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Innere Medizin 7. April 2015

Feinstaub beeinträchtigt die Herzfunktion

Unter Feinstaub fasst man alle Staubpartikel mit einem Durchmesser kleiner als 10 μm (PM10) zusammen. Darin unterscheidet man nochmals feine Partikel, die kleiner als 2,5 μm damit lungengängig sind (PM2,5) und ultrafeine Partikel mit weniger als 0,1 μm Durchmesser, die auch in die Blutbahn gelangen können.

Am Helmholtz Zentrum München untersuchte das Wissenschaftlerteam um Prof. Dr. Annette Peters, und Dr. Alexandra Schneider gemeinsam mit Kollegen der Universität Rochester nun die speziellen Auswirkungen von ultrafeinen Partikeln auf das Herz. Dazu statteten sie 64 Studienteilnehmer mit Messgeräten aus, die während der alltäglichen Aktivität sowohl die Partikelanzahlkonzentrationen als auch die Herzaktivität (EKG) aufzeichneten. Zusätzlich wurden Daten von Feinstaub-Messstationen im städtischen Hintergrund herangezogen. Die ausgewählten Probanden hatten alle erhöhte Blutzuckerwerte bzw. Typ-2-Diabetes.

Schon nach fünf Minuten veränderte Herzratenvariabilität

„Erhöhte Konzentrationen von ultrafeinen Partikeln, z. B. im dichten Straßenverkehr, führten bereits nach fünf Minuten bei den Probanden zu einer veränderten Herzratenvariabilität“, berichtet Studienleiterin Peters. „Zudem konnten wir bereits bekannte Effekte bestätigen, etwa dass feine Partikel auf Stundenebene sowie Lärm mit einer eingeschränkten Herzfunktion assoziiert sind.“

Für Feinstaub bzw. feine Partikel konnten gesundheitsschädigende Wirkungen bereits in anderen Studien nachgewiesen werden. In der vorliegenden Studie treten sie unterhalb der bereits seit etwa zehn Jahren in der EU geltenden Grenzwerte auf. Die Rolle der ultrafeinen Partikel ist allerdings unklar: Wissenschaftler gehen von zusätzlichen gesundheitsgefährdenden Auswirkungen aus – Grenzwerte gibt es bislang aber nicht.

Forderung nach Grenzwerten

„Die Ergebnisse sind alarmierend, da ultrafeine Partikel in unser aller Umwelt vorkommen und gesundheitliche Risiken bergen, insbesondere für Menschen, die bereits ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen tragen, wie die in der Studie gewählten Diabetiker“, so Peters. „Wir hoffen, mit unseren Daten die Forderungen nach Grenzwerten und künftigen Umweltstandards untermauern zu können.“

Originalpublikation: Peters A et al.: Elevated particle number concentrations induce immediate changes in heart rate variability; Particle & Fibre Toxicology 2015; 12: 7

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