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Innere Medizin 24. Juli 2005

AIDS-Impfstoffforschung im Umbruch

Weltweit infizieren sich mehr als 15.000 Menschen täglich mit dem AIDS-Virus: Höchste Zeit für einen internationalen Kraftakt, um einen tauglichen präventiven und therapeutischen HIV-Impfstoff zu entwickeln und großzügig zugänglich zu machen, denn mehr als 90 Prozent der Betroffenen und gefährdeten Menschen leben in Entwicklungsländern.

Auf die Frage "Warum gibt es noch keinen HIV-Impfstoff?" antwortete Prof. Dr. Ralf Wagner, Universitätsklinik, Regensburg, BRD, am Deutsch-österreichischen AIDS-Kongress im Mai 2003 in Hamburg: "Die HIV-Impfstoffforschung wird durch zahlreiche Besonderheiten erschwert. HIV zeigt eine große Variabilität mit vielen Quasispezies, unterschiedlichen Klassen und Mosaikformen. Das Virus infiziert die "Kommandozentrale" des Immunsystems. Die Immunpathogenese ist sehr komplex. Und trotz guter Tiermodelle gibt es keine wirklichen Korrelate einer schützenden Immunantwort. In Zukunft wird es aber in der HIV-Impfstoffentwicklung eine enge internationale Zusammenarbeit geben. Beteiligt sind unter anderem die Universitätsklinik Regensburg, INSERM Strasbourg, das Department of Retrovirology der Universität Amsterdam, das Karolinska Institute Stockholm, MRC London und Oxford sowie der Campus Universidad Autonoma Madrid."
Die erste Phase I Studie mit einem HIV-Impfstoff wurde bereits 1987 in den USA unternommen. Seither wurden insgesamt mehr als 70 Phase I/II Studien mit mehr als 6.000 Probanden und über 30 Impfstoff-Kandidaten durchgeführt, jedoch nur sehr wenige Phase III Studien. Die bisherigen Ergebnisse sind laut Wagner ernüchternd. Die neutralisierenden Antikörper wirken nicht auf andere HIV-Subtypen. Die Induktion zytotoxischer T-Zellen ist schwach und inkonstant. Die vom Konzept veralteten Phase III Studien zeigen keinen signifikanten Schutz vor einer Infektion. Fortschritte könnten aber auf dem Gebiet von DNA, Adenovirus Vektor und Canarypocken liegen.

Integrierte Impfstoffstrategie

Das Ziel der Entwicklung eines protektiven und therapeutischen HIV-Impfstoffes kann laut Wagner nur durch eine "Integrierte Impfstoffstrategie" erreicht werden. Dabei müssen effiziente Immunantworten wie kreuzneutralisierende Antikörper, breite CD4+ T-Zellantwort und übergreifende CD8+ CTLs genauso berücksichtigt werden wie die Ziele der Immunantwort in Form von Hüll-, Struktur-, Regulations- und akzessorischen HIV-Proteinen sowie die einzelnen HIV-Subtypen (A und F in Afrika, B in Europa und Amerika, C und E in Asien, G in Südamerika und Afrika). Die Kombination multivalenter HIV/AIDS-Vakzine-Strategien unter Verwendung geeigneter Peptide und Proteine, neuer Adjuvantien, Pseudovirionen sowie viraler und bakterieller Vektoren soll letztendlich zu einer Reduktion der Virusübertragung, zur Kontrolle der viralen Replikation und zum Schutz vor Übertragungen führen.
Die Voraussetzungen für klinische Phase III Studien zur Prüfung eines präventiven HIV-Impfstoffes umfassen eine hohe Prävalenz in distinkten Populationen, eine hohe Inzidenz an Neuinfektionen, eine gut charakterisierte Viruspopulation, zum Beispiel B in Thailand und C in Indien sowie ein homogenes HLA Muster durch geografisch und ethnisch isolierte Populationen. Gegenwärtig laufen folgende HIV-Impfstoff-Studien in Entwicklungsländern EUROVAC I/II/III, THERAVAC und EDCTP. Erste Erfolgsmeldungen sollten ab 2004 vorliegen.

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