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Innere Medizin 9. März 2015

Mit dem Patienten, nicht über ihn hinweg

Prof. Dr. Klaus Machold von der Klinischen Abteilung für Rheumatologie am AKH Wien trat auf der letzten Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie (ÖGR) sein Amt als Präsident der Gesellschaft an. Im Gespräch erzählt er über die Tätigkeit der ÖGR, die er als Präsident elect bereits seit zwei Jahren begleitet hat, seine Ziele für die nächsten zwei Jahre und die Höhepunkte der Jahrestagung.  

Was hat die ÖGR in den vergangenen zwei Jahren beschäftigt?
Machold: In den letzten Jahren konnte der von der Gesellschaft ursprünglich eingeschlagene Weg erfolgreich weiter verfolgt werden. Unsere Initiativen hinsichtlich der Anerkennung des rheumatologischen Faches etwa waren durchwegs fruchtbar. Wir konnten, im Rahmen der neu zu erstellenden Ausbildungsverordnung, unser Fach einbringen – es wird in Zukunft den „Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie“ geben, der gleichwertig mit den übrigen Sonderfächern in der Inneren Medizin etabliert wird. Die Vertreter der ÖGR haben eine Ausbildungsordnung erstellt, die im Moment begutachtet und ab Mitte 2015 gültig sein wird. Im Unterschied zur derzeitigen Regelung wird die Grundausbildung im Fach Innere Medizin dann nur noch 27 statt 72 Monate umfassen. Dazu kommen 36 Monate vertiefende Ausbildung in der Rheumatologie. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt der vergangenen Periode war die Neuerstellung und Adaptierung der Aufklärungsbögen für Biologika und konventionelle DMARDs (disease-modifying anti-rheumatic drugs). Der Abschluss dieser Arbeiten ist ebenfalls Mitte 2015 zu erwarten. In den vergangenen zwei Jahren wurde außerdem das als Verein gegründete Biologika-Register BioReg mit der Gesellschaft für Rheumatologie, ebenfalls ein Verein, zusammengeführt. Inzwischen gibt es den Wunsch der Kinderrheumatologie an einer fixen Kooperation mit dem Register und auch die Orthopäden sind sehr interessiert. Die Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Orthopädie wurde weitergeführt, die Sektion der Rheumatologen in der Gesellschaft für Kinderheilkunde ist fest etabliert und auch die Physikalische Medizin und Rehabilitation ist bei uns entsprechend vertreten. Diese Kooperationen werden selbstverständlich auch in den kommenden Jahren fortgeführt.

Was möchten Sie in den kommenden Jahren Ihrer Präsidentschaft erreichen?
Machold: Die Unterstützung der Patienteninitiativen hat in der Rheumatologie schon eine lange Tradition, etwa mit dem ÖGR-Patientenpreis und verschiedenen gemeinsamen Veranstaltungen wie Rheuma-Tagen. Eines meiner wichtigsten Anliegen ist, dem Zug der Zeit folgend, die Kooperation mit Patientenorganisationen weiterzuführen und zu vertiefen. Daneben möchte ich auch die Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft der rheumatologischen Gesundheitsberufe (ÖGRG) stärken. Es besteht bereits ein reges Interesse an der Ausbildung zur Rheuma-Pflegefachkraft, das ich weiter – vor allem ideell – fördern möchte.

Haben Sie ein besonderes Ziel?
Machold: Dass es kaum Rheumatologen im niedergelassenen Bereich gibt, ist natürlich ein unhaltbarer Zustand. Nur eine verschwindende Minderzahl von niedergelassenen Rheumatologen kann ihre Expertise im Kassenumfeld anbieten. Der einfache Grund: Mit Ausnahme der Gebietskrankenkasse in Oberösterreich gibt es keine Verrechnungsgrundlage. Das heißt, der Rheumatologe kann seine spezialisierten Beratungsleistungen nicht abrechnen. Mein Ziel ist daher, in allen Bundesländern mit den Kostenträgern zu verhandeln, um Verrechnungsmöglichkeiten zu schaffen und den niedergelassenen Bereich attraktiver zu gestalten. Denn der Rheumatologe spielt eine entscheidende Rolle bei Problemen des Bewegungsapparates. Werden die lange Suche und die oft jahrelangen Wartezeiten bis zur Diagnose verkürzt, ist das auch aus einem ökonomischen Gesichtspunkt sinnvoll.

Was waren die Höhepunkte des ÖGR- Kongresses 2014 aus Ihrer Sicht?
Machold: Der wahrscheinlich wichtigste Höhepunkt war, dass der Kongress fast 400 Teilnehmer hatte. Damit war die Tagung 2014 die bisher teilnehmerreichste, trotz des gedrängten Programmes – der Samstag war schon dem Central European Congress of Rheumatology (CECR) gewidmet. Die Workshops der ÖGR-Tagung waren gut besucht und teils sogar überbucht. Persönlich am besten gefallen hat mir die Sitzung über die Therapieadhärenz. Hier konnte gezeigt werden, dass nur etwa die Hälfte der Patienten die komplexen Therapien, die vom Rheumatologen angeboten werden, auch tatsächlich durchführen. Das muss einem verordnenden Arzt bewusst sein: Als Arzt muss man sich mit dem Patienten über die Therapie einigen, statt eine Therapie nur zu verordnen. Das ist auch der wesentliche Unterschied zwischen Adhärenz und Compliance. Die Therapieadhärenz ist ein gemeinsam gefundener Kompromiss zwischen Arzt und Patient. Der zweite Vortrag der Sitzung zu Therapieadhärenz wurde von Dr. Rudolf Puchner gehalten, der gezeigt hat, wie wichtig die Unterstützung der Gesundheitsberufe in puncto Adhärenz ist. Eine weitere sehr eindrucksvolle Sitzung hat sich mit der Bildgebung bei Spondyloarthritis beschäftigt.

Das Gespräch führte Mag. Tanja Fabsits

 

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