnungsfaktor in der Gerinnungskaskade. Fondaparinux steigert die natürliche Hemmwirkung von Antithrombin auf Faktor Xa um das 300-fache.
Durch die selektive Hemmung von Faktor Xa wird die Gerinnungskaskade an ihrem zentralen Schritt unterbrochen und auf diese Weise die Bildung von Thromben verhindert. Auf Grund der Tatsache, dass es sich um eine synthetische Verbindung handelt, weist Fondaparinux eine Reihe von Vorteilen auf. Die halbmaximale Konzentration wird schon 25 Minuten nach der Injektion erreicht, daher kann das Produkt postoperativ injiziert werden. Die lange Wirkdauer von Fondaparinux (Halbwertszeit 17 bis 21 Stunden) ist gleichbedeutend mit einer antithrombotischen Wirksamkeit über 24 Stunden. Eine Injektion einmal täglich ist daher in allen klinischen Situationen ausreichend.

Klinische Studien

Vier internationale klinische Studien mit insgesamt 7.344 Patienten untersuchten Wirkung und Verträglichkeit in der Thromboseprophylaxe orthopädisch-chirurgischer Eingriffe: PENTHIFRA, EPHESUS, PENTATHLON 2000 und PENTAMAKS. Alle wurden doppelblind, randomisiert und prospektiv durchgeführt. Dies ist das umfangreichste Studienprogramm, das jemals bei der Entwicklung eines Arzneimittels in diesem Indikationsgebiet durchgeführt wurde. 
Werden die Ergebnisse dieser vier Studien zusammengefasst, zeigt sich, dass das relative Risiko für ein venöses thromboembolisches Ereignis durch Fondaparinux im Vergleich zu Enoxaparin um 50 Prozent verringert wird. 

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