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Innere Medizin 14. Juli 2005

Malaria: Wo man wie am besten vorbeugt

Fallgeschichte:

Peter Sudra, Mitarbeiter der Marketingabteilung der ÄRZTEWOCHE, erkrankte nach einer 14-tägigen Rundreise in Mexiko, Guatemala und Belize an Malaria tertiana. Eine Woche nach seiner Rückkehr bekam er 40 Grad Fieber. Da es noch Winter und Grippezeit war, dachte Herr Sudra zunächst an Influenza, nahm ein fiebersenkendes Medikament und war am nächsten Morgen fieberfrei. Als er abends neuerlich starken Schüttelfrost bekam und auf 41 Grad anfieberte, dachte Herr Sudra natürlich sofort an Malaria hat er doch aufgrund seiner jahrelangen Mitarbeit bei der ÄRZTEWOCHE einiges medizinisches Wissen erworben. Der Rettungsarzt veranlasste aufgrund der Verdachtsdiagnose eine Einweisung an eine Infektionsambulanz, wo dann die Malaria mittels Blutausstrich bestätigt wurde.

Bei Herrn Sudra, bei dem eine Hypertonie bekannt ist, war im Rettungswagen ein Blutdruck von 230/120 gemessen worden was ihn äußerst beunruhigt hatte. Für ihn stellte sich nun die Frage, ob aufgrund seiner Hypertonie eine Malariaprophylaxe angezeigt gewesen wäre...

Immer wieder erkranken Urlaubsrückkehrer an Malaria. Besonders groß ist das Risiko in afrikanischen Ländern: in Österreich starben im Jahr 1999 zwei Afrikarückkehrer an Malaria tropica. Gefährlich ist diese Form der Malaria deshalb, weil sie einen untypischen Fieberverlauf und grippeähnliche Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen zeigt. Deshalb wird sie oft nicht rechtzeitig diagnostiziert und endet schlimmstenfalls tödlich. Bei fiebernden Tropenrückkehrern sollte also immer an eine Malaria gedacht werden. Wie aber kann man eine Infektion verhindern?

Zunächst einmal kann durch Expositionsprophylaxe mit Moskitonetzen und Repellentien vorgebeugt werden. In den meisten Fällen genügt dies allein aber nicht, die zusätzliche Einnahme von Anti-Malaria-Medikamenten ist nötig. Bei der Chemoprophylaxe muss einerseits die Resistenz-Situation, andrerseits das tatsächliche Risiko für eine Malariainfektion berücksichtigt werden. Die WHO teilt dazu die endemischen Malariagebiete in "Zonen" ein (siehe Abbildung).

Standardchemoprophylaktikum ist Chloroquin (Resochin®). In Gebieten mit hohem Malariarisiko und zunehmenden Resistenzen ist eine Prophylaxe mit Mefloquin (Lariam® nötig, wie in den meisten Gebieten Afrika und Südostasiens.

In manchen Teilen Thailands, Kambodschas und in Laos werden in zunehmenden Maße Mefloquinresistenzen beobachtet: hier wird Doxycyclin empfohlen, das allerdings Schwangeren und Kleinkindern nicht gegeben werden darf. Allerdings sollte Schwangeren von einer Reise in Gebiete hohen Malariarisikos abgeraten, sie erkranken ebenso wie Kleinkinder schwerer an einer Malaria.

Manchmal kann eine Stand-by Therapie sinnvoll sein.

Sie wird empfohlen bei

  • kurzfristiger Malariaexposition nur über wenige Tage
  • Reisen in Gebiete mit sehr niedriger Malariainzidenz
  • bekannte Unverträglichkeit einer Chemoprophylaxe

Da das Malariarisiko auch innerhalb eines Landes zu den verschiedenen Jahreszeiten Regenzeit oder Trockenzeit variieren kann, muss die Entscheidung zur Vorsorge individuell getroffen werden. Auch Reisedauer und Reisestil sind zu beachten. So ist etwa Doxycyclin wegen möglicher phototoxischer Reaktionen für einen Badeurlaub nicht empfehlenswert in diesem Fall muss Mefloquin verwendet werden. Mefloquin wiederum kann zu psychischen Nebenwirkungen wie Schlafstörungen, Alpträumen oder ganz selten auch zu schweren psychiatrischen Nebenwirkungen wie Psychosen führen. Auch Tauchern sollte es nicht gegeben werden.

Als Alternative bietet sich die Kombination Atovaquone/Proguanil (Malarone®) an. Malarone® ist in Österreich allerdings nur als stand-by Medikation zugelassen ist eine Zulassung zur Prophylaxe wird für dieses Jahr allerdings erwartet. Das Medikament ist gut verträglich, eignet sich sowohl zur Kurzzeit als auch zur Langzeitprophylaxe und kann unabhängig von der Resistenzsituation eingesetzt werden, ist allerdings mit etwa 70 Schilling pro Tablette nicht ganz billig. Zur Therapie der unkomplizierten Malaria tropica ist Malarone® bestens geeignet: hier nimmt man einmal täglich vier Tabletten an drei aufeinanderfolgenden Tagen.

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