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Innere Medizin 24. Juli 2005

Ernährungstipps für HIV-Positive

Bei Entzündungen des Mund- und Rachenraums fällt das Essen und Trinken besonders schwer. Die Speisen sollten püriert und kühl serviert werden. Die Gleitfähigkeit der Speisen kann durch Zusatz von Schlagobers oder Speiseöl erhöht werden. Scharfe und säurehältige Speisen sollten vermieden werden. Günstig sind auch orale Zusatznahrungen und Babynahrung, eventuell als Eiswürfel.

Glutamin: Baustein des Lebens

Glutamin ist ein wichtiger Baustein für die Proteinsynthese sowie Energiesubstrat für die Zellen des Gastrointestinaltraktes und für das Immunsystem. Bei Katabolie (Proteinabbau) kommt es zu einer verstärkten Glutamin-Freisetzung aus der Muskulatur und zu einem verstärkten Umsatz durch immunkompetente Zellen und Zellen des Magen-Darmtraktes. Das Ausmaß der Verarmung an Glutamin hängt von der Schwere der Erkrankung ab. Die Folgen der Glutaminverarmung sind Muskelabbau, Beeinträchtigung der Struktur und Funktion des Darmes sowie der Immunkompetenz. Die Gabe von Glutamin führte in klinischen Studien zur Verbesserung der Stickstoffbilanz, Aufrechterhaltung der intestinalen Permeabilität und der intrazellulären Glutaminkonzentration sowie Verhinderung der intestinalen Atrophie (Stehle 1989; Hammarquist 1990; Tremel 1994; van der Hulst 1993).

Lebensmittel-Hygiene

Obst und Gemüse sollten gründlich gewaschen werden. Die Haltbarkeit der Nahrungsmittel und die "Kühlkette" müssen beachtet werden. Aufgrund der Salmonellen- und Toxoplasmosegefahr sollten rohe oder halbrohe Lebensmittel tierischen Ursprungs sowie daraus hergestellte Speisen gemieden werden. Zu diesen Speisen mit erhöhtem Infektionsrisiko zählen Rohmilchprodukte, Bündner Fleisch, Carpaccio, Sushi, Roastbeef, Mousse au chocolat und Tiramisu.

Lipodystrophie-Syndrom

Die körperlichen Veränderungen beim Lipodystrophie-Syndrom umfassen extremen subkutanen Fettverlust, Hervortreten der Adern an Armen und Beinen, Vergrößerung der Brust, Zunahme des viszeralen Fettes im Bauchraum und dorsozervikale Fettpolster. Hyperlipidämie, chronische Entzündungsreaktionen, Endotheldysfunktion, Bluthochdruck, Insulinresistenz und Bewegungsmangel erhöhen das Risiko für koronare Herzkrankheit und andere kardio- und zerebrovaskuläre Krankheiten. Das individuelle Risiko lässt sich mittels Sonographie der Halsschlagader abschätzen.

Chronische Lebererkrankungen

Die Grundlage der Ernährung bei fortgeschrittener chronischer Lebererkrankung bildet eine leichte Vollkost mit bedarfsdeckender Energie- und Eiweißzufuhr. Es gibt dabei keine Einschränkung der Kohlenhydrat- und Fettzufuhr. Günstig sind häufige kleine Mahlzeiten. Die Defizite von B-Vitaminen, Magnesium, Zink, Phosphat und Kalzium sollten ausgeglichen und mögliche Nahrungsmittel-Intoleranzen berücksichtigt werden.
Der Nutzen von Nahrungsergänzungen sollte immer kritisch hinterfragt werden. Zum Beispiel konnte unter Johanniskraut eine deutliche Abnahme der Bioverfügbarkeit von Indinavir beobachtet werden. Ähnliches gilt für Knoblauchkapseln und Saquinavir. Grapefruitsaft hingegen verdoppelt die Bioverfügbarkeit von Saquinavir. 

Tipps zum Anregen des Appetits:

  • Trinken eines Aperitifs
  • Stängel Petersilie, Hühnersuppe, Weißbrot etwa 15 Minuten vor der Mahlzeit
  • Nichts trinken vor dem Essen
  • Kleine Portionen, dafür öfter
  • Würzen mit Kräutern
  • Meiden starker Küchengerüche
  • Einschränkung des Nikotinkonsums

Tipps zur Beherrschung von Durchfällen

Die Ursachen einer Malabsorption liegen oft in einer Infektion des intestinalen Epithels und der Lamina propria, einer Anazidität, Diarrhoe, einer Wechselwirkung zwischen Medikamenten und Nährstoffen oder in der eingeschränkten Produktion von Intrinsic Factor. Mögliche Ursachen von Diarrhoen sind bakterielle Infektionen, Arzneimittel-Nebenwirkungen, Fettmalabsorption und Pankreasinsuffizienz.

Bei Diarrhoen ist auf eine ausreichende Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr zu achten. Der Patient sollte leicht verdauliche Speisen zu sich nehmen, jedoch Kaffee, Alkohol und Nikotin meiden. Bei Fettunverträglichkeit empfiehlt sich der Austausch von mehrfach ungesättigten Fettsäuren (PUFA) gegen MCT-Fette. Bei starken Diarrhoen sollten die Speisen laktose-, fett- und ballaststoffarm sein.

Tipps zur Vorbeugung und Behandlung der Lipodystrophie

  • Diät
  • Ausdauertraining
  • Krafttraining
  • Nikotinkarenz
  • Modifikation der antiretroviralen Kombinationstherapie
  • Medikamentöse Begleittherapie: Statine, Fibrate, Glitazone (cave: Interaktionen mit Cytochrom P450)

Tipps zur Ernährung bei Hypertriglyzeridämie:

  • Fettarme Lebensmittel bevorzugen
  • Pflanzliche Öle verwenden (Olivenöl, Rapsöl)
  • Obst, Gemüse - "five times a day"
  • Vollkornprodukte
  • Vermeidung von Mehlspeisen, Süßigkeiten, Schmalz, Kokosfett, fettem Fleisch, Frittiertem, Snacks, Chips, Innereien und Alkohol
  • Empfohlene Zubereitung: Dünsten, Grillen, Dämpfen, Garen in Folie oder Mikrowelle

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