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Abb1: BioReg Rheumatoide Arthrits (Stand Oktober 2014)
 
Innere Medizin 9. März 2015

Aus dem Biologika-Register

Daten zur Rheumatoiden Arthritis

Auf der letzten Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie (ÖGR), die von 4. bis 5. Dezember 2014 in Wien stattfand, wurden unter anderem Daten aus dem BioReg präsentiert. Priv.-Doz. Dr. Jochen Zwerina vom Wiener Hanusch Krankenhaus referierte über Analysen der Daten zur Rheumatoiden Arthritis. 

Bei der Rheumatoiden Arthritis haben 24 Zentren Patientendaten ein - gegeben, bei 857 Patienten wurde zu mindestens eine Baseline-Visite erfasst. Prinzipiell war vorgesehen, alle sechs Monate Daten aus einer Visite einzutragen. Hier hat sich eine gewisse Streuung ergeben, bestimmte Patienten wurden öfter und andere weniger häufig erfasst. Bei den ersten drei Folgevisiten bei sechs, zwölf und 18 Monaten wurden immerhin jeweils ca. 400 Patienten weiter begutachtet (Abb.  1 ). Für die Zukunft wird noch mit einem Datenzuwachs gerechnet.

„Nicht unerwartet sind drei Viertel der Patienten weiblich, im Durchschnitt etwa 60 Jahre alt mit einem Body Mass Index von knapp 26“, so Zwerina. Im Durchschnitt erkrankten die Patienten im Alter von 46 Jahren, etwa drei Jahre später wurde die Diagnose „Rheumatoide Arthritis“ gestellt. Eine positive Familienanamnese für rheumatische Erkrankungen wurde in 17 % der F älle angegeben, in 62 % der F älle wurde eine Begleiterkrankung angeführt: Knapp 4 % der Patienten hatten eine Anamnese einer Tuberkulose, bei 2,6 % der Patienten fand sich ein Malignom in der Anamnese, 29 % gaben kardiovaskuläre Erkrankungen an, 2 % Hepatitis, 3 % Niereninsuffizienz, knapp 9 % Typ-2-Diabetes, knapp 16 % Fettstoffwechselstörungen.

Die meisten Patienten, insgesamt 98 %, haben in ihrem Leben bereits ein DMARD (disease-modifying antirheumaticdrug) erhalten. Weit über 1.000 DMARDS wurden bei diesen Patienten bereits angewandt. Nur etwa 15 Patienten wurden nie mit einem DMARD behandelt, 297 Patienten erhielten bereits ein DMARD und 285 Patienten wurden schon mit zwei, 170 Patienten mit drei DMARDS behandelt. 10 % der Patienten hatten schon vier verschiedene DMARDS erhalten. Die meisten, 85 % der Patienten, erhielten Methotrexat bei der Baseline -Visite. Über 10 % er hielten Leflunomid und ein kleiner Teil auch Sulfasalazin. Alle übrigen DMARDS wie z. B. Cyclosporin oder Antimalariamittel werden den vorliegenden Daten zufolge nur selten eingesetzt.

Einschlusskriterium: Biologikum bei Baseline

Bei Studieneinschluss hatten 575 Patienten bisher ein Biologikum, 174 Patienten schon zwei, 60 Patienten drei und 34 Patienten bereits vier Biologika erhalten. Zwerina: „Die Verteilung der Biologika zur Baseline ist ebenfalls nicht ganz unerwartet: Die Biologika, die es am längsten gibt, sind entsprechend stärker repräsentiert. Knapp 30 % Etanercept, 21,7 % Adalimumab, dann Tocilizumab, Infliximab, Rituximab und danach die zuletzt zugelassenen Wirkstoffe.“.

