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Innere Medizin 4. Juli 2005

Wie wirkt Homöopathie?

Homöopathie könnte eine makroskopische Form von Teleportation sein, so der Freiburger Komplementärmedizin-Experte Prof. DDr. Harald Walach auf einer Expertentagung in Wien.

Laut Walach, Leiter der Sektion „Komplementärmedizinische Evaluationsforschung“, Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene, Univ.-Klinikum Freiburg, existiert keine brauchbare Theorie, welche die Effekte der Homöopathie erklären könnte. „Das lokale Wirkmodell in der Homöopathie, das vom Informationsgehalt der Arzneimittel, von ‚Imprint’ oder Energie spricht, führt nicht weiter.“ Auch Hahnemann habe an nicht-lokale Modelle gedacht, wenn er von geistartiger Wirkung, „Dynamis“ und Feld-Effekt sprach.

Generalisierte Verschränkung

Walach schlägt daher vor, sich statt auf lokale Modelle auf die Quantenmechanik und die „generalisierte Verschränkung“ zu stützen. Die Quantenmechanik geht bekanntlich über die Newtonsche Mechanik hinaus und steht in einem gewissen Gegensatz zu unseren Alltagsvorstellungen von der Welt. Walach: „Beispielsweise sagt der Formalismus der Quantenmechanik aus, dass sich Elemente eines Quantensystems korreliert verhalten, obwohl keine lokalen Interaktionen stattfinden. Diese Verschränkung wird als Einstein-Podolsky-Rosen (EPR)-Korrelation beziehungsweise holistische Korrelation bezeichnet.“ Misst man zum Beispiel den Spin eines Elektrons, so ist aufgrund der formalen Struktur der Quantenmechanik auch sofort der Wert des korrespondierenden Teilchens bekannt, so als wüssten die beiden Teilchen um den Zustand des anderen, ohne dass jedoch Signale zwischen ihnen ausgetauscht werden. Aus Sicht des klassisch-physikalischen Denkens erscheint dies absurd, „die EPR-Korreliertheit quantenmechanischer Systeme ist aber experimentell bewiesen“, so Walach. Die Verschränkung (von Photonen) liegt auch der Teleportation von Quantenzuständen, die zuletzt viel mediale Aufmerksamkeit erfuhr, zugrunde. Ungewiss sei, wie groß die Bedeutung und Reichweite der Verschränkung in unserer Makrowelt ist. Darüber werde derzeit in der Physik unter dem Terminus „Dekohärenz“ diskutiert. Wie Walach erläuterte, zeichnen sich Quantensysteme darüber hinaus dadurch aus, dass sie einer Algebra nicht-kommutierender oder komplementärer Größen (Observablen) gehorchen. Nicht-kommutierende Observable sind solche, bei denen nur eine von beiden genau bestimmbar oder messbar ist. Ist eine bestimmt, ist die andere maximal unbestimmt, und umgekehrt (Heisenberg’sche Unschärferelation). Das bekannteste Beispiel für komplementäre Größen sind der Ort und der Impuls eines Teilchens. Wird der Ort eines Teilchens maximal genau bestimmt, dann muss eine Mess­anordnung gewählt werden, die seinen Impuls so stört, dass dieser nicht mehr bestimmbar wird und umgekehrt. „Jedenfalls ergeben sich bei umgekehrter Reihenfolge der Messungen unterschiedliche Ergebnisse“, so Walach. Hingegen gibt es in der gewöhnlichen Algebra nur kommutierende Größen: Ob man 2x3 oder 3x2 rechnet, ist egal, das Ergebnis ist immer 6. Walach hat nun zusammen mit den Freiburger Physikern Atmanspacher und Römer das Modell einer generalisierten Form der Quantentheorie entwickelt und unter dem Namen „Weak Quantum Theory” publiziert (Foundation of Physics 2002). Diese benutzt den Formalismus der algebraischen Quantentheorie, verschiedene Beschränkungen wie die Planck-Konstante wurden aber fallen gelassen. Walach: „Nach der verallgemeinerten Quantentheorie ist Verschränkung nicht auf Quantensysteme im eigentlichen Sinne beschränkt, sondern kann auch in anderen Systemen (zum Beispiel biologischen) vorkommen. Das Modell sagt vorher, dass in einem System dann Verschränkung zu erwarten ist, wenn es komplementäre Observablen enthält und eine dieser Observablen lokal ist, also einen Teil des Systems beschreibt und die andere global ist.“ Beispiele für Komplementarität sind dabei (neben Ort und Impuls eines Teilchens): Welle – Teilchen, Individuum – Gesellschaft, Spezifisches – Allgemeines sowie in der Homöopathie individuelle Symptome – Arzneimittelbild des Homöopathikums. Homöopathie könne als ein System verstanden werden, das eine zweifache Verschränkung benutzt, so der Experte: zwischen Arzneimittel und Substanz (Potenzierungsprinzip) und zwischen individuellem Symptomenbild und Arzneimittelbild (Ähnlichkeitsprinzip). Somit könnte die Homöopathie ein makroskopisches, generalisiertes Beispiel von Teleportation sein.

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