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Innere Medizin 14. Juli 2005

Auf den Chirurgen kommt’s an

Zur Beherrschung der mittlerweile häufigsten Krebs-Neuerkrankung, des kolorektalen Karzinoms, ist neben der Aufklärung der Bevölkerung auch eine Schulung der Ärzte nötig. Der erste internationale European Federation for ColoRectal Cancer (EFR)-Kongress bot dem Darmkrebs die Stirn.

Europa rückt zusammen. Dies gilt auch für die gemeinsame Front, die europäische Mediziner zur Bekämpfung von Darmkrebs bilden. Schließlich hat der Darmkrebs, als häufigste Krebs-Neuerkrankung in der EU, den Brustkrebs und das Bronchial-Karzinom mittlerweile abgelöst. 280.000 Menschen erkrankten im Jahr 2004 in den Ländern der Europäischen Union an einem Malignom des Darmes. Rund die Hälfte der Betroffenen verstarb an dieser Erkrankung. Trotz der Fortschritte in der Früherkennung und Behandlung einiger Krebserkrankungen wird die Zahl der Krebs-Todesfälle in der EU aufgrund der Zunahme der Lebenserwartung weiter steigen. Für das Jahr 2015 rechnet die IARC (International Agency for Research on Cancer) für die EU mit jährlich 1,4 Millionen Krebstodesfällen, bedingt durch einen Anstieg der Todesfälle um 22 Prozent bei den über 65-Jährigen und um 50 Prozent bei den über 80-Jährigen.(Annals of Oncology 16, 2005, 481) Beim Brustkrebs rechnet die IARC infolge der Mammographie mit einem Rückgang. Dem steht ein offenbar unaufhaltsamer Anstieg beim Darmkrebs gegenüber. Diese Zahlen untermauern den dringenden Handlungsbedarf.

Europaweiter Schulterschluss

Als Plattform für den europaweiten Kampf gegen Darmkrebs wurde im Jahr 2003 die European Federation for ColoRectal Cancer (EFR) ins Leben gerufen. „Ziel der EFR ist es, ein europaweit einheitliches Niveau zur Bekämpfung des Dickdarmkrebs zu schaffen“, erklärte EFR-Präsident Prof. Dr. Béla Teleky, Univ.-Klinik für Chirurgie, AKH, Wien, anlässlich des 1. Internationalen EFR-Kongresses, Anfang April 2005 in Wien. Schließlich sei es nicht zuletzt durch die EU-Erweiterung notwendig, näher zu rücken. Kongresse wie der EFR sollen Geschlossenheit innerhalb von Europa veranschaulichen. Durch eine rasche Wissensvermittlung, Fortbildungen oder fächerübergreifende Studien müsse, so Teleky, europaweit eine Verbesserung der Prognose des kolorektalen Karzinoms erreicht werden. Dabei kommt der Qualität der gesamten Betreuung, von der Therapieplanung über die Operation bis hin zur Nachsorge, eine wesentliche Rolle zu. Neben einer vermehrten Aufklärung der Bevölkerung – nur 50 Prozent aller Europäer sind sich darüber bewusst, dass es eine Vorsorgeuntersuchung gibt – müssen auch die Ärzte geschult werden. So stellt das Rektumkarzinom aufgrund der anatomischen Gegebenheiten eine hohe Anforderung an den Operateur dar.

Schweden als Vorbild

Dr. Lars Pahlman, Univ.-Klinik für Chirurgie, Universität Uppsala, Schweden, meint sogar, dass „der Chirurg selbst den wichtigsten prognostischen Faktor für den Ausgang eines kolorektalen Karzinoms darstellt“. Die Totale Mesorektale Exzision (TME) sollte die Standardprozedur für das Rektumkarzinom sein. Diese Technik gilt als anspruchsvoll und bedarf entsprechender Erfahrung. „Um eine Chancengleichheit für alle Patienten zu gewährleisten, erfolgten in Schweden bereits in den 80er-Jahren eine Konzentration von Darmkrebsoperationen auf spezialisierte Zentren und eine umfassende Schulung der Operateure.“ Die Früchte der Ausbildungsoffensive werden nun geerntet. Pahlman: „Das Outcome ist hervorragend und in verschiedenen Krankenhäusern auf annähernd gleich hohem Niveau.“ Die Schulung scheint sogar so gut gegriffen zu haben, dass in Schweden paradoxerweise die Prognose des Rektum-Karzinoms mittlerweile sogar besser ist, als die des Kolonkarzinoms. „Unsere nächste Aufgabe ist es demnach, die Operateure nun auf die optimale chirurgische Versorgung des Kolonkarzinoms zu schulen“, so Pahlman.

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