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Innere Medizin 13. April 2006

Aktuelle AIDS-Forschung in Österreich

In den österreichischen AIDS- Zentren und von den Ärzten mit Erfahrung im Management der HIV-Infektion werden die neuesten internationalen Erkenntnisse rasch und kompetent in die Praxis umgesetzt. Aber auch die heimische Forschung - von den Grundlagen über klinische Studien bis hin zur Erfahrung vor Ort - trägt viel zum hohen Standard der ärztlichen, pflegerischen und sozialmedizinischen Betreuung von HIV-positiven Patienten bei, wie der diesjährige Österreichische AIDS-Kongress in Innsbruck zeigte.

Bessere Prognose und Lebensqualität

Die seit 1995 etablierte hochaktive antiretrovirale Kombinationstherapie (HAART) veränderte die "Landschaft der HIV-Infektion" gewaltig. Die Prognose und Lebensqualität von HIV-infizierten Patienten konnte sukzessive verbessert werden, was klinische, immunologische und virologische Parameter bestätigen. Allerdings müssen oftmals akute Toxizitäten, wie Blutbildveränderungen, Organdysfunktionen und Magen-Darm-Beschwerden, sowie chronische Langzeitnebenwirkungen, wie Polyneuropathie, mitochondriale Toxizität und Lipodystrophie, überwunden werden.

In der neuen "Ära der Immunrekonstitution" durch die HAART untersuchten L. Hübner, A. Petter und Mitarbeiter, Institut für Hygiene und Sozialmedizin, Universität Innsbruck und Ludwig Boltzmann-Institut für AIDS-Forschung bezie- hungsweise AIDS-Ambulanz der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie, Innsbruck, die Veränderungen der Antikörperantwort gegen die Oberflächen-Glycoproteine von HIV-1 gp41 und gp120. Dabei verwendeten sie 41 Seren von HIV-positiDr. Wolfgang Steflitschven Patienten im Stadium A, 17 Seren von Patienten im Stadium B und 28 Seren von Patienten im Stadium C.

Strukturierte Unterbrechung

Im natürlichen Verlauf der HIV-Infektion kommt es ohne HAART durch die zunehmende Erschöpfung des Immunsystems auch zu einer zunehmenden Beeinträchtigung der Erkennung von bestimmten Epitopen von gp41 und gp120. Aber auch die behandelten Patienten zeigen aufgrund der stark verminderten Viral Load eine verminderte Reaktivität der Antikörper.

Weltweit laufen jetzt klinische Studien, in denen geprüft werden soll, ob eine strukturierte Therapieunterbrechung zu einer therapeutisch verwertbaren Steigerung der natürlichen körpereigenen Immunantwort gegen das AIDS-Virus führt.

Die Arbeitsgruppe M.M. Thurnherr, A. Rieger, Ch. Kleibl-Popov und E. Schindler, Universitätsklinik für Radiodiagnostik bzw. Dermatologie, AKH Wien, stellte in ihrem Beitrag fest, dass die Magnetresonanztomographie (MRT) einen wichtigen Beitrag zur Diagnose und Verlaufskontrolle der AIDS-assoziierten progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) und HIV-Enzephalitis leistet.

Durch die HAART ließ sich dabei ein klinischer und radiologischer Erfolg erzielen. Die initial im MRT nachgewiesene Progression der Läsionen unter HAART kann als morphologisches Substrat einer posttherapeutischen Entzündungsreaktion interpretiert werden. Bei PML-Patienten mit langer Überlebenszeit sind die atrophischen ZNS-Veränderungen mit ausgebrannten PML-Läsionen vereinbar. Das persistierende neurologische Defizit entspricht dabei eher einem Residuum als einer Progredienz der zerebralen Erkrankung.

Mit der Dauer der antiretroviralen Kombinationstherapien gewinnen Nebenwirkungen der Medikamente zunehmend an Bedeutung. Die mitochondriale Toxizität der Nukleosidanaloga ist als Pathomechanismus von Nebenwirkungen, zum Beispiel Laktazidose, Hepatopathie, Pankreatitis sowie Neuro- oder Myopathie, etabliert.

Häufigkeit und Morphologie

Zur Evaluierung von Häufigkeit und Morphologie von Veränderungen an den Mitochondrien unter antiretroviraler Therapie haben M. Sarcletti und Mitarbeiter, AIDS-Ambulanz, Innsbruck, bei 38 Patienten insgesamt 32 Muskelbiopsien und 26 Leberbiopsien im Elektronenmikroskop untersucht.

In den Muskelbiopsien fanden sich subsarkolemmale Anhäufungen der Mitochondrien (63%), Labyrinthcritae (97%), Riesen-Mitochondrien (25%), kristalline Einschlüsse (12%), degeneriertes Myofilament (97%), asymmetrische Sarkomere (88%) und Fettvakuolen (69%). Die Veränderungen in den Leberbiopsaten zeigten mit Ringcristae (19%), Vakuolen (42%), Riesen-Mitochondrien (35%), Matrix-Granula (31%) und bisher nicht beschriebene kristalline Einschlüsse (19%) geringere Auffälligkeiten als die Muskulatur.

GPT-Wert normalisierte sich

Die Hepatitis C (HCV) Infektion verläuft bei HIV-Koinfektion aggressiver und ist zunehmend eine wichtige Ursache für Morbidität und Mortalität. Eine Arbeitsgemeinschaft um A. Petter, HIV-Ambulanz der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie, Innsbruck, berichtete über eine Beobachtungsstudie bei 21 Patienten, die eine Kombinationstherapie mit Interferon-alpha 2b (3 Mill. IU 3x/Woche) und Ribavirin (1000 bis 1200 mg/d) begannen.

Einschlusskriterien waren ein persistierend erhöhter GPT- Wert von über 40 U/l in den vorausgegangenen zwölf Monaten und ein positiver HCV-RNA Nachweis im Plasma. Sechs der 21 Patienten (31%) waren bei Therapieende beziehungsweise Abbruch HCV-PCR negativ.

Der GPT-Wert normalisierte sich bei acht von 21 Patienten (38%). Bei HIV-koinfizierten Patienten mit Genotyp 1 scheint die Behandlung weniger effektiv zu sein als bei Genotyp 3 oder HIV-negativen Patienten. Zwölf der 21 Patienten (57%) brachen die Therapie nach durchschnittlich 19 Wochen wegen Nebenwirkungen oder mangelndem Ansprechen vorzeitig ab.

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