zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 12. April 2006

Kardio-MRT: Stärken und Grenzen

Die Magnetresonanztomographie des Herzens (Kardio-MRT) hat sich auf Grund des rasanten technischen Fortschritts der vergangenen Jahre bedeutend verbessert. Galt die Untersuchung noch vor wenigen Jahren für Kardiologen als etwas Exotisches und für Radiologen als zeitraubende Spielerei, so bietet die Kardio-MRT heute neben exzellenten morphologischen Bildern auch funktionelle Daten hoher Präzision bis hin zur Real-Time-Bildgebung. 

Der 1998 im European Heart Journal erschienene Task Force Bericht ist längst überholt und bedarf bezüglich der Indikationen einer raschen Korrektur. Neben den damals klassifizierten Klasse-I-Indikationen zur Abklärung kongenitaler Herzvitien, der Aorta (insbesondere Aortenisthmusstenose), der Herztumore und der extrakardialen Gefäße bietet die Kardio-MRT bedeutende Zusatzinformationen bei der Abklärung der Myokarditis, der Perikarderkrankungen, der Kardiomyopathie (hypertrophe, dilatative, restriktive), der linksventrikulären Funktion und der arrhythmogenen rechtsventrikulären Dysplasie. 

"Late-Enhancement"

Die Abgrenzung zwischen infarziertem und vitalem Myokard ist mit dem so genannten "Late-Enhancement" so exakt wie mit keinem anderen bildgebenden Verfahren. Je nach Größe des infarzierten Areals lässt sich die Prognose bei revaskularisierender Therapie sehr gut abschätzen. Transmurale Infarkte sind bezüglich Besserung der Wandkontraktilität und somit auch der Herzauswurfleistung prognostisch ungünstiger einzustufen als kleine Infarkte ohne sichtbares Korrelat. Die aus der Echokardiographie gewohnten Schnittebenen lassen sich präzise einstellen und mit so genannten Cine-Sequenzen, die nur wenige Sekunden Aufnahmezeit benötigen, ist die Herzaktion als Film abspielbar. 

Dabei grenzt sich das signalarme Myokard scharf vom signalintensiven Blutpool der Herzhöhlen ab. Wandbewegungsstörungen, die myokardiale Wanddicke und deren Änderung mit der Herzaktion sowie die Herzklappenfunktion sind in reproduzierbarer Form beurteilbar. Quantitative Flussmessungen erlauben die Bestimmung von Druckgradienten bei Stenosen, von Regurgitationsvolumina bei Klappen-insuffizienzen sowie von Shuntvolumina bei Vitien. Neuerdings wird als Alternative zur Stress-Echokardiographie bei der Vitalitätsdiagnostik des Myokards vor allem bei Patienten mit mäßiger bis schlechter Schallqualität das Stress-Kardio-MRT propagiert. Unter pharmakologischem Stress wird die Kontraktilitäts- und Myokarddickenänderung mit den Cine-Sequenzen im Kurzachsen, 2-Kammer- und 4-Kammerblick beobachtet. 

Bessert sich ein Herzsegment unter geringem Stress beziehungsweise verschlechtert es sich unter hohem pharmakologischen Stress, ist eine Durchblutungsstörung des betroffenen koronararteriellen Versorgungsgebietes gewiss. Ähnliches ist mit Perfusionssequenzen unter Stressbedingungen erzielbar. Dabei wird Kontrastmittel intravenös verabreicht und die myokardiale Kontrastmittelaufnahme mit sehr schnellen Aufnahmeserien bestimmt. Ein Kontrastmittelaufnahmedefizit ist mit einer Durchblutungsstörung im entsprechenden Versorgungsgebiet gleichzusetzen. Letztere beiden Kardio-MRT-Anwendungen bedürfen eines Monitorings des Patienten während der Untersuchung; außerdem ist auf jeden Fall eine exakte kardiologische Vorabklärung des Patienten erforderlich.

Derzeit noch als Forschungsprojekt deklariert ist die Abbildung der Koronararterien, wobei auch auf diesem Sektor vielversprechende Bilder bereits publiziert wurden. Darstellung der Gefäßplaques und Bestimmung der koronararteriellen Flussreserve sind weitere Forschungsprojekte. Es ist abschätzbar, bis auch diese Grenzbereiche in die Routinediagnostik des Herzens eingebunden sind.

Kontraindikationen

Für die Untersuchung nicht geeignet sind sämtliche Patienten mit allgemeinen Kontraindikationen fürs MRT (zum Beispiel Herzschrittmacher, ferromagnetische Fremdkörper etc.). Schwere Arrhythmien beinträchtigen die Aufnahmequalität, somit auch die Bildgüte und Aussagekraft. Klaustrophobie, das Unvermögen, ruhig zu liegen und mangelnde Kooperation sind weitere limitierende Faktoren. 
Abschließend sei bemerkt, dass die Kardio-MRT die diagnostische Landschaft zur Abklärung kardiologischer Probleme bereichert, aufwertet und meines Erachtens nach schon bald revolutioniert.

Korrespondenzadresse: OA Doz. Dr. Klaus Hergan, Leiter der Arbeitsgruppe für kardiovaskuläre Bildgebung der ÖRG ZIR LKH Feldkirch
Akademisches Lehrkrankenhaus, Carinagasse 47, A-6800 Feldkirch,

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben