zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 4. Juli 2005

Laboratoriumsdiagnostik des Diabetes mellitus

Die derzeit empfohlene Vorgangsweise zur Diagnosestellung Diabetes mellitus erfolgt laut internationalen Richtlinien in drei Stufen: Blutzuckermessung, Nüchternblutzucker und oGTT. Auch für die Verlaufskontrolle sind einige Laborparameter relevant.

Laut Prof. Dr. Martie Truschnig-Wilders und Kollegen, Klinisches Inst. für Med. und Chem. Labordiagnostik, Universität Graz, umfasst die Diagnose Diabetes mellitus eine Gruppe von metabolischen Erkrankungen, die durch eine Hyperglykämie als Folge von Störungen der Insulinsekretion, der Insulinaktivität oder von beidem charakterisiert sind (J. Lab. Med. 2004; 28/4: 334-345). Die diagnostischen Kriterien – und somit auch die Prävalenz – wurden im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnte mehrfach geändert. Entsprechend derzeit gültiger Kriterien liegt die Prävalenz der Zuckerkrankheit in Europa zwischen fünf und zehn Prozent.

Kohlenhydrat-Stoffwechsel

Die Labordiagnostik des Kohlenhydrat-Stoffwechsels ist neben den klinischen Symptomen der wichtigste Grundpfeiler bei der Diagnose des Diabetes mellitus. An erster Stelle steht die Messung des Blutzuckerspiegels, wobei jedoch betont werden muss, dass die Methoden und Geräte zur Blutzuckerselbstkontrolle nicht für eine Diagnosestellung geeignet sind. Vielmehr ist für eine gesicherte Diabetesdiagnose eine nasschemische Bestimmung des Blutzuckers in Serum oder Plasma erforderlich. Weiters sollte das abgenommene Blut immer möglichst rasch verarbeitet werden, da der Blutzuckerspiegel im Venenblut bei Raumtemperatur um 6 mg/dl pro Stunde absinkt. Die derzeit empfohlene Vorgangsweise zur Diagnosestellung erfolgt laut internationalen Richtlinien in drei Stufen (siehe Kasten). Bei gesunden Personen bleibt der Blutzucker in der postprandialen Phase immer unter einem Wert von 160 mg/dl. Aus diesem Grund gilt heute die Diagnose Diabetes mellitus bereits als gesichert, wenn der Blutzucker zu irgendeinem Zeitpunkt über 200 mg/dl beträgt. Nach einer Fastenperiode von zumindest 8 Stunden liegt der Nüchternblutzucker bei Gesunden immer unter 126 mg/dl. Demzufolge gilt eine Diabetesdiagnose ebenfalls als gesichert, wenn der Nüchternblutzucker zumindest zwei Mal über diesem Schwellenwert liegt. Ein Nüchternblutzuckerwert ≥110 und <140 mg/dl wird als „gestörter Nüchternblutzucker“ bezeichnet und weist auf ein erhöhtes Diabetesrisiko hin. In diesen Fällen ist die Indikation zur Durchführung eines oGTT gegeben.

Verlaufskontrolle

Eine wichtige Labormessgröße zur Verlaufskontrolle bei Diabetes mellitus ist die Bestimmung von glykiertem Hämoglobin (HbA1c). Dieser Wert ist weder zum Screening noch zur Diagnose eines Diabetes geeignet. Seinen eigentlichen Stellenwert hat der HbA1c-Spiegel bei der Therapieüberwachung, und er sollte bei Typ-1- und Typ-2- Diabetikern etwa einmal im Quartal – bei Gestationsdiabetes häufiger – kontrolliert werden. Ein weiterer Labormesswert zur Verlaufskontrolle bei Diabetikern ist der Mikroalbuminurie-(MAU-) Test. Dieser sollte jährlich durchgeführt werden, bei positivem Ergebnis auch öfter. Denn bei entsprechend gut eingestelltem Diabetes (HbA1c <8%, systolischer Blutdruck <115 mmHg, niedrige Blutfettwerte, Nichtrauchen) ist eine MAU reversibel. Die MAU ist der beste nicht invasive Prädiktor für das Risiko einer diabetischen Nephropathie. Zur Diagnosesicherung einer MAU sind wiederholte Messungen erforderlich, und als gesichert gilt eine MAU bei Albuminkonzentrationen zwischen 30 und 300 Milligramm im 24-Stunden-Harn. Zur labordiagnostischen Abklärung einer Insulinerhöhung (Hyperinsulinämie) steht die Bestimmung des C-Peptidspiegels („connecting-peptide“ – eine Substanz unbekannter Funktion) zur Verfügung. Erhöhte Werte sprechen (nach Ausschluss von Tumoren bzw. Autoimmunerkrankungen) indirekt für eine Insulinerhöhung, da dieser Messwert unabhängig von der Leberfunktion bzw. einer Insulinverabreichung ist. Darüber hinaus bleibt C-Peptid im Gegensatz zu Insulin länger erhöht (längere Halbwertszeit).

DR. Gerhard Weigl, Ärzte Woche 23/2001

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben