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Innere Medizin 5. April 2006

Die Geschichte der Nephrologie

Mit der Erweiterung der urologischen Behandlungstechniken und der Biochemie gewann die Pathologie der Niere und ihrer sekretorischen Strukturen immer mehr an Bedeutung. 1950 entstand eine neue wissenschaftliche Disziplin: die Nephrologie. Die Begriffe "Clearance" und "Elektrolythaushalt" sowie das Verständnis der Rolle des Kreatinins waren die ersten Errungenschaften.

Im Rahmen des weltweiten Abenteuers, das man Organverpflanzung bezeichnet und dessen Grundlagen Alexis Carrel und Jaboulay 1906 legten, ist es auf Grund der Fortschritte der Nephrologie und der urologischen Techniken möglich geworden, sich an die Übertragung von Nieren zu wagen. Während der Kriegsjahre kam die Forschungstätigkeit auf dem Gebiet der Transplantationschirurgie zum Stillstand. Im Jahr 1947 war es David M. Hume, der im Peter Brent Brigham Hospital in Boston die erste Nierentransplantation an einer jungen Frau durchführte. Die Bedingungen, unter welchen dieser Eingriff durchgeführt wurde, waren abenteuerlich: Der Eingriff fand mitten in der Nacht in einem kleinen Zimmer des Krankenhauses im Licht von zwei transportablen OP-Lampen statt; die Verwaltung hatte den jungen Ärzten untersagt, einen der Operationssäle zu benützen. Hume setzte die Niere in die linke Cubita ein. Die Harnausscheidung war zunächst zufriedenstellend, sistierte aber bereits am ersten postoperativen Tag. 

Im Jahr 1954 war es dann soweit. Die erste erfolgreiche Nierentransplantation war Realität geworden. Diesmal waren eineiige Zwillinge Spender und Empfänger. Man hoffte, durch die genetische Identität von Spender und Empfänger die Abstoßungsproblematik in den Griff zu bekommen. Das Team um J.E. Murray verzeichnete einen vollen Erfolg. Somit war klar, dass Gewebsidentität nur bei monozygoten Zwillingen zu erreichen war und erfolgreiche Transplantationen nur durch eine Unterdrückung der Abstoßungsreaktionen möglich werden konnten.

Die Transplantatniere zeigte eine so gute Ausscheidung, dass die Eigennieren des Empfängers problemlos entfernt werden konnten. Der Empfänger der ersten funktionierenden Spenderniere in der Geschichte der Medizin lebte fortan in völliger Gesundheit, heiratete bald nach der Operation und gründete eine Familie. Somit war klar, dass Gewebsidentität nur bei monozygoten Zwillingen zu erreichen war und erfolgreiche Transplantationen nur durch eine Unterdrückung der Abstoßungsreaktiionen möglich werden konnten.

In diesem Zusammenhang muss man nachdrücklich auf die Rolle Carrels hinweisen, der dank der experimentellen Mittel, die man ihm in den Vereinigten Staaten zur Verfügung stellte, 1912 die ersten Organverpflanzungen an Tieren vornehmen konnte. Bei der Nierentransplantation stammt die Spenderniere entweder von einem frisch Verstorbenen oder einem Hirntoten, dessen Blutkreislauf künstlich aufrechterhalten worden ist. Die Qualitätsunterschiede zwischen den Organen von lebenden oder toten Spendern lassen sich an den abweichenden Erfolgen der Verpflanzungen erkennen. Der in Frage kommende Empfänger wird aufgrund von Bestimmungen der Erythrozytengruppen, der zytotoxischen Antikörper sowie der Gewebeverträglichkeit ausgewählt (Definition des die Kompatibilität betreffenden HL-A-Systems durch Jean Dausset, 1966). Vor der Nierentransplantation muss der Patient eine mehr oder weniger lange Wartezeit ohne Nieren überstehen; währenddessen wird sein Blut in einer künstlichen Niere »gewaschen«. Die besten Gesamtergebnisse aller Organverpflanzungen erzielt zur Zeit immer noch die Nierentransplantation. 

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