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Innere Medizin 24. Juli 2005

HIV-Diagnose ist nicht immer einfach

Das Institut für Virologie in Wien dient als Referenzzentrum für die Diagnostik von HIV-Infektionen. Gelegentlich gibt es Befundkonstellationen, die auf den ersten Blick völlig unklar erscheinen.

So kam vor einigen Wochen - ohne anamnestische Angaben - das Serum eines 24-jährigen Mannes zur Untersuchung von HIV. Der ELISA war schwach positiv, der Western Blot unbestimmt. Die gleichzeitig durchgeführte HIV-RNA PCR zeigte ein positives Resultat, das aber mit nur 1610 copies von HIV RNA/ml Serum für eine beginnende HIV-Infektion überraschend niedrig ausfiel und dadurch eine unklare Befundkonstellation ergab.
Der virologische Verlauf einer HIV-Infektion ist nach dem Infektionszeitpunkt durch eine Phase der Virusvermehrung gekennzeichnet, in der die Viruslast im Blut stark ansteigt. Antikörper gegen das Virus werden gebildet und sind beginnend ab dem 21. Tag nach Infektion nachweisbar.
Üblicherweise ist zum Zeitpunkt der HIV-Serokonversion, also dem beginnenden Auftreten von HIV-spezifischen Antikörpern im Blut, die Viruslast bereits sehr hoch. Im oben beschriebenen Fall würde man aufgrund der Antikörperbefunde entweder ein unspezifisches Ergebnis oder eine Primärinfektion vermuten. Der vorliegende schwach positive PCR-Befund sprach jedoch gegen jede dieser Möglichkeiten. Die Wiederholung aller Untersuchungen zeigte das gleiche Ergebnis.

Anamnese brachte Erklärung

Die Anamnese, die schließlich beim behandelnden Arzt in Erfahrung gebracht werden konnte, brachte die Erklärung: Der Patient hatte drei Wochen vor der Untersuchung einen ungeschützten homosexuellen Kontakt in den USA und war dort noch innerhalb von 24 Stunden mit einer postexpositionellen Prophylaxe, in diesem Fall bestehend aus Efavirenz, Tenofovir und Lamivudin, behandelt worden, also mit einer Kombination antiretroviral wirksamer Substanzen, die die Vermehrung des Virus hemmen und so auch zu einer niedrigen Viruslast geführt haben.
Das Ziel der medikamentösen Prophylaxe, die natürlich auch in Österreich nach einem möglichen Infektionsereignis so rasch als möglich gegeben wird, ist, die Virusvermehrung im Organismus des Patienten von Anfang an so stark wie möglich zu unterdrücken und damit eventuell das Angehen der HIV-Infektion zu verhindern.
Im vorliegenden Fall konnte die Prophylaxe allerdings die Infektion nicht verhindern. Die Virusmehrung wurde durch die Therapie zwar deutlich gesenkt, doch eine Infektion mit dem HI-Virus fand trotzdem statt. Der Patient hatte zum Zeitpunkt der Blutabnahme bereits eine Lymphadenopathie sowie ein Exanthem - Symptome, die typisch für ein akutes HIV-Infektionssyndrom sind. Bei einer weiteren Blutabnahme zehn Tage später hatte der Paftient auch bereits die Serokonversion abgeschlossen und der Westernblot war eindeutig positiv. Trotz der Tatsache, dass die postexpositionelle Prophylaxe (PEP) mit antiretroviralen Medikamenten nicht immer eine Infektion verhindert, ist es ratsam, bei tatsächlichem Kontakt mit dem HI-Virus eine PEP zu überlegen.
Vor einiger Zeit sind die österreichischen Spitäler mit den dafür notwendigen Medikamenten ausgestattet worden, um jederzeit eine Prophylaxe beginnen zu können. Denn auch hier gilt natürlich: Je früher die Prophylaxe gegeben wird, umso wirksamer ist sie.

Quelle: Virusepidemiologische Information/
Prof. Dr. Elisabeth Puchhammer-Stöckl und Dr.Claudia Bauer .

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