zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 11. Juli 2005

Atherosklerose-Prävention: Studie mit Frauen

Es war eines der erklärten Ziele der HOPE-Studie (Heart Outcomes Prevention Evaluation), eine statistisch ausreichende Rate an weiblichen Patienten einzuschließen, um auch den Effekt der Behandlung von Frauen mit Ramipril beurteilen zu können. Denn die Frage von geschlechtsspezifischen Unterschieden im Ansprechen auf gängige Therapien ist aufgrund der höheren Lebenserwartung von Frauen und der steigenden Prävalenz kardiovaskulärer Erkrankungen und Diabetes im Alter von zentraler Bedeutung. 

Weltweit wurden im Rahmen der HOPE-Studie 9.927 Patienten mit einem Mindestalter von 55 Jahren und manifesten atherosklerotischen Erkrankungen (KHK, Myokardinfarkt, Schlaganfall, PaVK) bzw. mit Diabetes mellitus und zumindest einem weiteren kardiovaskulären Risikofaktor, aber ohne Anzeichen einer linksventrikulären Funktionsstörung oder Herzinsuffizienz, mit Ramipril behandelt. Darunter waren 2.480 Frauen, die nach stufenweiser Auftitration täglich 10 mg Ramipril erhielten. Die durchschnittliche Behandlungsdauer betrug 4,5 Jahre.

Die Ergebnisse dieser Substudie wurden kürzlich im Journal des American College of Cardiology veröffentlicht (JACC 2002; Vol.40, 4: 693-702). Bei den Ramipril-behandelten Frauen zeigte sich eine signifikante Risikoreduktion von 23 Prozent für den primären Endpunkt. Sie erlitten um 36 Prozent weniger Schlaganfälle, die Verschlechterung einer bestehenden Angina war um 12 Prozent geringer als in der Kontrollgruppe, und die kardiovaskuläre Sterblichkeit sank um 38 Prozent. 

In Hinblick auf weitere sekundäre Endpunkte zeigte sich ein starker Trend zur Verringerung von Gesamtsterblichkeit, Herzinsuffizienz, Herzstillstand, Häufigkeit von Revaskularisierungen und Neuauftreten von Diabetes. Die Analyse zeigte vergleichbare positive Effekte von Ramipril bei weiblichen und männlichen Patienten, wobei Männer in der HOPE-Studie insgesamt mehr Ereignisse erlitten als Frauen. Dies dürfte durch gewisse Unterschiede in der Anamnese begründet sein. Im Vergleich zu Männern waren Frauen zu Studienbeginn geringfügig älter, wiesen einen höheren BMI auf und litten häufiger an PaVK, Hypertonie, Hypercholesterinämie und Diabetes. Männer hingegen zeigten ein stärkeres Krankheitsbild der KHK, sie hatten mehr Myokardinfarkte und Revaskularisierungen in der Anamnese und dadurch insgesamt eine etwas schlechtere Prognose als Frauen. Auch unter Einbeziehung dieser vorab bestehenden Unterschiede blieb das Ergebnis jedoch unverändert.

"Diese Studie beweist, dass postmenopausale Frauen mit hohem kardiovaskulären Risiko von der Therapie mit Ramipril 10 mg im selben Ausmaß profitieren wie Männer - der Therapieerfolg ist vom Geschlecht der Patienten unabhängig. Dieser Tatsache sollte auch bei der Erstellung von neuen Behandlungsrichtlinien Rechnung getragen werden", empfiehlt Eva Lonn (Hamilton, Kanada), eine mit der Durchführung der Studie beauftragte Ärztin aus dem Team um Prof. Yusuf.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben