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Allgemeinmedizin 12. Juli 2005

Montezumas Rache als Souvenir

Reisediarrhoen sind meist selbst limitierend. Erst wenn der unkomplizierte Durchfall mehr als drei Tage dauert, sollte mit der Basisdiagnostik begonnen werden.

Bei den Krankheiten, die Reisende aus den Tropen zurückbringen, ist Durchfall die häufigste. Von 21.300 Reiserückkehrern aus tropischen und subtropischen Regionen, die das Münchner Tropeninstitut im Jahre 2000 in einer Studie nach Krankheiten befragt hat, ist Diarrhoe am häufigsten genannt worden: 58 Prozent hatten nach der Reise Durchfall, nur 20 Prozent hatten Fieber. Durchfall kann bei Tropenrückkehrern bekanntlich durch verschiedene Erreger verursacht werden. Tipps zum praktischen Vorgehen hat Prof. Dr. Gerd-Dieter Burchard, Leiter der Klinischen Abteilung des Bernhard-Nocht-Instituts in Hamburg, auf dem Internisten-Kongress in Wiesbaden, April 2005, gegeben. Am häufigsten ist bei Tropenrückkehrern eine unkomplizierte wässrige Diarrhoe. „Unkompliziert heißt: kein Fieber dabei, keine Blutauflage beim Stuhl dabei. Wenn der Durchfall weniger als drei Tage besteht, ist keine spezifische Stuhldiagnostik nötig“, sagte Burchard. Man könne abwarten oder dem Patienten ein Antibiotikum geben, am besten Ciprofloxazin. Denn meist handelt es sich bei importierten Erregern um Bakterien, die selbst limitierende Diarrhoen verursachen. 40 Prozent der Reisediarrhoen seien durch ETEC, also Enterotoxin-bildende Escherichia coli, verursacht. Dauert ein unkomplizierter wässriger Durchfall länger als drei Tage, sei eine Basisdiagnostik angebracht. „Das würde sich beschränken auf eine bakteriologische Stuhluntersuchung auf Salmonellen, Shigellen und Campylobacter und auf eine Stuhluntersuchung auf Parasiten“, so der Experte. Die Therapie sei dann klar. Burchard wies aber darauf hin, dass es bei Campylobacter in verschiedenen Ländern, etwa Thailand, zu Chinolonresistenzen gekommen ist.

Durchfall bei Malaria tropica

Geht die Diarrhoe mit Fieber einher, muss immer auch eine Malariadiagnostik mit Dickem Tropfen gemacht werden. Denn nach einer US-Studie haben 16 Prozent der Patienten mit Malaria tropica Durchfall, mitunter sogar als Hauptsymptom.„Jeder Durchfall mit Fieber nach Tropenaufenthalt ist bis zum Beweis des Gegenteils eine Malaria“, machte der Tropenmediziner in seinem Vortrag deutlich. Außerdem ist bei Diarrhoe mit Fieber immer ein Blutbild nötig. Durchfall mit blutigen Auflagerungen kann Symptom einer Shigellen-Ruhr oder einer Amöben-Ruhr sein. Erster differenzialdiagnostischer Hinweis ist die Inkubationszeit. Liegt die Tropenreise schon länger zurück, wenn ein Patient blutigen Durchfall bekommt, spreche das eher für eine Amöben-Ruhr. Bei der Amöben-Ruhr entwickelt sich die Symptomatik auch meist langsamer als bei der Shigellen-Ruhr, die durchwegs sehr stürmisch eintritt. Ein Drittel der Patienten mit Amöben-Ruhr hat auch Fieber. Amöben-Ruhr kann zu sehr schweren Komplikationen wie dem lebensbedrohlichen Amöben-Leberabszess führen. Zur Basisdiagnostik ist hier auch eine Nativstuhluntersuchung auf Entamoeba histolytica sinnvoll. „Nativstuhl deshalb, weil sich die Amöben dann noch bewegen“, erklärte Burchard. „Wenn Sie von Ihrem Labor den Befund Entamoeba histolytica/dispar bekommen, dann könnte der Patient auch eine Infektion mit dem apathogenen Keim Entamoeba dispar haben plus Shigellen-Ruhr. Dann muss man eine weitere Diagnostik machen lassen.“

Infektion mit Würmern

Ein weiterer Sonderfall ist die Diarrhoe mit Eosinophilie. Diese trete aber nur gelegentlich auf, denn, so Burchard: „Würmer spielen in der Reisemedizin keine so große Rolle.“ Die Ausnahme ist der Zwergfadenwurm. Deshalb ist es sinnvoll, bei Patienten mit Durchfall und Eosinophilie eine Spezialuntersuchung auf Zwergfadenwurm-Larven anzufordern, denn nur die und nicht etwa die Eier sind im Stuhl nachzuweisen. Persistiert der Durchfall trotz negativer Erstdiagnostik, rät Burchard, die gesamte Diagnostik zu wiederholen. Dann müsse man auch an seltene Erreger wie Coccidien denken. Bei chronischer Diarrhoe, die länger als vier Wochen anhält, sind die Erreger häufig Giardia lamblia. Dann sollte aber ein Tropenmediziner zu Rate gezogen werden.

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