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Innere Medizin 12. April 2006

Nicht-koronare Ursachen des Thoraxschmerzes

Die Differenzialdiagnose des Thoraxschmerzes stellt eine internistische Herausforderung dar (siehe Tab.). Von den vielen Möglichkeitenm seien in der Folge ein paar wenige herausgegriffen.

Gastrointestinale Ursachen

Prof. Dr. Johann Hammer, Innere Medizin IV, AKH Wien: "Gastrointestinale Ursachen machen bis zu 60 Prozent der nicht-kardialen Thoraxschmerzen aus." Ösophageale Ursachen verursachen fast ähnliche Symptome wie koronar bedingte Thoraxschmerzen: Scharfes, heftiges Brennen und retrosternale Druckgefühle, die durch Belastung ausgelöst und über Stunden andauern können. 

Häufig ist ein ösophagealer Schmerz mit anderen gastrointestinalen Symptomen vergesellschaftet (z.B. Sodbrennen, Dysphagie). Der gastroösophageale Reflux spielt eine besonders wichtige Rolle. Verlaufen alle kardialen Untersuchungen negativ und ist auch die Endoskopie nicht aufschlussreich, so gilt die ph-Metrie als Mittel der Wahl: Ein Abfall unter ph4 korreliert deutlich mit den Symptomen Thoraxschmerz und Sodbrennen. Wenn Motilitätsstörungen ("Nussknackerösophagus") Schmerzen auslösen, so gibt eine Manometrie Aufschluss. 

Vertebrogene Thoraxschmerzen

Prof.Dr. Meinhard Berger von der Universitätsklinik für Neurologie in Innsbruck rief in Erinnerung, welch enge Verbindung zwischen viszeralem und myofaszialem Schmerz besteht. Über- und Fehlbelastung der Muskulatur, gelenkige Verbindungen des Rumpfes und Schultergürtels können heftige Thoraxschmerzen provozieren. Lumbale muskuläre Verkettungen können freilich auch thorakal sekundäre Triggerpunkte hervorrufen. "Auch Internisten sollten die wichtigsten Kniffe der manuellen Untersuchung korrekt anwenden", mahnt Berger. Dazu gehören die richtige Schmerzprovokation und das fachgemäße Palpieren. Das Bindegewebe darf ebenso nicht vergessen werden, denn großflächige Verklebungen oder kleine endoskopische Narben können eine erhebliche Rolle spielen.

Psychosomatische Beschwerden

Auch an die Möglichkeit psychosomatischer Beschwerden (Depressionen, Panikattacken, somatoforme Störungen...) muss gedacht werden. Dr. Otto Ambros, Facharzt für Innere Medizin und Psychotherapeut: "Die Psychosomatik ist in Österreich in der Inneren Medizin leider kaum etabliert." Betroffene mit klassischen Patientenkarrieren präsentieren sich immer wieder dem Kardiologen, ohne dass dieser weiterhelfen kann. 50 Prozent der Patienten glauben trotz durchgeführter Angiographie weiterhin an ein kardiologisches Leiden und weisen meist jede psychisch-somatische Komponente strikt von sich. Ambros: "Wichtig ist, die Betroffenen nicht mit der Ausschlussdiagnostik alleine zu lassen, auch wenn es sich in vielen Fällen um schwierige Patienten handelt. Denn die Ratlosigkeit und Hilflosigkeit des Patienten werden nur an den nächsten Arzt weitergegeben."

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