zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 4. Juli 2005

Proteine im Urin verraten Anzeichen von Diabetes

Das an der Medizinischen Hochschule Hannover entwickelte so genannte DiaPat-Verfahren beruht auf einer Urinanalyse. Es wird zur Früherkennung von Nephropathien eingesetzt, ist aber auch für andere Diagnosen geeignet.

Eine Nierenbiopsie erfordert gewöhnlich zwei Tage Krankenhausaufenthalt. Dies verursacht Kosten, ist zudem bei Diabetikern, Nierenkranken oder anderen Risikogruppen wie Kindern, die eine Narkose erhalten, nicht immer empfehlenswert. Hier bietet das neue DiaPat-Verfahren, eine Proteinanalyse aus Patienten-Urin, einen sinnvollen, gleichwertigen Ersatz. DiaPat wurde an der Medizinischen Hochschule Hannover entwickelt und auch in der Transplantationsmedizin oder zur Erkennung von Neben-wirkungen von Medikamenten erfolgreich eingesetzt, zeigen erste Erfahrungsberichte von Ärzten.

Präzision von gut 90 Prozent

„Für Patienten mit starkem Harndrang oder gar Blut im Urin ist das DiaPat-Verfahren ein vollwertiger, gefahrloser Ersatz mit einer Präzision von 92 bis 96 Prozent“, erläutert Dr. Christian Heuer, Geschäftsführer des DiaPat-Einsendelabors in Hannover. Die DiaPat GmbH ist eine Entwicklung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), an der die beiden Professoren Hermann Haller und Harald Mischak das neue Urinanalyse-Verfahren entwickelt haben.

Früherkennung von Diabetes

Besonders wertvolle Dienste leistet der DiaPat-Urintest bei der Früherkennung von Diabetes-Erkrankungen, die bereits zwei Jahre vor Auftreten von Symptomen oder gar Schmerzen beim Patienten diagnostiziert werden. Eiweißausschüttung, Blutdruck und Nierenfunktion können dabei noch unauffällig sein. Doch liefert die Protein-Analyse der Urinprobe des Patienten eine klare Aussage, ob der Patient erkrankt ist oder nicht. Die Diagnose erfolgt online als Computer-Ausdruck bzw. Mustererkennung („Diagnostisches Pattern“). Bei Diabetikern kann das DiaPat-Verfahren sogar zwischen diabetischer Nephropathie, membranöser Glomerulonephritis oder fokal segmentierter Glomerulosklerose unterscheiden, selbstverständlich auch andere Nephropathien erkennen. Nach einer frühen Diagnosestellung bei Diabetes kann der Arzt oft noch gegensteuern und geeignete Therapieschritte gegen einen organischen Befall einleiten.

Resultate in fünf Tagen

Will ein Patient auf eigenen Wunsch einen solchen DiaPat-Test durchführen lassen, braucht er seine Urinprobe nur beim Hausarzt oder niedergelassenen Facharzt abzugeben. Mit einem Telefonanruf oder über Internet wird das DiaPat-Labor in Hannover kontaktiert, das von einem Kurierdienst die kryokonservierte Urinprobe abholen lässt und binnen fünf Arbeitstagen das Resultat der Proteinanalyse zustellt. Noch keine gesetzliche Krankenkasse, jedoch einige private Versicherer erstatten die entstehenden Kosten von ca. 850 Euro. Mit einem größeren Durchsatz von Urinproben wird sich der Diagnosepreis zukünftig weiter ermäßigen. Auch aus dem Ausland kann problemlos eine DiaPat-Urinanalyse beantragt bzw. veranlasst werden. Weitere Kosten, z.B. für Nachkontrollen bei invasiven Methoden, entstehen nicht. Das DiaPat-Verfahren ist noch relativ neu, erhielt aber bereits mehrere Preise, darunter auf der Hannover-Messe 2004 den Forschungspreis des Landes Nieder­sachsen. Auch in der Klinik konnte das DiaPat-Verfahren seinen Wert unter Beweis stellen: Binnen kürzester Frist konnte der Gesundheitsstatus frisch transplantierter Nieren- und Stammzell-Patienten eruiert und so Komplikationen vorgebeugt werden. Ähnlich bei zwei schwer nierengeschädigten Patienten, bei denen sich eine fällige Biopsie verbot, berichtet Dr. Heuer, Hannover, konnte das DiaPat-Urinanalyse-Verfahren als vollwertiger Ersatz eingesetzt werden. Weitere Anwendungsbeispiele für das nicht-invasive Verfahren sind akutes Nierenversagen und die Graft-versus-Host-Disease. Für die Kostenfalle Diabetes wird die DiaPat-Frühdiagnose in Zukunft wertvolle Einsparungen bringen.

Weitere Informationen: www.diapat.de.

Richard E. Schneider, Ärzte Woche 23/2001

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben