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Innere Medizin 4. Juli 2005

Kreuzweh hat oft eine eindeutige Ursache

Sozialmediziner aus Lübeck fanden bei jedem zweiten Patienten mit chronischen Rückenschmerzen Hinweise auf einen spezifischen Pathomechanismus.

Allgemein wird angenommen, dass sich bei etwa 80 Prozent aller Rückenschmerz-Patienten keine spezifische Ursache ausmachen lässt. Dies wird jedoch von manchen Experten bezweifelt. Bei einer systematischen Befragung von mehr als 9.000 Krankenversicherten in Schleswig-Holstein haben Dr. Oskar Mittag vom Institut für Sozialmedizin in Lübeck und seine Kollegen Personen mit schweren Rückenschmerzen identifiziert und 335 noch berufstätige Männer und Frauen klinisch untersucht. Dabei fanden sie in 55 Prozent der Fälle neurologische Auffälligkeiten, etwa Sensibilitätsstörungen, nicht auslösbare und seitendifferente Reflexe oder positive Lasègue-Tests. „Bei über der Hälfte der Probanden ließ sich ein Verdacht auf einen spezifischen Pathomechanismus als Ursache für die Rückenschmerzen nicht völlig ausschließen“, folgert Mittag.
Legte man vergleichsweise harte Kriterien an, blieben immerhin noch ein Drittel der Probanden mit neurologischen Symptomen. Ein Drittel aller Probanden hatte Skoliosen der Brust- und Lendenwirbelsäule, bei der Hälfte zeigten sich statische Fehlstellungen (Kyphosen oder Lordosen). Jeder fünfte Patient hatte Zeichen eines radikulären Rückenschmerzes. Die Sozialmediziner kritisieren, dass unter der Annahme unspezifischer Rückenschmerzen die nosologisch orientierende Diagnostik zugunsten einer raschen Therapie oft vernachlässigt werde. Außerdem fehle es an validen diagnostischen Methoden. In der Bild gebenden Diagnostik würden häufig irrelevante Auffälligkeiten zur Erklärung des Rückenschmerzes herangezogen, bei Fehlen sichtbarer Veränderungen jedoch die Patienten-Angaben zu Unrecht in Zweifel gezogen.

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