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Innere Medizin 5. August 2005

Interdisziplinär gegen das Lymphödem

Will man einem Lymphödem erfolgreich begegnen, sollten folgende vier Faktoren zusammenkommen: ein phlebologisch versierter Arzt, ein Physiotherapeut, der manuelle Lymphdrainage und Kompressionstechnik beherrscht, ein qualifizierter Bandagist sowie – last not least – ein kooperativer Patient. Unter diesen Vorraussetzungen bestehen gute Chancen für einen zufrieden stellenden Behandlungserfolg.

Nach den Ergebnissen der „Bonner Venenstudie“ ist das Lymphödem alles andere als selten. In der großen Querschnittsstudie fand sich bei mindestens jedem siebten Erwachsenen ein Unterschenkelödem. Bei 15,8 Prozent der insgesamt 3.072 Studienteilnehmer ließ sich ein positives Stemmer-Zeichen nachweisen. Hierbei ermittelt man am Zehen- oder Fingerrücken die Hautfaltendicke im Seitenvergleich. Ist die betreffende Hautfalte an einer Seite dicker und lässt sich nicht oder nur schwer abheben, so ist das Stemmer-Zeichen positiv.

Beim Lymphödem ist Teamarbeit gefragt

Mit 17,2 versus 13,9 Prozent waren Frauen etwas häufiger „Stemmer-positiv”. Zudem ergab sich eine deutliche Korrelation mit dem Lebensalter und dem Grad einer Veneninsuffizienz. Überraschend war für den Studienleiter, den Bonner Phlebologen Prof. Dr. Eberhard Rabe, folgender Befund: Mit 19,2 versus 10 Prozent war die Rate „Stemmer-positiver” Befunde in der Stadtbevölkerung nahezu doppelt so hoch wie in der ländlichen Bevölkerung. Die Behandlung eines Lymph-ödems gilt dann als erfolgreich, wenn es gelingt, ein symptomfreies Latenzstadium herbeizuführen. Dabei müssen alle Beteiligten – Arzt, Patient, Physiotherapeut und Bandagisten – Hand in Hand arbeiten, betonte Dr. Christine Schwahn-Schreiber, die in einer gefäßchirurgisch-phlebologischen Schwerpunktpraxis tätig ist.

Jeder Mitspieler eines solchen ambulanten „Lymphtherapieteams” muss dabei vielfältigen Anforderungen gerecht werden. Neben der klinischen und apparativen Diagnostik sollte der Arzt nicht zuletzt eine adäquate Verordnung beherrschen (Rezeptur von Kompressionsmaterial sowie dezidierte Angaben zu manuellen Lymphdrainagen). Beim Lymphtherapeuten ist es nicht allein mit der Lymphdrainage getan. Verlangt wird auch eine gründliche Ausbildung in der Kompressionstechnik. Hier besteht häufig noch erheblicher Fortbildungsbedarf. Obwohl die beste Lymphdrainage ohne Kompressionstherapie wertlos ist, werden Druckverbände viel zu oft gar nicht oder fehlerhaft angelegt.

Der Strumpf muss sitzen

Von einer ausführlichen Dokumentation des Therapieverlaufs – etwa in Form eines Ödem-Messblatts – können Arzt und Lymphtherapeut gleichermaßen profitieren. Im Idealfall nutzt der Therapeut die verhältnismäßig lange Zeit, die er mit dem Patienten verbringt, auch damit, dass er immer wieder den Nutzen einer dauerhaften Kompression anspricht. Auf die Patientencompliance wird sich dies nur positiv auswirken. Ob der Patient die Kompression toleriert, hängt maßgeblich von der Professionalität des Bandagisten ab. Der Kompressionsstrumpf muss optimal sitzen, und der Patient geschult werden, wie er ihn am besten an- und auszieht.

Voraussetzung für eine gute

Compliance ist die Erkenntnis, dass es sich beim Lymphödem um eine chronische Erkrankung handelt, die nur mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen in Schach zu halten ist. Dazu gehören auch hautpflegerische Maßnahmen, Bewegung und gegebenenfalls krankengymnastische Übungen.

Rein kosmetische Operation ist nicht indiziert

Von einer operativen Varizenbeseitigung aus rein kosmetischen Gründen ist bei Patienten mit bestehendem Lymphödem eher abzuraten, folgerte Dr. HE Gerlach, Mannheim, nach Durchsicht diesbezüglicher Studien. Denn jede invasive Behandlungsform der Varikose ziehe Gewebeschäden nach sich und erhöhe damit zumindest vorübergehend die lymphpflichtige Last. Zudem bleibt den Patienten die erforderliche Kompressionsbehandlung auch nach einer Varizenentfernung nicht vollkommen erspart.

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