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Innere Medizin 24. Juli 2005

Hoffnung durch Zunahme der Toleranz

Der Welt AIDS Tag sollte uns allen einen positiven Anstoß zur Solidarität mit HIV-positiven Menschen geben. Die Hoffnung in Österreich nährt sich an der AIDS-Prävention, Früherkennung von HIV-positiven Menschen, Vereinfachung der antiretroviralen Behandlung, Verbesserung im Management von Begleiterkrankungen und Nebenwirkungen sowie an der Zunahme der Toleranz.

Vergleichsweise niedrige Prävalenz

Die AIDS-Prävention leistete insbesondere in den 90er-Jahren in Österreich Beachtliches. Diesem Kraftakt und der Fortsetzung der Präventionsarbeit mit Blickpunkt auf gefährdete Zielgruppen ist es zu verdanken, dass die Prävalenz der HIV-Infektion in Österreich vergleichsweise niedrig ist. Da jedes Menschenleben zählt, dürfen wir in unseren präventiven Anstrengungen nicht nachlassen, zumal AIDS auch heute noch nicht heilbar ist!

Die Dunkelziffer an HIV-Infizierten übersteigt die Zahl der bekannten betroffenen Menschen bei weitem. Darin besteht eine zweifache Gefahr: erstens ein erhöhtes Übertragungsrisiko, und zweitens ein zu später Behandlungsbeginn. Die Aufklärungsarbeit sollte sich deshalb neben der Vermeidung einer HIV-Infektion auch auf die Früherkennung von bereits infizierten Menschen konzentrieren. Die Risikofaktoren, wie zum Beispiel ungeschützter Geschlechtsverkehr und intravenöser Drogenkonsum, sind bestens bekannt. Kurz nach Risikosituationen besteht die Möglichkeit einer medikamentösen postexpositionellen Prophylaxe.

Großer Fortschritt durch Kombinationstherapie

Ein großer Fortschritt in der Therapie von HIV-positiven Patienten war die Einführung der antiretroviralen Kombinationstherapie Mitte der 90er-Jahre. Nun war es endlich möglich, die Virusbelastung unter die Nachweisbarkeitsgrenze zu drücken und das Immunsystem nachhaltig zu stärken. Die Folgen waren ein deutlicher Rückgang der gefährlichen opportunistischen Infektionen und Tumore. Allerdings stellt die Kombinationstherapie einen sehr hohen Anspruch an die Disziplin der Patienten, auch wenn es seit kurzem einfachere Therapieregime gibt.

Sorgfältige und ausgewogene Auswahl

Der Beginn und die Art der antiretroviralen Kombinationstherapie müssen sehr sorgfältig und ausgewogen gewählt werden, denn die nützliche Wirkung der Langzeittherapie sollte möglichst nur mit minimalen unerwünschten Nebenwirkungen erkauft werden. Ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt - basierend auf Erfahrung und Empathie - schafft die Voraussetzung für die so notwendige Früherkennung von Begleiterkrankungen, wie Infektionen, Neuropathien, Depression, Pankreatitis und Dermatitis, und Nebenwirkungen, wie Hyperlipidämie, mitochondriale Toxizität, Lipodystrophie und Libidoverlust. Das Spektrum der unerwünschten Nebenwirkungen ist breit, und sowohl die Leidensfähigkeit und Geduld der Patienten als auch die ärztliche Kunst werden auf eine harte Probe gestellt. Erfolge können nur individuelle Lösungen bringen.

Mitgefühl und Unterstützung

Zum Abschluss möchten wir Sie - und alle Menschen in Österreich und weltweit - um Solidarität mit jenen Menschen bitten, die sich mit HIV infiziert haben. AIDS ist keine Strafe Gottes und kein vorherbestimmtes Schicksal, sondern für manche Menschen traurige Realität. Lassen wir diesen Menschen unser Mitgefühl und unsere Unterstützung zukommen!

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