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Innere Medizin 18. Oktober 2005

Neues Op-Verfahren bei Skoliose

Im Altonaer Kinderkrankenhaus in Hamburg wurde kürzlich ein neunjähriger ­Patient erstmals mit einem neuartigen Operationsverfahren bei Skoliose ­behandelt. Kernstück der neuen Therapie sind SMA (Shape Memory Alloy) Staples des Unternehmens Medtronic aus einer speziellen Titan-Nickel-Legierung, die die Wirbelzwischenräume stabilisieren, ohne Wirbel zu versteifen.

Bei einem neunjährigen Patienten des Altonaer Kinderkrankenhauses in Hamburg hatte sich nach einer erfolgreichen Tumorentfernung im Bereich des thorako-lumbalen Übergangs in den letzten zwei Jahren seine Skoliose von 24° auf 49° verschlechtert. Aufgrund des Alters des Patienten kam eine Versteifung der Wirbel noch nicht in Frage und durch eine Korsettversorgung hätte eine Korrektur der Krümmung nicht mehr erreicht werden können. Aus diesen Gründen setzte sich das Kinderkrankenhaus bei dem Patienten für die Anwendung des neuartigen, von Dr. R. Betz von Shriners Hospital in Philadelphia in Zusammenarbeit mit der Firma Medtronic entwickelten Operationsverfahrens ein. Dr. Ralf Stücker, leitender Arzt der Kinderorthopädischen Abteilung, erklärte: „Mit den SMA Staples kann nicht nur ein Fortschreiten der Skoliose verhindert werden, es kann auch eine Korrektur der Krümmung eintreten, weil das Wachstum der Konkavität durch die Klammern nicht behindert wird.“

Minimalinvasives, fusionsloses Op-Verfahren

Kernstück des OP-Verfahrens sind die Medtronic SMA (Shape Memory Alloy) Staples (Klammern). Diese werden in einem minimalinvasiven Verfahren in die Konvexität der verkrümmten Wirbelsäule eingebracht. Verwendet werden jeweils zwei parallel gesetzte Klammern, um einen Wirbelzwischenraum zu stabilisieren. Alternativ kann auch eine Doppelklammer eingesetzt werden. Zu Beginn der OP werden auf der konvexen Körperseite die Positionen für die Pilotöffnungen festgelegt und durch Röntgenaufnahmen überprüft. Durch die Öffnungen werden endoskopisch zunächst Pilotlöcher in die Wirbelkörper des zu stabilisierenden Bereichs gebohrt und danach die Staples in die Wirbelkörper eingebracht. Die Medtronic SMA Staples bestehen aus einer speziellen Titan-Nickel-Legierung, die bei einer Temperatur von 35° C immer zu einer festgelegten Form zurückkehrt. Gekühlt sind die Klammern frei modellierbar und werden in U-Form in die Pilotlöcher eingebracht. Nach der Erwärmung auf Körpertemperatur versuchen sie, in eine vordefinierte Kreisform zurückzukehren.

Druck hält Klammern in Position

Der hierdurch entstehende Druck hält die Staples nach der Operation in Position. Durch den Einsatz der SMA Staples kann ein Forschreiten der Skoliose gestoppt werden, ohne den betroffenen Bereich der Wirbelsäule zu versteifen. Gleichzeitig wird eine Wachstumssteuerung erzielt, da die Wirbelsäule auf der Konkavität weiter wachsen kann, wodurch neben der Verhinderung einer Progredienz auch eine Korrektur der Krümmung eintreten kann.

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