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Innere Medizin 24. Juli 2005

"No risk, no fun" AIDS-Aufklärungs- und Vorsorgearbeit

Im Jahr 1997 wurde in Österreich mit 297 HIV-Neuinfektionen ein Tiefstand registriert. Bis Ende 2000 stieg die Zahl allerdings wieder auf 428 an. Ein Ende dieses Trends ist nicht absehbar, im Gegenteil: er entspricht der internationalen Entwicklung.

Dr. Erich O. Gattner, Präsident der AIDS-Hilfe Oberösterreich, sieht für diesen Trend zwei hauptsächliche Ursachen: "In den Medien ist viel von den Erfolgen der Kombinationstherapie die Rede." Tatsächlich gab es nie zuvor so viele Menschen, die mit einer HIV-Infektion leben.

"Der Krankheitsverlauf wird mit dieser Therapieform verlangsamt, Lebensdauer und -qualität erhöht", ergänzt die oberösterreichische Gesundheitslandesrätin Dr. Silvia Stöger. In vielen Medien würde aber ein Idealbild der Kombinationstherapie gezeichnet und somit bei vielen ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugt.

Aufklärungs- und Vorsorgearbeit geplant

Als zweite Hauptursache nennt Gattner Veränderungen in der Einstellung vor allem bei jüngeren Menschen. Der überwiegende Teil der erstmals HIV-positiv getesteten Menschen gehört zur Bevölkerungsgruppe der 25- bis 35-Jährigen. "Gerade in den letzten fünf Jahren gewann die Lebenseinstellung ±No risk, no fun² an Bedeutung", analysiert Gattner. Auch aus diesem Grund werden seltener Vorkehrungen zum Schutz vor einer Infektion mit HIV getroffen.

Stöger plant für Oberösterreich "eine speziell auf diese Altersgruppe zugeschnittene Aufklärungs- und Vorsorgearbeit". Das Land fördert als Grundlage dafür auch ein Projekt, bei dem gemeinsam mit der AIDS-Hilfe und dem Institut für Soziologie der Universität Linz Daten zur Einstellung und zum Verhalten hinsichtlich sexueller Gesundheit gesammelt werden. Bereits jetzt gibt es nicht nur in Oberösterreich unterschiedliche Ansätze, vor allem jene ca. 15.000 Jugendlichen zu erreichen, die zum ersten Mal in ihren Leben vor sexuellen Kontakten stehen: Vorträge, Schulprojekte, peer-group-Prävention usw.

Hausärzte sollen auf HIV achten

Gattner hofft auf Unterstützung durch die Allgemeinmediziner bei der frühzeitigen Diagnose einer HIV-Infektion: "Die Zahl der durchgeführten HIV-Tests ist rückläufig", auch hier würde sich ein falsches Sicherheitsgefühl negativ auswirken. Bei der Mitteilung eines positiven Befundes bieten die AIDS-Hilfen Unterstützung an. Gattner: "Wir beraten die Ärzte oder vermitteln Psychologen zur Unterstützung."

Ein HIV-Test darf allerdings nur mit Einverständnis des Patienten durchgeführt werden, dies gilt durch das neue Kindschaftsrecht auch für Jugendliche. "Es gibt keine besondere Risikogruppe für eine HIV-Infektion", betont Gattner, so sei in Oberösterreich der Frauenanteil bei den Neuinfektionen auffällig hoch.

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