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Innere Medizin 7. März 2006

Der Mensch im Zentrum von HIV-Prävention und -Therapie

HIV-Neuinfektionen nehmen aufgrund steigender Sorglosigkeit in Risikosituationen weltweit zu. Die antiretrovirale Kombinationstherapie sichert HIV-Positiven ein längeres Überleben.

„Vor mehr als 20 Jahren schreckte eine neue Krankheit die Öffentlichkeit auf: die Immunschwächekrankheit Aids, verursacht durch das HI-Virus“, berichtete DDr. Elisabeth Müllner, Aidshilfe Oberösterreich. „Da Aids mit emotionsgeladenen Themen wie Sex, Promiskuität, Homosexualität, Tod und Drogen assoziiert wurde, führte dies zur Zuschreibung, dass die HIV-Infizierten selbst an ihrer Krankheit schuld seien. Diese Schuldzuweisung wirkt auch heute noch. Wir alle müssen aktiv gegen Diskriminierung und Stigmatisierung kämpfen.“
Die Aidshilfe Oberösterreich organisierte am 25. November 2004 im Neuen Rathaus der Stadt Linz den 13. Oberösterreichischen Aidstag. Das Programm umfasste nach der Begrüßung durch Erich O. Gattner, Präsident der Aidshilfe Oberösterreich, und Eröffnung durch die Linzer Vizebürgermeisterin Dr. Christiana Dolezal eine medizinische Einführung durch Dr. Wolfgang Steflitsch, Ärztlicher Leiter HIVmobil, Otto Wagner Spital Wien, eine Betrachtung über den Umgang mit PatientInnen aus Schwarzafrika von Dr. Solange Nzimegne-Gölz, Berlin, eine Aufarbeitung „Wieso gibt es noch immer Leute, die sich mit HIV infizieren?“ und ein moderiertes Gespräch mit Daniela Schmid und Michael Jansenberg über „Leben mit HIV“. In den 80ern und Anfang der 90er Jahre standen ÄrztInnen, Pflegepersonal und Angehörige hilflos dem Sterben häufig junger Menschen an der damals wie heute noch tödlichen Immunschwächekrankheit gegenüber. Mit Einführung der antiretroviralen Kombinationstherapie Mitte der 90er Jahre hat sich das HIV-Management deutlich verändert. Der Verlauf der Infektion wandelte sich von der akut tödlichen in eine chronische, behandelbare Erkrankung. Die Zahl der HIV-positiven PatientInnen steigt jedoch durch das wesentlich längere Überleben und die seit einigen Jahren auch in Österreich zu beobachtende Zunahme an Neu-Infektionen stetig.

Weltweit etwa 42 Millionen HIV-Infizierte

In Österreich leben rund 13.500 HIV-Infizierte, weltweit 42 Millionen. Neu-Infektionen ereignen sich meist durch sorgloses Verhalten in Risikosituationen, vor allem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr oder Verwendung gebrauchten Spritzenbestecks im Drogenmilieu. In Risikosituationen sollte laut Mag. Barbara Kimmel und Heinz Wieser, Aidshilfe Oberösterreich, „Vertrauen ist gut, Schutz ist besser“ gelten. Dr. Solange Nzimegne-Gölz, die im 18. Lebensjahr ihre afrikanische Heimat verließ, in Deutschland Medizin studierte, jetzt im Praxiszentrum Kaiserdamm Berlin arbeitet, berichtete über Probleme von SchwarzafrikanerInnen mit der westlichen Medizin, denn die haben oft ein völlig anderes Krankheitsverständnis. In den vielfältigen afrikanischen Kulturen liegt die Ursache von Krankheiten in Fehlern im Verhalten gegenüber Ahnen oder lebenden Familien- oder Stammesmitgliedern. Deshalb fehlt das Verständnis für Infektionskrankheiten und antimikrobielle Behandlungen. PatientInnen anderer Kulturen benötigen transkulturelle Betreuung mit Berücksichtigung familiärer, sozialer und kultureller Probleme. Die ganzheitliche Betreuung HIV-positiver Menschen stellt aufgrund der Schwere der Erkrankung, Komplexität der Therapie, unerwünschten Nebenwirkungen, Begleiterkrankungen, Stigmatisierung und Diskriminierung heute mehr denn je eine medizinische, pflegerische, psychosoziale und gesellschaftliche Herausforderung dar, die wir alle annehmen sollten.

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