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Innere Medizin 24. Juli 2005

AIDS - "Vernichtende Pandemie"

Wien. "Sterben müssen wir alle. Die Frage ist nur: Wann und woran?" - dieses Zitat von Univ.-Prof. Dr. Rainer Münz umriss das Thema eines Symposiums der Österreichischen Stiftung für Weltbevölkerung und internationale Zusammenarbeit (SWI) mit dem Titel "Wenn aus Mücken Elefanten werden" in der Universität Wien. Im Schatten von BSE und MKS referierten Vertreter der Weltgesundheitsorganisation WHO und dem UNO-Weltbevölkerungsfonds UNFPA letzte Woche zur weltweiten Ausbreitung und Bekämpfung von Seuchen und Epidemien.

Derzeit über vierzig Millionen HIV-Infizierte

Derzeit sterben laut Münz pro Jahr etwa 52 Millionen Menschen. Davon entfallen 95 Prozent auf die Länder der Dritten Welt. Während in Österreich mehr als die Hälfte der Sterbefälle auf Herz- und Kreislauferkrankungen zurückzuführen ist, sind weltweit mit 33 Prozent infektiöse und parasitäre Erkrankungen die Haupt-Todesursache. Am häufigsten sind hier Tuberkulose, Entzündungen der Lunge, Durchfallerkrankungen, HIV/AIDS und Malaria.

Die sich am raschesten ausbreitende Infektionskrankheit ist HIV/AIDS mit derzeit über 40 Millionen Infizierten. Die Zahlen des UNO-AIDS-Programms UNAIDS sind erschreckend:

  • 21,8 Millionen Menschen starben bis zum Jahr 2000 an AIDS, 4,3 Millionen waren Kinder.
  • Allein im Jahr 2000 gab es drei Millionen AIDS-Tote.
  • 36,1 Millionen Menschen leben mit HIV/AIDS. Das sind 50 Prozent mehr als 1991 von der UNO vorhergesagt.
  • Millionen Neuinfizierungen wurden allein im Jahr 2000 registriert.

Über 70 Prozent der AIDS-Fälle in Afrika

Über 70 Prozent der AIDS- Fälle treten in Afrika auf. Am stärksten betroffen sind die Länder der Sub-Sahara mit 25,3 Millionen HIV-Infizierten bis zum Jahr 2000. 16 Länder in Süd- und Ostafrika haben bereits Infektionsraten von zehn Prozent und mehr. In Südafrika und Zimbabwe, wo rund ein Viertel der Erwachsenen das Virus in sich trägt, gefährdet AIDS bereits die Hälfte der heute 15-Jährigen. "Damit handelt es sich bei AIDS nicht nur um eine Epidemie, sondern um die vernichtendste Pandemie, die jemals die Menschheit getroffen hat", berichtete Dr. Akinyele Eric Dairo vom UNFPA Hauptquartier in New York.

"Ein Problem ist auch, dass viele Erreger mit der Zeit gegen Medikamente wie Penicillin resistent würden. In den vergangenen zwanzig Jahren wurde kein revolutionärer Stoff für Antibiotika zur Seuchenbekämpfung erfunden", bedauerte die Cholera-Beauftragte der WHO, Dr. Claire-Lise Chaignat. "Infektionskrankheiten wird es immer geben, weil die Mobilität der Menschen zunimmt. Was wir tun können, ist, die Forschung zu unterstützen und Hilfsmittel so gut als möglich zu verteilen", so Chaignat. Eine Veralterung der Gesellschaft sagte SWI-Vorstandsvorsitzender Münz voraus. Derzeit beträgt der Unterschied zwischen Geburten- und Sterberate bereits 78 Prozent. Die zunehmende Ausbreitung von Seuchen und Epidemien trage erheblich zu dieser Differenz bei.

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