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Innere Medizin 4. Juli 2005

Reisende zu Impfungen gezielt beraten

Das allgemeine Risiko für reisemedizinisch relevante Erkrankungen kann durch persönliche spezifische Reiseparameter für den Einzelnen stark verändert sein. Durch die Abschätzung des individuellen Risikos von Reisewilligen kann so ein gezielter Vorsorgeplan erstellt werden.

Erstmals gibt es heuer als „Impfempfehlungen für Fernreisen“ nicht einen vorgefertigten länderspezifischen Impfplan, sondern stattdessen eine länderspezifische Risikodarstellung für reisemedizinisch relevante Krankheiten. Der beratende Arzt kann somit in einem intensiveren Beratungsgespräch das individuelle Risiko eines Reisewilligen für eine bestimmte Erkrankung herausfinden und aufgrund dessen einen gezielten Vorsorgeplan erstellen, anstatt einer schematisierten Impfliste folgen zu müssen, betonte Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, Institut für spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Universität Wien, bei einer Fortbildungsveranstaltung am 28. April. Die länderspezifische Risikobewertung aufgrund epidemiologischer Daten (z.B. www.reisemed.at) stellt die Grundlage dar, die durch die persönlichen individualspezifischen Reiseparameter vermindert oder erhöht werden. So wird etwa ein allgemein intermediäres Risiko für Hepatitis A und Typhus im Einzelfall deutlich gesteigert durch z.B. „risky behaviour“ wie ungenierten Genuss von Meeresfrüchten, Langzeitaufenthalte, Entwicklungshilfeprojekte, vor allem aber, wenn Freunde und Verwandte besucht werden.Jedes Jahr werden zahlreiche Hepatitis-A-Infektionen aus der Türkei nach Heimatbesuchen von Immigranten importiert: Die in Österreich geborenen Kinder besitzen im Gegensatz zu ihren in der Türkei aufgewachsenen Eltern keine Immunität, infizieren sich bei ihren Verwandten und bringen Hepatitis A nach Österreich. Ein anderes Beispiel ist die Tollwut, die auch in den osteuropäischen Staaten sehr verbreitet ist. Im Gegensatz zu Österreich sind dort nicht die Füchse, sondern domestizierte Hunde im urbanen Bereich die wichtigsten Überträger. Familien mit Kindern, die zu Hause selbst Hunde haben und daher sehr zutraulich zu Tieren sind, würde Kollaritsch dringend zur Schutzimpfung raten, wohingegen Kinder, die sich ohnehin vor Hunden fürchten und den Kontakt daher meiden, weniger gefährdet sind.*

Reisen nach Osteuropa

Bei Reisen in den osteuropäischen Raum sollte zusätzlich zu den für Österreich geltenden Impf­empfehlungen Folgendes beachtet werden: Die FSME weist in den meisten osteuropäischen Ländern eine sehr hohe Inzidenz auf. Besonders hoch ist das Infektionsrisiko in den baltischen Staaten, Tschechien, Polen, aber auch Ungarn und Russland. Auffallend ist vor allem die Zunahme alimentärer FSME-Infektionen (zehn Prozent), vor allem über unpasteurisierte Milchprodukte. Für Hepatitis A und Typhus besteht vor allem in Rumänien, Bulgarien, Russland, Albanien, Ukraine, Moldawien, Weißrussland ein intermediäres Risiko. Impfungen gegen Hepatitis B werden grundsätzlich für jedermann/frau empfohlen, besonders dringlich aber bei Reisen nach Moldawien, Rumänien, Ukraine, Weißrussland bzw. etwas weniger dringlich für Albanien, Bulgarien, Russland. Für Typhus abdominalis sollten vor jeder Reise aktuelle Informationen abgerufen werden.

Die aktuelle „länderspezifische Risikoeinschätzung reisemedizinisch relevanter Erkrankungen“ ist im Internet z.B. unter www.reisemed.at nachzulesen.
*Eine Tollwutreferenzzentrale für Österreich wurde im Zentrum für Reisemedizin, 1090 Wien, Zimmermanngasse 1, eingerichtet und steht für alle Fragen in Zusammenhang mit Tollwut (prä- und postexpositionelle Impfauskünfte für Laien und Fachleute, Impfstoffbevorratung,...) zur Verfügung. Telefonische Auskunft unter der kostenpflichtigen Tel.-Nr.: 0 900 300 888

Dr. Klaus Huber, Ärzte Woche 20/2005

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