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Innere Medizin 14. Juli 2005

Schutz vor Quallenverletzungen

"Jedes Jahr setzen sich etwa 900.000 Österreicher während ihres Badeurlaubes dem Kontakt mit Nesseltieren aus. Viele von ihnen erleben die Folgen buchstäblich auf der eigenen Haut", weiß Prof. Dr. Heinrich Stemberger, Leiter des Instituts für Reise- und Tropenmedizin in Wien. Zumeist beschränkt sich die Hautläsion auf brennende, oft streifenförmige urtikarielle Eruptionen, die innerhalb einiger Tage verschwinden. Nicht immer sind Quallen sichtbar: Es genügen auch Teile von Quallen, die durch die Einwirkung von Schiffsschrauben desintegriert worden sind und deren Tentakel unsichtbar im Wasser treiben. Auch an den Strand gespülte Quallen und deren Fragmente können Hautläsionen hervorrufen. Taucher können am Riff durch den Kontakt mit Feuerkorallen und Seeanemonen schwere, ja mitunter lebensbedrohliche Verletzungen erleiden.

Besonders gefährlich: Die Würfelqualle

"Besonders gefährlich und lebensbedrohend sind die Toxine der Würfelqualle und der portugiesischen Galeere", so Stemberger.

Der Kontakt des Menschen mit den Nesselorganen der Qualle führt fast immer zu sofort auftretenden brennenden Haut- rötungen, die entsprechend der Fadenform der Tentakel eine lineare oder "strickleiterartige" Anordnung aufweisen.

Bei Verletzungen durch sehr kleine Quallen beziehungsweise deren Larvenstadien (Seeläuse der Spezies Linuche unguicularis in Florida und Edwartsiella lineata in New Jersey) allerdings ist das Exanthem eher makulös und häufig auf der vom Badeanzug bedeckten Haut. Diese Nesseltiere verfangen sich nämlich im Gewebe des Badetrikots und setzen ihr Toxin oft erst nach der Süßwasserdusche frei. Duschen verstärkt die Symptome

Überhaupt sei der Kontakt der Nesselorgane mit Süßwasser ein starker Auslöser für die Giftinjektion. Auch wenn es wohl verständlich sei, wenn sich die Quallenopfer unter die Dusche stellten, erweise sich diese Maßnahme vielfach als kontraproduktiv, weil symptomverstärkend. "Besser ist es, die betroffenen Hautareale mit trockenem Sand sorgfältig abzureiben und erst dann unter die Dusche zu gehen", rät Stemberger.

Auch bleibende Narben sind möglich

Gelegentlich entstehen jedoch auch tiefergehende Hautläsionen, die unter Narbenbildung und Pigmentverschiebungen abheilen und bleibende Entstellungen hinterlassen.

Dem israelischen Meeresbiologen Amit Lothan ist es nun gelungen, jene Substanzen aus der Haut des Clownfisches - der sich inmitten von Seeanemonen unbehelligt herumtreibt - zu isolieren, charakterisieren und synthetisieren, die vor den giftigen Substanzen der Quallen schützen. Dabei wirken zumindest vier verschiedene Substanzen auf die Giftfreisetzungskaskade durch die Nesselzelle:

  • Eine silikonähnliche Substanz unterbindet die Kontaktnahme mit der Haut
  • Butylenglycol interferiert mit dem Auslösemechanismus
  • Glycosaminglycan hemmt die Signaltransduktion in die Nematozysten
  • Kationenkanalblocker verringern den Influx von Wasser in die Nematozysten und damit den Druckanstieg in diesen Organellen.

"PBT" reduziert Läsionen nach Kontakt

Dieses als "plancton blocking technology (PBT)" bezeichnete Management reduziert die Zahl der auf der Haut explodierenden Nematozysten soweit, dass Hautveränderungen nach Quallen-, Seeanemonen- und Feuerkorallenkontakt unterbleiben.

Erhältlich ist PBT unter dem Namen "Safe Sea®". Das Präparat muss sorgfältig und auch auf die Haut, die vom Badetrikot bedeckt ist, aufgetragen werden. Fixe Kombinationen von PBT und Sonnenschutz (Faktor 15 und Faktor 30) sind erhältlich, weil ein Mischen mit einem Sonnenschutzmittel wegen mutueller Verdünnungseffekte dazu führen könnte, dass weder ein sicherer Quallenschutz noch der erwünschte Sonnenschutz erreicht werden.

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