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Innere Medizin 12. April 2006

Lösung für die In-Stent-Restenose

Etwa 8.000 Koronar-Stents werden derzeit jährlich in Österreich bei zirka 5.850 Patienten implantiert. Eine bisher in vielen Fällen unvermeidbare, meist nach drei bis sechs Monaten auftretende Komplikation war die In-Stent-Restenose, die in 26 bis 32 Prozent zu einem Wiederverschluss des Gefäßes führte. So mussten sich jährlich etwa 2.000 Patienten aufgrund einer In-Stent-Restenose einer weiteren Behandlung unterziehen.

Nun steht ein sehr wirksames Instrument gegen diese "Achillesferse der interventionellen Kardiologie" zur Verfügung: Der neu entwickelte "drug-eluting" CypherTM-Stent ist mit einem Abgabe-System für das Antibiotikum Sirolimus versehen, das über die besondere Eigenschaft verfügt, die fatale Gewebewucherung im Stent zu unterbinden. Umfangreiche Studien belegen die Wirksamkeit und Sicherheit des neuen, Polymer-beschichteten Cypher-Stents. 

"Durch seine zytostatische, aber nicht toxische Wirkung verhindert Sirolimus die Zellproliferation und somit lokale Gefäßwucherungen. Die Freisetzung im Stent erfolgt wirksam und kontrolliert. Wir haben es hier mit einem seit langer Zeit in anderen Bereichen der Medizin bewährten Wirkstoff zu tun, der eine überprüfte allgemeine Sicherheit garantiert", erklärt Prof. Dr. Otmar Pachinger, Klinische Abteilung für Kardiologie, Universitätsklinik für Innere Medizin, Innsbruck. 

Bahnbrechende Studien

Die bisher veröffentlichten Studienergebnisse (FIRST-IN-MAN, RAVEL-Studie, US-SIRIUS Multicenter Studie) attestieren dem Sirolimus-eluting CypherTM-Stent eine Restenose-Rate von null bis zwei Prozent. Eine weitere doppelblinde randomisierte Multicenterstudie ARTS-II mit insgesamt etwa 600 Patienten startete im Jänner 2002. 45 bis 50 Zentren (darunter die Universitätsklinik für Innere Medizin in Innsbruck, Klinische Abteilung für Kardiologie) werden zusammenarbeiten, um die Wirksamkeit und Kosteneffizienz des CypherTM-Stents bei Koronar-Interventionen im Vergleich zu Bypass-Operationen zu untersuchen. 

Prof. Dr. Bernd Eber, II. Interne Abteilung mit Kardiologie, AKH Wels, weist auf die Bedeutung von psychosozialen Faktoren, hier allen voran die Depression und Angst, unter der viele Patienten nach koronarem Ereignis leiden und die ganz wesentlich deren Lebensqualität beeinflusst, hin. "Die Ergebnisse aller bisherigen Studien mit dem CypherTM-Stent weisen darauf hin, dass wir die Patienten nun von der Sorge vor einer Restenose weitgehend befreien können", meint Eber. 

Prof. Dr. Werner Klein, Leiter der Klinischen Abteilung für Kardiologie, Univ. Klinik Graz: "Zunächst sollte der Stent sich bei jenen Patienten bewähren, die eine sehr hohe Restenose-Wahrscheinlichkeit haben. Hierzu gehören beispielsweise Diabetes- oder Niereninsuffizienzpatienten, die etwa ein Drittel der Betroffenen ausmachen. Diese Patienten wurden bisher meist einer offenen Operation unterzogen, da die Wiederverschluss-Rate nach der herkömmlichen Stent-Implantation sogar bei zirka 40 Prozent liegt. Mit dem neuen Stent kann nun diese Hochrisikogruppe mittels Stent-Implantation laut den Richtlinien sogar vorrangig mit dem Sirolimus-eluting Stent behandelt werden."

Für den CypherTM-Stent war aufwendige Entwicklungsarbeit notwendig. Daher ist dieser auch etwa dreimal so teuer wie herkömmliche Stents. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass der CypherTM-Stent langfristig betrachtet nicht nur medizinische, sondern auch klinisch-ökonomische Vorteile bringt: durch Restenosen (26 - 32 Prozent) verursachte Spitalsaufenthalte und Reinterventionen.

Abzusehen ist auch, dass die Brachytherapie (für die derzeitigen Stents die beste Methode, Restenosen durch eine lokal verabreichte Strahlendosis zu reduzieren) durch den CypherTM-Stent in ihrer Bedeutung zurückgehen wird. Mit Hilfe der neuen Technologie könnte es sogar gelingen, Bypassoperationen zu reduzieren. Bei Betrachtung der langfristigen Gesamt-Kostenrechnung ist der Einsatz des CypherTM-Stents also volkswirtschaftlich absolut kosteneffektiv.

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