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Innere Medizin 14. Juli 2005

Eosinophilie nach Myanmar

So erfolgt üblicherweise bei einem fraglich reiseassoziierten in diese Richtung veränderten Differentialblutbild eine entsprechende Durchuntersuchung, wobei Faktoren wie Präpatenzzeit und die möglicherweise nur intermittierende Nachweisbarkeit von Wurmeiern im Stuhl zu berücksichtigen sind.

Kasuistik:

Eine schon länger in Österreich lebende 39-jährige Frau war cirka vier Monate vor dem Ambulanztermin von einem zweimonatigen Aufenthalt in Myanmar (Burma)zurückgekehrt, wo sie ihren auf buddhistischem Glauben basierenden Pflichten nachgekommen war, indem sie diese Zeit in einem Kloster zugebracht hatte. Nach ihrer Rückkehr nach Österreich war die Patientin unter der Verdachtsdiagnose Tuberkulose bei anamnestisch seit zehn Tage bestehendem Fieber aufgenommen worden, dabei zeigte sich im Differentialblutbild eine hochgradige Eosinophilie (43%).

Es konnte kein Grund für diese Blutbildveränderung gefunden werden und so erhielt die Patientin ex juvantibus Albendazol (Eskazole®) für zehn Tage.

Die persistierende Eosinophilie veranlasste den Hausarzt zur Vorstellung an einer infektiologischen Ambulanz. Die detaillierte Nahrungsanamnese brachte ein wichtiges Faktum zu Tage: die Ernährung während des Auslandsaufenthaltes war vorwiegend vegetarisch, jedoch hatte sie in Rangoon, der Hauptstadt Burmas, auch eine traditionelle Speise mit rohem Fisch gegessen.

Die hier erhobenen Laborbefunde zeigten folgendes Bild: Blutbild unauffällig, im Differentialblutbild 9% eosinophile Granulozyten und 8%Monozyten.

In der parasitologischen Stuhluntersuchung fanden sich Wurmeier, die als Eier von Clonorchis sinensis identifiziert wurden. Dieser Parasit hat insofern eine besondere Bedeutung, als durch die Absiedelung in den Gallengängen und der daraus resultierenden chronischen Reizung die Entstehung eines Gallengangkarzinoms begünstigt werden kann.

Nach Diagnosestellung wurde die Patientin mit einer hoch dosierten Praziquantelgabe erfolgreich therapiert.

Quelle: 6.Reisemedizinische Tagung in Linz März 2001
Vortrag von DDr. Martin Haditsch
Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin
Krankenhaus der Elisabethinen Linz

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