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Innere Medizin 3. März 2015

Mitteilungen der Gesellschaft

em. o. Prof. Dr. Werner Waldhäusl – Ehrenmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin

Die Österreichische Gesellschaft für Innere Medizin hat in ihrer Sitzung vom 31. Jänner 2014 einstimmig beschlossen, Herrn em. o. Prof. Dr. Werner Waldhäusl zum Ehrenmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin zu ernennen. Die Urkunde wurde Herrn Prof. Waldhäusl durch den Präsidenten der Gesellschaft, Prof. Herbert Watzke, beim jährlichen Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin im Rahmen der Kongresseröffnung am 25. September 2014 überreicht.

Laudatio

Die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an ein Mitglied durch eine große bedeutende Gesellschaft wie die ÖGIM ist ein besonderes Ereignis, mit der die Gesellschaft Personen ehrt, die sich große Verdienste in der Wissenschaft auf dem Gebiet der Inneren Medizin und/oder der Entwicklung der Gesellschaft erworben haben.

Professor Waldhäusl hat beide Voraussetzungen in hohem Maße erfüllt. Man hat mich gebeten, diese Verdienste von Werner Waldhäusl darzustellen, da ich nicht nur ein langjähriger Freund von Werner bin, sondern seine und meine Entwicklung in der wissenschaftlichen und klinischen Medizin sehr eng miteinander verbunden waren, zuerst an der 1. Medizinischen Klinik, dann an der Medizinischen Universität Wien und bis zu einem gewissen Grad auch nach unserer Emeritierung.

Werner Waldhäusl wurde 1937 in Leipzig geboren, übersiedelte 1943 nach Wien, studierte an der Medizinischen Fakultät in Wien und promovierte dort 1962. Nach einem Jahr allgemeinmedizinischer Ausbildung im Krankenhaus Mistelbach arbeitete er 2 Jahre im Institut für experimentelle Medizin bei Professor Lindner und trat 1965 in die 1. Medizinische Klinik bei Professor Deutsch ein. Schon sehr bald begann er sich mit endokrinologischen Themen zu beschäftigen und ging für 2 Jahre, von 1968 bis 1970, zu Professor Conn nach Ann Arbor, dem damaligen „Endokrinologiepapst“, wo er eine sehr gründliche, spezielle Ausbildung in Endokrinologie durchmachte. 1973 habilitierte er sich, wurde 1978 Professor und 1982 außerordentlicher Professor. Nach der Emeritierung von Professor Deutsch leitete er bis 1992 als supplierender Leiter die 1. Medizinische Klinik. 1992 wurde er zum Leiter der Abteilung Endokrinologie und Diabetes der Medizinischen Universität Wien und gleichzeitig zum Vorstand der 3. Medizinischen Klinik ernannt.

Professor Waldhäusl hat an der 1. Medizinischen Klinik ein leistungsfähiges Forschungs- und Routine-endokrinologisches Labor aufgebaut, das ihm erlaubte, anspruchsvolle wissenschaftliche Studien durchzuführen. Er hat eine ganze Generation von Endokrinologen ausgebildet, von denen viele Karriere gemacht haben. Fünf seiner ehemaligen Mitarbeiter haben hohe akademische Positionen in Österreich oder Deutschland erlangt und 7 sind Primarii geworden.

Während seiner Zeit an der Medizinischen Universität Wien hat er weit mehr als 400 wissenschaftliche Arbeiten als Erstautor, Letztautor oder Mitautor verfasst, die sich mit endokrinologischen Fragestellungen aller Art, vor allem Diabetes, beschäftigten. Viele Arbeiten wurden in hochrangigen Zeitschriften publiziert. Seine bestzitierte Arbeit wurde mehr als 500mal zitiert. Für diese Arbeiten erhielt er zahlreiche Preise. Er war ein gesuchter Redner im In- und Ausland, wobei die Einladung zur Claude Bernard Lecture besonders zu erwähnen ist. Er war Mitglied und Gutachter zahlreicher Wissenschaftsgremien, u. a. in der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Er war 5 Jahre Main Editor der Spitzenzeitschrift „Diabetologia“. Es ist ihm gelungen, den Impactfaktor dieser Zeitschrift unter seiner Leitung deutlich zu erhöhen.

Neben seiner Tätigkeit in der Wissenschaft und Lehre engagierte sich Waldhäusl auch gesellschaftspolitisch. Für die ÖGIM, deren Präsident er 3 Jahre war, war es ihm ein besonderes Anliegen, die Gesellschaft zu modernisieren. Nur wenige von Ihnen werden wissen, dass die ÖGIM erst seit 2002 eine richtige Mitgliedergesellschaft ist, mit einem Präsidenten, einem Kongress-Präsidenten und einer Individualmitgliedschaft. Bis dahin bestand das Führungsgremium nur aus den Vorsitzenden der Bundesländergesellschaften und die Präsidentschaft wurde abwechselnd von den Ordinarii der Kliniken wahrgenommen. Professor Waldhäusl hat mehr oder weniger im Alleingang die moderne Struktur, wie sie jetzt besteht, konzipiert, und es ist ihm mit viel Geduld und Überzeugungskraft gelungen, die Vertreter des alten Systems zu überzeugen.

Eine weitere wichtige Leistung, die er schon vor seiner Präsidentschaft erbracht hat, war, zu erreichen, dass die Intensivmedizin als Teil der internen Abteilungen erhalten blieb.

2005 emeritierte Professor Waldhäusl, hat aber, wie viele unserer Generation, nach seiner Emeritierung den Ehrgeiz, die Kraft und Freude erhalten, weiter universitär tätig zu sein. Er wurde Vizerektor der Veterinärmedizinischen Universität für 5 Jahre und ist jetzt immer noch praktisch in einem Diabetes Rehabilitationszentrum tätig.

Lieber Werner, Du bist das 16. Ehrenmitglied der ÖGIM. Wenn Du ins Internet schaust und die Namen der bisherigen Ehrenmitglieder der ÖGIM studierst, wirst Du sehen, in welch prominenten Gesellschaft Du Dich jetzt befindest, und dazu möchte ich Dir im Namen aller Mitglieder herzlichst gratulieren!

Klaus Lechner, Prof. emeritus der Medizinische Universität Wien

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