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Innere Medizin 24. Juli 2005

20 Jahre AIDS - Unheimlicher Jahrestag

Wien/Washington. Am 5. Juni jährte sich zum 20. Mal der Jahrestag der "Entdeckung" von AIDS. Aber Jahrestage sind offenbar immer falsch. Denn der 5. Juni 1981 markiert nicht das erste Auftreten der Erkrankung, sondern das erste Aufzeigen von Pneumocystis carinii-Erkrankungen in Amerika durch die US-Centers for Disease Control (CDC).

"Im Jänner 1981 sah ich den ersten Patienten mit Pneumocystis-Lungenentzündung. Innerhalb von zwei Monaten sah ich weitere zwei, innerhalb von fünf Monaten schließlich fünf", schreibt Dr. Michael S. Gottlieb, der US-Arzt, der damals als Erster auf die Erkrankungen aufmerksam wurde. Doch als Gottlieb damals das "Journal" als renommierteste Medizinzeitschrift der Welt informierte und einen schnellen Bericht haben wollte, wurde ihm mitgeteilt: Es dauert mindestens drei Monate bis zum Erscheinen eines solchen Berichts. Gottlieb sollte sich besser an die CDC mit ihrem wöchentlichen Bericht zur US-Krankheits- und Sterbestatistik wenden. - So kamen die amerikanischen Gesundheitsbehörden zu ihrem "Jahrestag".

Seither haben sich weltweit mindestens 56 Millionen Menschen mit HIV infiziert, derzeit leben 36 Millionen HIV-Positive. Etwa 20 Millionen Menschen sind bereits Opfer der Immunschwächekrankheit geworden. In Österreich sind bis 3. Mai dieses Jahres 2.094 Menschen an der Immunschwäche erkrankt, 1.267 daran gestorben. Das Bild von Aids wandelt ich ständig. Und immer gab es falsche Hoffnungen: Mit der Identifizierung von HIV-1 (damals HTLV-III) bereits im Jahr 1983 und der Erkenntnis, dass das Virus "wahrscheinlich die hauptsächliche Ursache von Aids" sein könnte im Jänner 1984, glaubten viele Experten, man könnte sehr schnell sehr wirksame Gegenstrategien entwickeln.

Mit der Zulassung des ersten Medikaments "Azidothymidin" (AZT) zur Behandlung von Aids im Jahr 1987 wurde ebenfalls Optimismus verbreitet. Doch der Fortschritt kam nur langsam, während die Erkrankungszahlen dramatisch in die Höhe schnellten. In Österreich wurde beispielsweise 1993 mit 235 neuen Aids-Diagnosen (2000: 17) der bisherige Gipfel erreicht. In den neunziger Jahren zerfiel in Sachen Aids zunächst einmal eine Riesen-Hoffnung: Im Grunde schlugen alle Versuche fehl, schnell zu einem Impfstoff zu kommen. Gleichzeitig wurde die Highly Active Antiretroviral Therapy (HAART) entwickelt. Dann aber kamen die so genannten Protease-Inhibitoren hinzu. Durch die Verbindung einer Behandlung mit diesen Substanzen und Vertretern älterer Wirkstoffgruppen wurde in den westlichen Industriestaaten die Immunschwächekrankheit Aids zu einer Art längerfristig beherrschbaren Erkrankung.

Mit der Verwendung dieser sehr wirksamen Arzneimittel gab es einen scharfen Rückgang bei den Aids-Neuerkrankungen und bei den Todesfällen. In Österreich wurden beispielsweise im Jahr 2000 lediglich noch 17 Aids-Tote registriert. 1993 waren es 170 Opfer gewesen.

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