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Gewichtsverlust ist keine normale Alterserscheinung
 
Innere Medizin 12. März 2015

Gefährlicher Gewichtsverlust

Mangelernährung im Alter frühzeitig erkennen und behandeln

Mangelernährung begünstigt Infektionskrankheiten, Stürze und den Verlust kognitiver Fähigkeiten, warnt die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit sollten für Angehörige und Pflegekräfte ein Warnsignal sein.

Nachlassender Geschmacks- und Geruchssinn, Verlust des natürlichen Appetitgefühls durch Kau- und Schluckbeschwerden oder psychische Erkrankungen, wie eine Depression, sind einige der Ursachen für eine zu geringe Kalorienzufuhr über die tägliche Nahrung. Auch Erkrankungen, etwa schwere Infektionen, Krebs oder eine chronisch obs-truktive Lungenerkrankung (COPD) können dazu führen, dass ältere Menschen über längere Zeit die Nahrungsaufnahme vernachlässigen. „Unterernährung bei älteren Menschen sollte so früh wie möglich festgestellt und behandelt werden“, sagt Ernährungsmediziner Prof. Dr. Johann Ockenga, Direktor der Medizinischen Klinik II am Klinikum Bremen Mitte. Ein Body Mass Index (BMI) von 20,5 kg/m² oder weniger, aber auch ein erheblicher vorangegangener Gewichtsverlust können auf eine Mangelernährung hinweisen. Einen hohen Gewichtsverlust können insbesondere Senioren häufig nicht mehr aufholen.

Um im Zweifelsfall schnellstmöglich mit der Ernährungstherapie zu beginnen, sei es insbesondere bei älteren Patienten unbedingt nötig, den Ernährungszustand bei Aufnahme im Krankenhaus oder im Pflegeheim einheitlich und regelmäßig zu erfassen. Mit standardisierten Tests lässt sich das Risiko einer Mangelernährung verlässlich ermitteln. Für ein Nutritional Risk Screening benötigt man, so Ockenga, beispielsweise lediglich eine Waage und ein paar Minuten Zeit.

Zu wenig Personal für intensive Betreuung

In vielen Pflegeheimen und Kliniken sind solche Tests jedoch nicht Bestandteil der täglichen Praxis. Viele Heimbewohner und die meisten älteren, vielfach erkrankten Patienten benötigen intensive Betreuung. Darauf ist der Personalschlüssel nicht immer entsprechend angepasst und das Pflegepersonal nicht ausreichend geschult, um einen unterernährten Patienten zu erkennen. „Für viele ist es eine normale Alterserscheinung, dass ältere Menschen weniger Appetit haben und an Gewicht verlieren“, so Ockenga. Selbst in vielen teuren Pflegeheimen fehlt die Zeit, um den Senioren beim Halten der Schnabeltasse oder dem Zerkleinern des Essens zu helfen. „Deshalb sollten auch Angehörige unbedingt auf Warnsignale wie Appetitlosigkeit, körperliche Schwäche, Hautveränderungen und Teilnahmslosigkeit achten.“

Fehlt Senioren der Appetit, empfehlen Experten statt drei Hauptmahlzeiten bis zu fünf kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt einzunehmen. Diese sollten aus energiereicher Kost mit hoher Nährstoffdichte, wie Vollkornbrot, Gemüse oder Milchprodukte mit vollem Fettanteil bestehen. „Liegt eine Mangelernährung vor, müssen zunächst mögliche spezifische Ursachen abgeklärt werden“, sagt Ockenga. Darüber hinaus kann Abwechslung auf dem Teller helfen, den Appetit wieder anzuregen. Ausgerechnet fette Lebensmittel sind nicht immer leicht verdaulich. Um in akuten Phasen dennoch Gewicht zuzunehmen, etwa nach einem längeren Krankenhausaufenthalt, können Ärzte hochkalorische Getränke und Speisen verordnen. Sie liefern die nötige Energie aber auch Ballaststoffe. „Ganz wichtig ist, dass hier alle Beteiligten, also Patienten, Angehörige, Pflegepersonal und Ärzte eng zusammenarbeiten und nötigenfalls auch einen spezialisierten Ernährungsberater oder -mediziner hinzuziehen“, empfiehlt Ockenga.

Quelle: Presseaussendung der DGVS

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