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Innere Medizin 5. August 2005

Reisethrombose - vermeidbar mit rechtzeitiger Prophylaxe

In einer in der Financial Times veröffentlichten Studie wird alleine für den Bereich der EU von 90.000 jährlichen Fällen von Reisethrombose, dem so genannten "Economy class syndrom" oder "Coach class syndrom", berichtet.

Problem noch immer häufig vernachlässigt

Eine andere Studie hat ergeben, dass die Gefahr, an einer Reisethrombose zu sterben, <N>größer ist, als bei einem Flugzeugabsturz ums Leben zu kommen. Die Inzidenz von Reisethrombosen liegt in Österreich bei 0,01 Prozent. Bei entsprechender Aufklärung und Vorsorge kann das Risiko einer Reisethrombose minimiert werden.

"Berichte über Todesfälle nach Langstreckenflügen auf Grund einer tiefen Beinvenenthrombose und nachfolgender Lungenembolie haben die Öffentlichkeit auf ein Problem aufmerksam gemacht, das bis jetzt eher vernachlässigt wurde", stellt dazu Prof. Dr. Sanja Schuller-Petrovic von der Universitätsklinik für Dermatologie in Graz fest. Die Expertin beschreibt das Entstehen dieser tiefen Beinvenenthrombose:

"Das Sitzen mit abgewinkelten Beinen und ohne Möglichkeit, sich zu bewegen, führt nach einigen Stunden, auch bei Menschen mit gesunden Venen, zu einer Beinschwellung. Nach 14 Stunden Fliegen werden circa 60 ml Flüssigkeit in den Beinen gespeichert. Der Grund ist ein Versacken des Blutes in den Beinen und darauffolgend eine Drucksteigerung in den Venen, welche sich erweitern."

Als besondere Risikofaktoren für eine Reisethrombose gelten, wie Schuller-Petrovic ausführt:

  • Langes Sitzen (länger als fünf Stunden)
  • Alter über 40
  • Venenerkrankungen, Herzschwäche, Schwangerschaft, Pille, Übergewicht
  • Vorangegangene Thrombosen oder Embolien, Gipsverband an den unteren Extremitäten, nach größeren Operationen (vor allem nach orthopädischen), Gerinnungsstörung, Krebserkrankungen

Extreme Bedingungen beim Fliegen

Zusätzlich wird das Risiko, beim Fliegen an einer Reisethrombose zu erkranken, durch die extrem trockene Luft (führt zum Eindicken des Blutes) und durch das Konsumieren von alkoholischen Getränken (Gefäße erweitern sich) und eventuelle Einnahme von Schlafmitteln erhöht. Der Leiter der Reisemedizinischen Ambulanz am Flughafen Wien Schwechat, Univ.-Prof. DDr. Armin Prinz, nennt die Möglichkeiten, einer Reisethrombose vorzubeugen:

  • bei Personen mit mittlerem Risiko (über 40 Jahre, Krampf- adern, Übergewicht, Schwangerschaft, Herzschwäche, Hormoneinnahme - also etwa die Pille zur Verhütung): Kompressionsstrumpf bis zum Knie, viel Flüssigkeit trinken, Beine öfters auch im Sitzen bewegen, keinen Alkohol und keine Schlafmittel einnehmen.
  • bei Personen mit erhöhtem Risiko: Subkutane Heparin-Injektionen zur Blutverdünnung zusätzlich zu den bereits angeführten Maßnahmen.

Kompressionsstrümpfe

In der Reisemedizinischen Ambulanz am Flughafen Wien Schwechat sind Kompressionsstrümpfe vorrätig, und es besteht die Möglichkeit, sich niedermolekulares Heparin injizieren zu lassen. Dazu Prinz: "Wir schulen die Reisenden, sich das Medikament selbst zu injizieren, da in vielen Reisezielen vor dem Rückflug kein Arzt zur Verfügung steht. Die Injektion erfolgt wie beim Insulin bei Diabetikern subkutan, also unter die Haut, und ist für den medizinischen Laien nach einer kurzen Einschulung durch den Arzt einfach und schmerzlos möglich."

Wie Prinz erklärt, setzt die Wirkung des niedermolekularen Heparins, zum Beispiel Lovenox®, praktisch sofort ein, die höchste Wirkung ist nach drei bis vier Stunden erreicht und hält insgesamt, ab dem Zeitpunkt der Injektion, 24 Stunden an. Bei einer Reisedauer über 24 Stunden ist also ein neuerliches Injizieren von niedermolekularem Heparin, eventuell bei einer Zwischenlandung, notwendig. 
Prinz stellt auch einen weit verbreiteten Irrtum richtig: Aspirin ist zur Vorbeugung der Reisethrombose nicht geeignet!

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