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Innere Medizin 30. November 2006

Bilder einer Ausstellung

Die 2. Medizinische Abteilung des Hanusch-Krankenhauses in Wien ist eine ganz besondere Abteilung: Sie verfügt als einzige kardiologische Station in Österreich über einen integrierten Psychosomatikbereich und bietet als erste Kardiologie ihren Patienten auch eine Kunsttherapie. "Diese wird von den Patienten, aber auch von den Kollegen gut angenommen", erzählt Dr. Georg Titscher, Kardiologe, Psychotherapeut und Leiter des Psychosomatik-Bereiches. "Keine Selbstverständlichkeit in einem High-Tech-Fach, wie es die Kardiologie ist!"  Die psychosomatische Beratungsstelle der Abteilung wurde bereits im Jahr 1982 von Titscher gegründet, unter Abteilungsvorstand Prim. Dr. Georg Gaul wurde der Psychosomatikbereich ausgeweitet und das Behandlungsangebot vergrößert.

Die Psychosomatik bezieht psychosoziale Faktoren, dazu gehört auch die Symbolik der Herzerkrankung, in den Behandlungsplan mit ein. Das Herz als Symbol für Liebe, für Gefühle überhaupt, ist in unserem Kulturkreis jedem vertraut und auch im Alltag präsent. Man muss daher davon ausgehen, dass die symbolische Bedeutung auch bei Herzkrankheiten eine Rolle spielt. Die moderne biologische Medizin vergisst in ihrer Krankheitsorientierung häufig den eminenten Symbolcharakter und die emotionale Seit von Herzerkrankungen und beschränkt sich auf die Metapher des Herzens als Pumporgan. Allerdings wurden auch gerade die Erfolge der Medizin in der Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen wie Bypass-Operationen, Ballondilatationen und die Herztransplantation durch eben die modellhafte vereinfachte Vorstellung möglich, das Kreislaufsystem sei ein Röhrensystem und das Herz eine Pumpe. Folgerichtig sind Behandlungen von Störungen der Ersatz der Pumpe oder die Erweiterung verengter Gefäße. 

"Wir bieten neben psychosomatischer Beratung auch Kurz -und Fokaltherapien, Entspannungstraining, Gruppen für KHK-Patienten und Raucherberatung", nennt Titscher das Angebot der Abteilung, an der übrigens alle ÄrztInnen, die in Facharztausbildung stehen, auch das Psychosomatik-Curriculum der ÖÄK absolvieren müssen.  Im Rahmen eines Projekts unter der Leitung der Kunsttherapeutin Christa Niederreiter haben herzkranke PatientInnen nun seit eineinhalb Jahren die Möglichkeit, auch an einer kunsttherapeutischen Einzel- oder Gruppentherapie teilzunehmen. Durch die bildnerische Gestaltung bekommen die PatientInnen Zugang zu ihrer häufig unbewusste oder verdeckten Symbolik und zu ihrem Emotionen. Beim Zeichnen oder Malen gelingt es leichter, Gefühle ausdrücken, als im Gespräch, das uns vertrauter ist, und daher sind hier die Möglichkeiten des Widerstands größer. Die äußerst beeindruckenden Patientenbilder werden einem größeren Publikum nun in einer Ausstellung vorgestellt.

IL

Die Ausstellung ist bis 30. April 2002 täglich in Pavillon 2/2. Stock auf den Gängen der Herzambulanz des Hanuschkrankenhauses, Heinrich-Collin-Strasse 30, 1140 Wien, zu besichtigen. 

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"Bedrängtes Herz/Befreiung" 
Diese Bilder sind das Entwicklungsergebnis einer Patientin nach Schrittmacherimplantation bei Herzrhythmusstörungen.  Dargestellt wird die Belastung (der Druck, der entstehen kann, wenn man meint, es allen recht machen zu müssen) durch die anderen (in dem Fall die Familie).  Im Bild zeigt sich aber auch die Ressource (die Blumen im Herzinneren) und als  Lösungsweg, mehr auf das eigene Herz zu achten und die eigenen Möglichkeiten  wahrzunehmen. Im zweiten Bild ist die  "Erleichterung" symbolisch durch die wachsende, tragende Spiralbewegung nach oben erkennbar. 

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"Gesprengte Ketten": Bild einer Hypertoniepatientin. Symbolisiert Befreiung, Loslassen (Zurücklassen) von alten, einengenden Mustern und Verhaltensweisen.

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Hase und Igel: Das Zeit/Stress-Problem. Hier zeigt sich ein typisches Problem vieler Koronarkranker, die unter ständigem Leistungsdruck stehen. Nie ist etwas gut genug, es muss immer noch mehr in noch kürzerer Zeit erreicht werden. An einer solchen Darstellung kann der Patient plötzlich begreifen, dass er nicht gewinnen kann, auch wenn er sich noch so anstrengt und er daher neue Strategien entwickeln sollte.

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"Herzpumpe": Bild eines herztransplantierten Patienten. Hier zeigt sich die Übernahme des schulmedizinischen mechanistischen Paradigmas des Herzens als Pumpe. In einem erweiterten Sinn könnte man sagen, dass die Betrachtung des Herzens als "eine Maschine, die zu funktionieren hat" (Ausspruch des Patienten) als Bewältigungsstrategie des Lebens mit einem "fremden Herzen" gesehen werden kann.

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