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Innere Medizin 5. August 2005

Mit HAL rasche Hilfe bei Hämorrhoiden

Sie glauben, HAL zu kennen? Sie meinen den perfektionistischen Computer aus Stanley Kubricks "2001 - Odyssee im Weltraum"? Da liegen Sie völlig falsch! HAL ist die neueste Entwicklung in der Therapie von Hämorrhoidalleiden und bedeutet dopplergesteuerte Hämorrhoidal-Arterien-Ligatur. Eine fortgeschrittene Vergrößerung (Grad II - IV) des Gefäßpolsters am Ende des Analkanals lässt sich selten rein medikamentös in den Griff bekommen. Operationsmethoden, die sich durch schmerzhafte Wunden, lang andauernde Heilungsprozesse und die Gefahr einer narbigen Verengung auszeichnen, sind längst nicht mehr en vogue. Nach den bereits gängigen sanften Behandlungsweisen, der Gummiband-Ligatur und der Stapler-Hämorrhoidektomie nach Longo, macht nun eine neue japanische Methode von sich reden. Die dopplergesteuerte Hämorrhoidal-Arterien-Ligatur konzentriert sich auf die Abbindung der arteriellen Zuflüsse der Hämorrhoiden.

Mit feinem Gehör nach feinen Arterien gesucht

Doch wie ortet man diese feinen (End-)Arterien? Mit Hilfe eines neu konzipierten Gerätes, eine Art Proktoskop, in das ein Doppler-Transducer eingearbeitet ist, innen mit einem Arbeitsfenster und einer Lichtquelle versehen. Der Chirurg sucht die Arterien akustisch mit dem Ultraschall-Sensor, umsticht sie und unterbricht so die Blutzufuhr. Hier muss der Operateur nun das richtige Gespür beweisen, denn knotet er zu weit proximal, erzielt er nicht den optimalen Effekt, knüpft er jedoch zu weit unten, so kommt er in den schmerzhaften Bereich der Analschleimhaut. Dies ist ein besonders erwähnenswerter Aspekt der neuen Methode, sie kommt gänzlich ohne Anästhetika (und Antibiotika) aus. Lediglich eine Xylocain-Salbe wird angewendet. Trotzdem verspürt der Patient kaum Schmerzen. Denn der Eingriff wird im relativ unempfindlichen Teil des Analkanals (oberhalb der Linea Dentata) durchgeführt. Die eigentlichen hämorrhoidalen Gefäßpolster bleiben also unangetastet. So entstehen außerdem keine schmerzenden Wunden.

In Österreich noch kaum in Anwendung

Der Wiener Chirurg Dr.Peter Jiru, Oberarzt am Evangelischen Krankenhaus, ist einer der wenigen österreichischen Ärzte, die diese Behandlungsweise anbieten. In seiner Ordination konnte er bereits an 36 Patienten diese ambulante Technik anwenden. "Für eine ernsthafte Statistik ist es noch zu früh", so Jiru. "Doch die Ergebnisse sind bisher sehr zufriedenstellend. Besonders vorteilhaft für die Patienten, sie können nach dem 25-minütigen Eingriff nach Hause gehen und bereits am nächsten Tag ihren gewohnten Lebensablauf wieder aufnehmen. Nur die Einnahme eines leichten Schmerzmittels wird empfohlen. Der erste Erfolg zeigt sich bereits nach wenigen Tagen."

Internationale Studien (vor allem in Australien wird in diese Richtung intensiv gearbeitet und geforscht) geben eine Erfolgsquote von 93% an. Ein kleines Problem gibt es laut Jiru noch bei Nachpulsationen, das heißt, dass nach bereits erfolgter Unterbrechung des Gefäßes noch immer Pulsgeräusche hörbar sind. Diese sistieren jedoch nach kurzer Zeit und sind bloß für den Chirurgen ein kleines Ärgernis.

Im Schnitt umsticht Jiru drei bis vier Arterien, maximal fünf. Interessant, sprechen doch bisherige anatomische Schriften von drei Endarterien der A.rectalis superior. Laut einer australischen Studie (Thomson et al - The Nature of Hemorrhoids) gibt es eine veränderliche Anzahl, durchschnittlich fünf, jedoch ohne regelmäßiges Muster. Laut Jiru entscheiden sich die meisten Patienten, es zunächst bei drei bis vier Umstechungen zu belassen und eine eventuelle Nachbehandlung nach vier Wochen ins Auge zu fassen. Mit Komplikationen hatte der Chirurg noch nie zu kämpfen.

Weder Inkontinenz noch Schließmuskelverletzungen stellten sich bisher ein. Da die Region äußerst gut durchblutet ist, sind auch keinerlei Ischämien zu befürchten. Indikation für den Eingriff sind Hämorrhoiden zweiten und dritten Grades, Hämophilie sowie stark blutende Gefäßpolster. Selbst bei erschwerten Bedingungen (z.B. vergrößerter Prostata) sind keine Schwierigkeiten zu erwarten. "Leider zahlen die Krankenkassen, im Gegensatz zu Zusatzversicherungen, die neue Behandlung nicht. Und das, obwohl sie im Vergleich zu vielen anderen Methoden vielversprechend, günstig und effektiv zu sein scheint", merkt Jiru abschließend an.

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