zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 4. Juli 2005

Erstes „Refluxcenter“ in Wien

Das Wiener Rudolfinerhaus erweitert sein ambulantes Betreuungsangebot. Das neue „Refluxcenter“ schließt eine Betreuungslücke für Patienten mit gastro-ösophagealen Beschwerden.

Die aktuellen Recherchen der Fachgesellschaften sprechen eine deutliche Sprache: 20 Prozent der in Industrieländern lebenden Menschen sind von gastro-ösophagealen Refluxbeschwerden betroffen. Damit nehmen die Erkrankungen der Speiseröhre einen Spitzenplatz in der Liste der Leiden ein.

Beachtlicher Kostenfaktor

Diese Häufigkeit führt zu erheblichen indirekten Kosten, die durch den Arbeits- und Produktionsausfall aufgrund der Refluxbeschwerden entstehen. Untersuchungsdaten aus Nordamerika sprechen sogar von einem Arbeitsausfall von 10 Prozent bei Patienten mit symptomatischem Reflux. Die Vergeudung finanzieller Ressourcen aus diesem Titel übertrifft bei weitem die Kosten einer indizierten Diagnostik und konsequenten Therapie. Schon heute ist es allgemein üblich, bei anhaltenden Beschwerden Patienten endoskopisch abzuklären. In der Regel können die Refluxbeschwerden medikamentös erfolgreich behandelt werden. Bei chronischen Fällen dienen dann gastroskopische Kontrollen der Überwachung des Therapieerfolges und der – gegebenenfalls – rechtzeitigen Diagnose einer malignen Entartung. Die Ergebnisse einer evidenzbasierten Konsensuskonferenz von Gastroenterologen und Chirurgen zeigen jedoch deutlich, dass ein nicht unbedeutender Teil, nämlich knapp 25%, einer differenzierten Diagnostik, und zwar der PH- Metrie und der Manometrie, zu-geführt werden sollte. Dies einerseits, um den Therapie-Erfolg bei konservativem Vorgehen oder mögliche extraösophageale Manifestationen zu verifizieren, andererseits um zu überprüfen, ob ein operatives Vorgehen indiziert und damit erfolgversprechend sein könnte. Erst dann sollte eine chirurgische Therapie empfohlen werden. Nach Ansicht der Experten ist dies nur bei ca. 14 Prozent der Refluxpatienten der Fall.

Kriterien für effiziente Therapie

Um hier eine Betreuungslücke zu schließen, bietet neuerdings das „Refluxcenter“ im Wiener Rudolfinerhaus unter Leitung von Prim. Dr. Wilhelm Appel ein umfassendes Service an. Aus dem Erfahrungsschatz von über 30.000 Gastroskopien resümiert der Fachmann, selbst Chirurg, dass für eine effiziente Therapie der Refluxerkrankung drei Dinge von essentieller Bedeutung sind: Das ausführliche Gespräch mit dem Patienten, eine zweckmäßige Diagnostik und die konsekutive Indikationsstellung zur adäquaten Therapie. Nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen sei ein operatives Vorgehen zu empfehlen. „Erst wenn die Indikation stimmt und der Chirurg die notwendige Erfahrung auf diesem Gebiet mitbringt, ist die Komplikationsrate unbedeutend und das Ergebnis für den Patienten optimal“, betont Appel – und setzt noch ein Qualitätskriterium drauf. Er beschränkt sich mit voller Absicht auf Diagnostik und Beratung und bietet im Umfeld des Rudolfinerhauses den Patienten im Falle der Notwendigkeit eines operativen Vorgehens die Auswahl von zwei anerkannten Fachleuten auf dem Gebiet der Refluxoperation: Prof. Dr. Karl Glaser und Prim. Dr. Christian Stracke.

Umfassendes Angebot

Eingebettet in die Infrastruktur des renommierten Wiener Privatspitals stehen dem Patienten hier Möglichkeiten offen, die andernorts nicht zu finden sind. Im „Refluxcenter“ selbst findet man alles unter einem Dach: endoskopische Abklärung, PH-Metrie, Ösophagus-Manometrie und Bilitec-Sonde (Messung des Galle-Reflux).

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben