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Innere Medizin 24. Juli 2005

Das Sorgenkind bleibt die "AIDS-Sorglosigkeit"

Im Rahmen des 12. Österreichischen AIDS-Kongresses und 4. HIV-Pflegesymposiums, welcher vom 30. November bis 1. Dezember 2001 in Graz stattfanden, berichtete Dr. Jean-Paul Klein, Bundesministerium für Soziale Sicherheit und Generationen, über die aktuelle HIV-Situation in Österreich und Europa. Derzeit leben in Österreich etwa 14.000 HIV-positive Menschen, davon 835 mit dem Vollbild AIDS.

Epidemiologische Situation in Europa

Im Jahr 2000 gab es 428 Neuinfektionen. 82 Personen sind an AIDS erkrankt und 48 Menschen sind in diesem Jahr an der Immunschwächekrankheit verstorben. Trotz der Stabilisierung der Neuinfektionen bei rund 400 pro Jahr kommt es in Österreich zu einer kontinuierlichen Zunahme von HIV-positiven Menschen.

In West- und Mitteleuropa ist die HIV-Epidemie weitgehend unter Kontrolle. In Osteuropa kann jedoch ein besorgniserregender Anstieg der Neuinfektionen und AIDS-Fälle beobachtet werden. Während in West- und Mitteleuropa vor allem die heterosexuelle Übertragung zunimmt, kommt es in Osteuropa zu einem explosionsartigen Anstieg bei drogenkonsumierenden Menschen.

Hälfte der HIV-Infizierten sind Frauen

Über epidemiologische Trends der HIV-Infektion in Tirol berichtete Dr. Waltraud Bitterlich, HIV-Ambulanz der Univ.-Klinik Innsbruck. Von den 483 HIV-positiv getesteten Personen mit Wohnsitz in Tirol hatten insgesamt 84% Kontakt zur HIV-Ambulanz. 

Die heterosexuelle Übertragung zeigt von 1985 bis 2001 eine steigende Tendenz von 3,3 bis auf 63,2 Prozent. Diese Zunahme spricht eindeutig für einen Mangel an Prävention. Die Hälfte aller HIV-Infizierten seien Frauen, erzklärt Dr. Brigitte Schmied, 2. Interne Abteilung, Pulmologisches Zentrum, Otto Wagner Spital, Wien.

In den westlichen Industrieländern beträgt der Frauenanteil 25 Prozent. Häufigste Infektionsquelle ist ungeschützter hetero-sexueller Geschlechtsverkehr. Das Partnerrisiko ist meist intravenöser Drogenkonsum, Bisexualität oder Promiskuität.

Eine bei Frauen initial niedrigere Virusbelastung nach Serokonversion im Vergleich zu Männern hat keinen Einfluss auf die Progression der Erkrankung. Werden jene Beobachtungen, dass Frauen bei vergleichbarer CD4-Zellzahl eine niedrigere Viruslast haben, in weiteren Studien bestätigt, so könnte dies zu einer Modifizierung der allgemeinen Therapierichtlinien Anlass geben.

Die Etablierung der antiretroviralen Kombinationstherapie hat zu einer Verringerung der Mortalität und Morbidität sowie des vertikalen Transmissionsrisikos geführt. Der Kinderwunsch bei HIV-infizierten Frauen gewinnt daher zunehmend an Bedeutung.

Die antiretrovirale Therapie in der Schwangerschaft, die medikamentöse Prophylaxe des Neugeborenen, eine elektive Kaiserschnittentbindung und Flaschenernährung des Neugeborenen senken das vertikale Transmissionsrisiko auf weniger als ein Prozent.

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