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Innere Medizin 9. November 2005

Maßnahmen gegen Bergkrankheit und Höhenödem

Im Hochgebirge soll man sich nach und nach an die Höhe gewöhnen. Tatsächlich wird oft schon der erste Urlaubstag radikal genutzt, sodass leichte bis mittlere Formen von Höhenkrankheit häufig auftreten. Auch Ödeme drohen.

Laut Prof. Dr. Peter Bärtsch, Universität Heidelberg, spielen weder Fitness noch Alter oder Geschlecht eine Rolle. Allein Aufstiegstempo und Veranlagung entscheiden, ob es zur akuten Höhenkrankheit (AHK) kommt. Diese kann sich bereits ab 2.000 Metern Höhe einstellen, und zwar um vier bis acht Stunden zeitversetzt. Prof. Dr. Jean-Paul Richalet, Universität Paris, unterscheidet drei Schweregrade der AHK (Tabelle). Neben der absoluten Höhe und der im Aufstieg bewältigten Höhendifferenz begünstigen Hypohydratation und körperliche Erschöpfung die Entstehung einer Bergkrankheit. Präventionsmethode der Wahl ist die stufenweise Höhenanpassung. Ab 2.500 Metern sollte die Schlafhöhe nicht mehr als 300 bis maximal 500 Meter pro Tag nach oben verlegt werden. Umgekehrt gilt für die Therapie: runter vom Berg, wenn die Beschwerden zu stark werden und Ruhe bzw. einfache NSAR nicht helfen. Mit 250 mg Acetazolamid, alle acht Stunden, lässt sich nachhelfen.

Prävention und Therapie

Sofortige Hilfe in Form des Abstiegs und, wenn möglich, in Form von Sauerstoff bzw. Lagerung in einer mobilen Überdruckkammer brauchen Bergsteiger, wenn ein Ödem auftritt. Ein Höhenhirnödem kündigt sich an, wenn die AHK exazerbiert und Bewusstseinsstörungen, Lähmungen oder Fehl­entscheidungen eintreten. Medikamentös hilft Dexamethason (4 bis 8 mg, alle sechs Stunden). Bärtsch wies nach, dass ent-zündliche Vorgänge beim Höhenlungenödem (HLÖ) keine Rolle spielen. Meist wird vor einem Lungenödem die Höhenkrankheit akut, der Bergsteiger fühlt sich extrem schlapp, kurzatmig und hat Hustenanfälle. Der Husten ist zunächst trocken, später feucht oder gar blutig. Wieder gilt: Abstieg, Sauerstoffgabe und Verabreichung von Medikamenten. Dexamethason wirkt beim Lungenödem nicht therapeutisch, wohl aber 20 mg Nifedipin retard, alle sechs Stunden. Bärtsch präsen­tierte zudem neueste Daten zu einem der PDE-5-Hemmer, die in den letzten Jahren bei erektiler Dysfunktion einen hohen Stellenwert erlangt haben: Tadalafil (Cialis®) hilft beim HLÖ sowohl therapeutisch als auch präventiv. Wie Nifedipin vermag Tadalafil den Lungenarteriendruck zu senken. In der Prävention des Höhenlungenödems wirkt auch Dexamethason. Die schützende Kortikoidwirkung kann vor allem für Bergsteiger, die bereits einmal ein Lungenödem entwickelt haben, von Bedeutung werden. Denn diese haben laut Bärtsch ein erhöhtes Risiko.

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