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Innere Medizin 5. August 2005

Chronisch venöse Insuffizienz - was tun?

"Betrachten Sie das ganze Bein!" rät Prof. Dr. Hugo Partsch, Vorstand der Dermatologischen Abteilung des Wilhelminenspitals, bei Patienten mit Venenproblemen. Besonders die Gegend der Innenknöchel kann Auskunft darüber geben, ob bereits eine chronische Veneninsuffizienz vorliegt (Corona phlebectatica, Hautveränderungen, Ulkus).

Palpatorische Beurteilung

Durch Palpation können nicht sichtbare Venenerweiterungen ertastet werden. Wichtig ist auch die Prüfung der subfaszialen Gewebekonsistenz im Wadenbereich (erhöhte Konsistenz = venöse Stauung!) und die Hautkonsistenz zu beurteilen (Lymphödem: Stemmer´sches Zeichen = Nichtabhebbarkeit der Haut im Bereich des Fußes und Zehenrückens). Auch Temperaturunterschiede können getastet und Phlebitisstränge beurteilt werden.

Die Duplexsonographie und aszendierende Pressphlebographie sind akzeptierte bildgebende Routinemethoden für die präoperative Varizendiagnostik.

"Es sollte aber die Ultraschalluntersuchung als nichtinvasive Methode bevorzugt werden", meint Prof. Dr. Peter Polterauer, Vorstand der Abteilung für Gefäßchirurgie, Univ.-Klinik Wien. Diese Untersuchungsmethode in ihren verschiedenen Arten ermöglicht sowohl morphologische als auch funktionelle Aussagen von diagnostischer Relevanz für die exakte Therapieplanung.

Die Verwendung eines Farb- Duplex-Ultraschall-Gerätes sowie die Anwendung durch einen erfahrenen Untersucher sind laut Polterauer Voraussetzung.

Ergänzende Phlebografie

Nur Patienten mit unklaren Ultraschall-Ergebnissen oder Rezidivvarikosen sollten einer ergänzenden Phlebografie unterzogen werden. Stammvarikose und Perforansinsuffizienz stellen eine klassische Indikation zur chirurgischen Therapie dar. Die chirurgische Standardbehandlung im "Stadium eines relevanten Krankheitsbildes", die sog. "radikale Varizenoperation oder 4-Schritt-Operation" (Crossektomie, Stripping, Ligatur der Vv. Perforantes und Phlebektomie), zeigt nach drei bis fünf Jahren Erfolgsraten bei 80% und 90%.

Nicht invasive Therapie

Die Seitenastvarikose kann chirurgisch oder mittels Sklerosierung behandelt werden.

Doz. Dr. Mirko Hirschl, Leiter der Angiologischen Ambulanz, Hanusch Krankenhaus, Wien, sieht die Kompressionstherapie in Kombination mit Bewegung als Grundlage der nicht invasiven Varizen-Therapie. Für das akute Stadium einer Beinschwellung und für venöse Unterschenkelgeschwüre werden feste und elastische Binden, z.B. Zinkleim überwickelt mit einer Kurzzugbinde, empfohlen.

Nach Beseitigung der akuten Symptomatik, Minimierung des Ödems oder nach Abheilen von Ulcera folgt eine "Erhaltungsphase", in der elastische Binden oder medizinische Kompressionsstrümpfe verwendet werden.

Weiters beinhaltet eine Progressionsprophylaxe bei Varizen einen angepassten Lebensstil sowie moderne Venenpharmaka. Flavonoide (Rutin, Quercetin) besitzen antioxidative und damit endothelprotektive Wirkung. Dadurch kann der Flüssigkeitsaustritt und damit die Ödembildung vermieden werden. "Die Lokaltherapie soll möglichst indifferent und damit hypoallergen sein. Hydrogele, Alginate, hydrokolloide Verbandplatten, Polyuretan- Schaumstoffplatten und Folien stehen zur Verfügung. Effektiv beeinflusst werden kann das Auftreten eines postthrombotischen Syndroms durch Gabe einer Thromboseprophylaxe, in erster Linie mit niedermolekularem Heparin", so Hirschl abschließend.

Quelle: Hilton-Vienna, 2. Dezember 2000

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