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Innere Medizin 5. Oktober 2005

Früherkennung von Menschen mit HIV-Infektion

Die HIV-Infektion führt unbehandelt nach einigen Jahren zum Zusammenbruch des Immunsystems. Die Patienten werden im Laufe der Zeit immer anfälliger auf Infektionen durch Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten und Protozoen. Wenn die CD4-Helferlymphozyten vom Normalwert mit 800 bis 1.200/µl durch HIV-bedingte Zerstörung auf 200/µl oder noch weniger abgenommen haben, treten gehäuft opportunistische Infektionen auf. Zu diesen oft lebensbedrohlichen Krankheitsbildern zählen Pneumocystis carinii Pneumonie, CMV-Retinitis, zerebrale Toxoplasmose, Soorösophagitis, Kryptokokkose, atypische Mykobakteriose und Kryptosporidiose.

Immer noch viele HIV-positive Menschen zu spät diagnostiziert

Die immungeschwächten Patienten erkranken aber schon ab 500 CD4-Zellen/µl gehäuft an bakteriellen Pneumonien, Tuberkulose, Gürtelrose, Salmonellen-Septikämie und Soorstomatitis. Zu den HIV-assoziierten Erkrankungen zählen auch HIV-Enzephalitis, Wasting-Syndrom, Polyneuropathien, Nephropathien, Panzytopenien, Kaposi-Sarkom, Lymphome, Zervix-Karzinom sowie eine Vielzahl dermatologischer Krankheitsbilder. 

Trotz des relativ hohen Bekanntheitsgrad des Begriffs "HIV/AIDS" in der Bevölkerung werden noch immer viele HIV-positive Menschen zu spät diagnostiziert. Bei diesen Personen wird die Diagnose meist erst im fortgeschrittenen Stadium der HIV-Infektion gestellt, wenn sie an einer opportunistischen Erkrankung leiden, die in den meisten Fällen auf die empirische Initialtherapie nicht anspricht, oder wenn im Rahmen einer Operation oder Schwangerschaft ein HIV-Antikörpertest durchgeführt wird. Viele HIV-positive Patienten haben dann aber bereits den idealen Zeitpunkt für eine antiretrovirale Kombinationstherapie verpasst und infektionsbedingte Schäden. Außerdem besteht auch die große Wahrscheinlichkeit, dass sie das AIDS-Virus bereits auf andere Menschen übertragen haben.

Risikoverhalten und Risikosituationen umfassen ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einer HIV-infizierten Person, Gebrauch von HIV-kontaminiertem Injektionsbesteck, Benetzung offener Wunden und Schleimhäute mit HIV-kontaminierten Flüssigkeiten (Blut, Sperma, Scheidensekret, Rückenmarksflüssigkeit), Transfusion von HIV-kontaminierten Blut oder Blutprodukten sowie Verletzung mit HIV-kontaminierten Instrumenten oder Injektionsbestecken. 

Im ärztlichen Gespräch können auf einfühlsame und verständnisvolle Art Risikosituationen und -verhalten angesprochen werden. Bei Verdacht auf eine mögliche HIV-Exposition oder -Infektion sollte ein Antikörpertest empfohlen werden. Das aktive Aufgreifen des Themas "HIV/AIDS" kann wesentlich dazu beitragen, dass sich der HIV-negative Gesprächspartner in Zukunft besser schützt bzw. dass der HIV-positive Patient künftig andere Menschen schützt und frühere Risikopartner kontrolliert werden. Liegt ein Hochrisikoverhalten erst wenige Stunden zurück, sollte unbedingt eine "Postexpositionelle Prophylaxe" eingeleitet werden. 

Quelle: Department of Health and Human Services Guidelines, April 2001: http://www.hivatis.org; Informationen: Immunambulanz, 2. Interne Abteilung, Otto Wagner Spital, Wien, Tel.: 01-91060-42710, Abteilung für Immun- dermatologie, AKH Süd B, Wien: 01-40400-4242; Informationen inklusive Adressenliste der  österreichischen Betreuungseinrichtungen: AIDS-CD Rom der Firma Roche für Ärzte bzw. Patienten;  Information über berufliche und nicht-berufliche Exposition: http://www.hivmobil.org

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