Kombinations-Therapie oder Monotherapie

Weltweit zeigt sich in den meisten Registern, dass – entgegen der Empfehlungen und Datenlage – etwa ein Drittel der Patienten eine Monotherapie bekommt und zwei Drittel der Patienten ein Biologikum begleitend zu einem DMARD erhalten. Dies ist auch in BioReg in ähnlicher Weise nachweisbar.

Ko-Medikation hinsichtlich der RA: Ein Drittel der Patienten hat zur Baseline ein Glucocorticoid eingenommen. 6 % der Patienten nahmen mehr als 10 mg Prednisolon-Äquivalent täglich ein. Immerhin die Hälfte der Patienten nimmt regelmäßig NSAR ein. 

Klinische Daten

Die Patienten zeigen zur Baseline im Durchschnitt

  • Swollen joint count: 1,88 
  • Tender joint: 2,7 
  • DAS28: 3,22
  • CDAI: 8,9 
  • VAS Globaleinschätzung vom Arzt: 20
  • VAS Globaleinschätzung vom Patienten: knapp 33
  • RADAI5: 3,22
  • HAQ: 0,85

Im Durchschnitt zeigt sich außerdem gering erhöhtes CRP von 6,8  mg/l. Der Rheumafaktor war positiv bei 46 %, negativ bei 17,9 % und bei 30,9 % der P atienten wurde der Rheumafaktor nicht erhoben.

Verlaufsdaten

Zwerina fasst zusammen: „Bis zur Folgevisite 3 standen ausreichend Patientendaten mit jeweils knapp 400 Patienten zur Auswertung zur Verfügung. Die Globaleinschätzung des Arztes ist prinzipiell gut, auch die des Patienten. Der DAS28 sinkt auf etwa 2,5. Im Durchschnitt sehen wir hier eine klinisch gut eingestellte Patientenpopulation. Auch bei CDAI, RADAI5 und HAQ zeigen sich ähnliche Daten.“

Therapieänderungen

Es kommt im Verlauf bei vielen Patienten zu Therapieänderungen. Ein Drittel der Patienten erfährt irgendeine Art der Therapieänderung bei rheumatischen Erkrankungen. Das DMARD wird bei 12–16 % der Patienten geändert, wobei die DMARD- Änderung meist Methotrexat betrifft. „Da sprechen wir aber auch von Patienten, die Methotrexat ge plant absetzen, was vermutlich auf der Effektivität des Biologikums oder einem Patientenwunsch beruht. In diesen Fällen wird nicht etwa zu Leflunomid oder anderen Alternativen gewechselt, sondern die Änderung ist dann auch ein ersatzloses Absetzen“, erklärt Zwerina. Er führt weiter aus: „Bei den Biologika ist das anders, hier wird etwas öfter gewechselt. Etwa 20 % der Patienten werden aufgrund einer Ineffektivität umgestellt, oder das Biologikum wird aufgrund der guten Wirksamkeit in seiner Dosierung geändert oder abgesetzt.“ Glucocorticoidänderungen liegen am Anfang bei 14 % und nehmen über die nächsten Visiten ab. Auch hier sieht Zwerina eher eine Änderung im Sinne eines Reduzierens oder Absetzens, vermutlich aufgrund der guten Wirksamkeit der Basistherapie. Bei den NSAR gibt es keine größeren Änderungen im Verlauf. Die Patienten dürften regelmäßig als Stand-by-Medikation auf NSAR zurückgreifen, wenn sie „schlechtere Tage“ erleben. Einen Gelenksersatz bekamen zwischen 1 und 2 % der Patienten. Gelegentlich gibt es auch einen Patienten, der im Visitenintervall synovektomiert wird. Die Biologika im Therapieverlauf: Bei Visite 3 sind weiter Etanercept und Adalimumab stark vertreten, danach scheinen Retuximab, Infliximab, Tocilizumab, Golimumab, Certolizumab und Abatacept auf (s. Tab 1 ). 

Abb3_rp1_Bioreg

Tab 1: Biologika im Therapieverlauf

 

 

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