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Innere Medizin 4. Juli 2005

Frauen mit KHK: Brauchen sie eigene Leitlinien?

Seit einigen Jahren sind Frauen in der Kardiologie immer stärker ins Blickfeld gerückt. „Zum einen, weil auch bei ihnen seit den 80er-Jahren die kardiovaskulären Erkrankungen zunehmen, zum anderen, weil etliche Besonderheiten des weiblichen Geschlechtes von den Kardiologen ziemlich vernachlässigt und unterschätzt wurden“, erklärte Prof. Dr. Othmar Pachinger, Klinische Abteilung für Kardiologie, Universitätsklinik für Innere Medizin, Innsbruck, anlässlich des Kongresses „Kardiologie 2005“ Mitte März in Innsbruck.

Geschlechtsspezifische Unterschiede in Bezug auf KHK wurden auch von den einzelnen Fachgesellschaften (AHA, DKG) erarbeitet. Die Women’s Health Initiative und die HERS-Studie haben gezeigt, dass eine kombinierte Hormontherapie mit ungünstigem Einfluss auf kardiovaskuläre Erkrankungen assoziiert ist.

Offene Fragen

Die Notwendigkeit einer kritischen Prüfung von bereits bestehenden Strategien zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen bei Frauen ist evident. Dabei sind laut Pachinger folgende Fragen abzuklären:

• Wie wichtig ist die KHK bei Frauen?
• Sind Diagnose und Therapiemanagementstrategien unterschiedlich?
• Warum haben Frauen schlechtere Resultate in der KHK-Therapie?
• Ist der pathophysiologische Grundmechanismus für Symptomatik und klinische Manifestation anders als beim männlichen Geschlecht?
• Wie erklären wir die hohe Zahl von Frauen mit klinischer AP-Symptomatik, aber angiographisch normalem Koronargefäßbefund?
• Welche diagnostischen Tests identifizieren die Risikopatientin?
In einer rezenten Studie über geschlechtsspezifische Unterschiede bei KHK mit stabiler AP (ALKK Quality Control Register Ludwigshafen) wurde klar dokumentiert, dass bei Frauen mit stabiler AP die Inzidenz eines falsch positiven Belastungstests doppelt so hoch ist wie bei Männern. Stress-Testing hat daher eine signifikant niedrigere positive Vortestwahrscheinlichkeit für KHK bei Frauen.

Prävention mit Östrogen

In der WISE-Stuy (Women’s Ischemia Syndrom Evaluation) zeigte sich, dass bei Frauen nicht nur die traditionellen Risikofaktoren, sondern auch Polymorphismen bei genetischen Faktoren der mikrovaskulären Reaktivität im Gegensatz zum männlichen Geschlecht eine entscheidende Rolle spielen. „Die derzeitigen Studienergebnisse können dahingehend interpretiert werden, dass eine kardiovaskuläre Primärprävention durch eine Hormonersatztherapie nicht erreicht werden kann, durch eine Östrogenmonotherapie dies allerdings bei herzgesunden Frauen möglich ist“, meinte Pachinger. Ein potenziell wirksames Instrument zur Erkennung der individuellen Physiologie und individuellen Risikoprofile stellt die Kenntnis von Mutationen und Polymorphismen dar. Als Polymorphismen werden Mutationen bezeichnet, die mit einer Allelfrequenz von über ein Prozent in einer Population auftreten. In einer Vielzahl von Studien sind pharmakogenetische Effekte der Trägerschaft bestimmter Polymorphismen nachgewiesen worden. Diese Zusammenhänge können auch zur individuellen Risikoeinschätzung der kardiovaskulären Wirkungen einer Hormonersatztherpie bzw. Östrogenmonotherapie herangezogen werden. Pachinger: „Es bleibt spannend!

WMW Skriptum, Ärzte Woche 15/2005

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