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Innere Medizin 20. März 2006

Geizen Sie bei Diarrhö mit Antibiotika

Anhand der klinischen Symptomatik lässt sich oft zuordnen, welcher Erreger eine akute Durchfallerkrankung wahrscheinlich hervorgerufen hat.

Enteritiden können beim Säugling und bei älteren Menschen schnell zur Exsikkose führen, meinte Prof. Dr. Bernd Salzberger, aus Regensburg beim 27. Landshuter Gastroenterologen-Gespräch im März 2005. „Anamnestisch sollten Sie nach Reisen, konsumierten Lebensmitteln und der Einnahme von Antibiotika fragen sowie danach, ob in der Umgebung noch weitere Personen erkrankt sind.“

Klinische Symptomatik Weg weisend

Der Erreger kann anhand klinischer Charakteristika wie Inkubationszeit und Symptomen eingekreist werden. Staphylococcus aureus führt durch sein Exotoxin sehr rasch zu Durchfall, der meist nach 24 Stunden schon wieder vorbei ist. Meist leiden die Patienten nicht an Fieber, aber an ausgeprägtem Erbrechen. Salmonella enteritidis hat eine Inkubationszeit von fünf bis 72 Stunden. Die Erkrankung dauert bei intaktem Immunsystem vier bis zehn Tage. Aber die Patienten scheiden die Keime über Wochen aus. Eine Infektion mit Salmonella typhi oder paratyphi ruft zunächst Fieber, Verwirrtheit oder auch Hepatosplenomegalie hervor. Der erbsenbreiartige Durchfall setzt erst später ein. Die klassische Shigellenruhr beginnt nach einer Inkubationszeit von ein bis vier Tagen mit kolikartigen Bauchschmerzen, blutig-schleimiger Diarrhö und Fieber. Einen gutartigen, aber lästigen Verlauf über wenige Tage nimmt die Gastroenteritis, die durch das Enterotoxin der häufigsten Erreger, enteropathogene Escherichia coli (E.coli), hervorgerufen wird.

Chronischer Durchfall: Stecken Lamblien dahinter?

Unter den Protozoen sind die Lamblien am wichtigsten. Sie verursachen nahrungsabhängige, voluminöse Durchfälle und schwere Blähungen. Die Diarrhöen können über Monate oder sogar Jahre anhalten. „Bei chronischer Diarrhö muss man deshalb immer auch an Lamblien denken“, so Salzberger. Amöben sind ein besonders heimtückisches Mitbringsel aus tropischen Regionen. Sie verursachen akut eine ulzerierende Colitis und können nach Monaten zu einem Leberabszess führen, eine manchmal lebensbedrohliche Situation. Cryptosporidien kommen als Enteritiserreger viel häufiger vor, als man früher gedacht hat. Die Infektion verläuft aber bei immunkompetenten Patienten kurz und unkompliziert. In den Anfangszeiten von AIDS haben Crypto­sporidien-Infektionen große Probleme bereitet. Die Patienten hatten wochen- und monatelang bis zu 20 Stuhlentleerungen am Tag und waren praktisch unbehandelbar. Die Letalität betrug bis zu 70 Prozent.

Virale Gastroenteritiden mit unterschiedlichem Verlauf

Als Erreger von viralen Gastroenteritiden stehen Rotaviren im Vordergrund. Aber auch Adeno-, Calici- und Corona-Viren spielen eine Rolle. Man kann in der Regel einen benignen Verlauf über wenige Tage erwarten. Extrem infektiös sind allerdings Noro-Viren: „In Regensburg mussten wir die hämato-onkologische Station eine Woche lang schließen, weil es immer wieder Ping-Pong-Infektionen gab zwischen infizierten Patienten und Personal“, berichtete Salzberger.Nicht verpassen darf man das hämolytisch-urämische Syndrom, das durch enterohämorrhagische Escherichia-coli-Stämme verursacht wird. Diese haben sich ein Toxin von den Shigellen geliehen oder erworben, wie man heute weiß. Dieses Toxin kann blutige Diarrhöen und schwere Hämolysen mit der Folge eines akuten Nierenversagens verursachen. Typisch ist die Übertragung durch nicht vollständig durchgegartes Rinderhack, wie Epidemien in Hamburger-Ketten zeigten. Die wichtigen Maßnahmen bei akuten bakteriellen Gastroenteritiden sind symptomatisch, vor allem Flüssigkeitsersatz. Man muss sich immer die Frage stellen, ob man überhaupt antibiotisch behandeln sollte. Wenn man sich dafür entscheidet, ist für die klassischen Enteritiserreger Ciprofloxacin die beste Wahl.

Resistente Keime nehmen zu

Aber die Indikation dafür muss wirklich streng gestellt werden, weil die Zahl von Ciprofloxacin-resistenten E. coli stark zunimmt. Bei Infektionen durch Parasiten steht Metronidazol im Mittelpunkt. Da Lamblien sehr schwer zu diagnostizieren sind, sollten Patienten mit chronischer Diarrhö Metronidazol auch empirisch ­bekommen.

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