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Innere Medizin 11. Juli 2005

Radon – die unterschätzte Gefahr

Für Radon gilt: Je höher die Konzentration im Innenraum, desto größer das Lungenkrebsrisiko. Dennoch wird die Problematik im Allgemeinen nicht sehr ernst genommen.

Radon ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Edelgas, das aus dem Untergrund in die Häuser eindringt. „Während wir Radon rasch wieder ausatmen, verbleiben die ebenfalls radioaktiven Folgeprodukte an den feuchten Oberflächen im Atemtrakt“, erläutert Dr. Harry Friedmann, Institut für Isotopenforschung und Kernphysik der Universität Wien. Bei diesen Zerfallsprodukten handelt es sich um Isotope der Schwermetalle Polonium, Wismut und Blei. Das Edelgas Radon bzw. seine Folgeprodukte dürften für rund fünf bis 15 Prozent aller Lungenkrebsfälle in Österreich verantwortlich sein. „Damit stellt Radon nach dem Rauchen die wichtigste Ursache für Lungenkrebs dar“, so OA Dr. Hanns Moshammer, Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien. Dennoch wird das Radonrisiko im Allgemeinen unterschätzt und ist für Politik und Öffentlichkeit zumeist kein Thema.

Bagatellisierte Bedrohung

Dies dürfte einerseits darin begründet sein, dass es sich um ein „natürliches“ Risiko handelt, zum anderen spielt sicher auch die geschickte Öffentlichkeitsarbeit von Radon-Heilstollen und -Bädern eine Rolle. Zudem glauben die in Österreich für den Strahlenschutz zuständigen Beamten zum Teil, dass Strahlung in niedrigen Dosen positive Auswirkungen auf den menschlichen Organismus hat („Hormesis“). Gerne wird auch argumentiert, dass ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko durch Radon nur bei Bergarbeitern nachgewiesen werden konnte, nicht jedoch bei den in Wohnungen üblichen, viel niedrigeren Konzentrationen (Durchschnittswert in Österreich: 99 Becquerel/Kubikmeter, Median: 61 Bq/Kubikmeter.) Dass Bergleute ein erhöhtes Risiko für Lungenerkrankungen haben, wusste bereits Paracelsus. Im Zusammenhang mit dem Bergbau im Schneeberger Revier (in Sachsen) verfasste er anno 1537 die Schrift „Von der Bergsucht und anderen Bergkrankheiten“. 1878/79 erkannten dann Härtling und Hesse, dass Lungenkrebs für etwa 75 Prozent der Todesfälle unter den Schneeberger Bergleuten verantwortlich war. 1913 äußerte Müller erstmals den Verdacht, dass die Lungenkrebsfälle mit Radon in Verbindung stehen könnten. In den 60er-Jahren konnte dann (an der Colorado-Plateau-Kohorte) mit Hilfe moderner epidemiologischer Methoden der Zusammenhang zwischen Radon und Lungenkrebs nachgewiesen werden.

Alarmierende Studie

Vor kurzem wurden nun die Ergebnisse einer europäischen Studie zum Thema „Radon in der Wohnung und Lungenkrebs“ publiziert, in der Daten aus neun Ländern, darunter auch Österreich, zusammengeführt worden waren (Darby et al., BMJ 2005). Insgesamt standen für die Analyse die Zahlen aus 13 Fall-Kontroll-Studien mit insgesamt 7.148 Lungenkrebs-Fällen und 14.208 Kontrollen zur Verfügung. „Es zeigte sich, dass pro 100 Bq/Kubikmeter das Lungenkrebsrisiko um 16 Prozent zunahm“, so die Autoren. In Österreich gibt es, so wie in den meisten Ländern, keinen Radon-Grenzwert. Die Richtwerte der Strahlenschutzkommission liegen bei 200 Bq/Kubikmeter (Jahresmittel) für Neubauten und 400 Bq/Kubikmeter für bestehende Gebäude. Dazu Moshammer: „Für Radon existiert sicher kein Schwellenwert. Daher sollten die Radon-Konzentrationen in Innenräumen so niedrig wie möglich sein.“ Auskunft über die Gefährdung auf Gemeindeebene gibt die auf Basis von 40.000 Messungen erstellte Radonpotenzialkarte. Eine Voraussage der Radonkonzentration für den individuellen Haushalt ist allerdings nicht möglich. Der Wert kann nur durch eine entsprechende Messung bestimmt werden. Bei nur leicht erhöhten Werten reicht eine verstärkte Lüftung aus. Im Fall von deutlich erhöhten Konzentrationen sind bautechnische Maßnahmen entsprechend der vor kurzem veröffentlichten ÖNORM S5280-3 notwendig. Gerade in Gebieten mit erhöhter Radongefahr sollte bereits beim Neubau an die Radonvorsorge gedacht werden. Grundprinzipien sind laut Doz. Dr. Franz Josef Maringer, arsenal research, u. a. das Abdichten erdberührter Bauteile, die ganzflächige Unterkellerung des Gebäudes, die luftströmungsdichte Abschottung des Kellers vom Wohnbereich und die Reduktion des Unterdrucks im Gebäude.

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