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Innere Medizin 4. Juli 2005

Erwerbstätig trotz chronischer Krankheit

Früher galten Menschen mit Diabetes als grundsätzlich für bestimmte Berufe, zum Beispiel Dachdecker, ungeeignet. Heute ist das anders. Denn zum einen haben sich die Berufswelt und das Arbeitsleben gewandelt, zum anderen ist die Therapie variabler geworden.

„Die Beratung eines Diabetikers in Bezug auf seine beruflichen Möglichkeiten sollte heute individuell erfolgen, das heißt unter Berücksichtigung der konkreten Arbeitssituation, der Leistungsfähigkeit und der Kooperationsmöglichkeiten des Patienten“, betont Dr. Kurt Rinnert, Ärztlicher Leiter am Arbeitsmedizinischen Zentrum Köln. Neuerdings zeigt sich ein Wandel in der Begutachtung von Diabetikern im Hinblick auf ihre berufliche Eignung. Diese geht weg von einer pauschalen und verengten Beurteilung nach Diagnoselisten oder Therapieschemata hin zu einer individuellen Beurteilung. Diese berücksichtigt neben der tatsächlichen Gefährdung durch die Tätigkeit auch die individuelle Leistungsfähigkeit und setzt beides miteinander in Beziehung..

Von der Defizit- zur Ressourcen-Oientierung

Die individuelle Beurteilung von arbeitsplatzbezogenen Risiken und Ressourcen ermöglicht es, Diabetiker differenziert zu beraten. Das individuelle Risiko für Akutkomplikationen am Arbeitsplatz wird unter anderem beeinflusst durch die Bedingungen des Arbeitsplatzes und der Tätigkeit, die Art und Dauer des Diabetes mellitus, das Therapiekonzept, die Suffizienz der Behandlung, die Selbstbehandlungskompetenz, die Selbstbeobachtung und Selbstkontrolle. Beurteilungsrelevant sind auch Kompensationsmöglichkeiten, wie Berufserfahrung, reflektierter vorausschauender Umgang mit gesundheitlichen Risiken am Arbeitsplatz, Training der Hypoglykämiewahrnehmungs, Therapieumstellung, Dosisanpassung, Schulung und qualifizierte diabetologische Betreuung, bei vorliegenden individuellen Risiken (Hypoglykämiegefährdung, Folgeerkrankungen, Qualität der Stoffwechseleinstellung). Die verstärkte Einbeziehung beruflicher Aspekte sowohl in die ärztliche Betreuung als auch in die Beratung und Schulung der Patienten durch das Diabetesteam kann dazu beitragen, den Prozess der beruflichen Rehabilitation zu unterstützen. Die in der Tabelle angeführten „zwölf Gebote“ beschreiben Voraussetzungen für ein eigenverantwortliches Handeln des Diabetikers, in dessen Beruf eine Selbst- und/oder eine Fremdgefährdung eintreten kann. Diese Vorbedingungen gelten für alle medikamentös behandelten Diabetiker, bei denen es zu einer Hypoglykämie kommen kann. Es werden dabei keine metabolischen Sollwerte festgelegt, sondern Zielwerte für medizinische und soziale Funktionen aufgezeigt. Die individuellen Zielwerte sind gemeinsam von den Gesprächspartnern zu vereinbaren.

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