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Innere Medizin 4. Juli 2005

Herausforderung: Diabetes im Alter

Für eine erfolgreiche Therapie älterer Diabetes-Patienten müssen einige Besonderheiten berücksichtigt werden. Hierzu zählen die altersbedingten metabolischen Veränderungen, die im Vergleich zu jüngeren Menschen andere Zielwerte haben, die vielen somatischen Begleiterkrankungen, die möglichen kognitiven Einschränkungen sowie die individuelle psychosoziale Situation der Patienten.

„In der Regel wird bei älteren Patienten ein HbA1c von unter acht Prozent angestrebt. Die Zielwerte für Blutzucker und den HbA1c-Wert sollten gemeinsam mit den einzelnen Patienten definiert werden und sich nach dem Wohlbefinden, Alter, Funktionsstatus und der Lebenserwartung richten. Bei schweren Akuterkrankungen, Diabetes-assoziierten Beschwerden oder beeinflussbaren geriatrischen Syndromen ist eine strenge Einstellung des Blutzuckers erforderlich, der HbA1c sollte also möglichst noch niedriger sein“, so Prof. Andrej Zeyfang von der Geriatrischen Klinik in Ulm über neue Leitlinien zur „Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Alter“ (Diabetes und Stoffwechsel 13, 2004, Supplement 2).

Oft schlechte Compliance bei oralen Antidiabetika

Die medikamentöse Therapie mit oralen Antidiabetika kann durch mangelnde Compliance erschwert werden. So nähmen nur 60 bis 85 Prozent der älteren Patienten nach sechs Monaten ihre Medikamente noch korrekt ein, so Zeyfang. Dabei sinkt die Compliance um so mehr, je mehr und häufiger Medikamente eingenommen werden müssen. Auch bei Patienten, die aufgrund ihres Diabetes eine Depression entwickeln, lasse die Therapiezuverlässigkeit nach. Durch eine strukturierte Schulung für geriatrische Patienten, wie sie derzeit erprobt werde, lasse sich die Compliance möglicherweise verbessern. Eine mangelnde Compliance lässt sich bei manchen Patienten dadurch erklären, dass sie zum Beispiel ganz einfach Schwierigkeiten haben, die Verpackungen der Medikamente zu öffnen, wie etwa kindersichere Schraubverschlüsse oder auch Tablettenblister. Dies ist besonders für allein lebende Patienten mit Diabetes ein Problem. Werde das Behandlungsziel mit den verordneten Medikamenten nicht erreicht, sollte zuerst im Gespräch herausgearbeitet werden, ob die Patienten ihre Arznei auch zuverlässig einnehmen, ehe eine Intensivierung einer Therapie erwogen wird, rät der Diabetologe und Geriater.

Bei Älteren besonders auf Kontraindikationen achten

Bei der Auswahl der Medikamente sollte noch akribischer als bei jüngeren Patienten auf eine mögliche Wechselwirkung mit anderen Medikamenten und auf Kontraindikationen geachtet werden. Auch sollte das Hypoglykämierisiko berücksichtigt werden. Von Vorteil für die Compliance sei zudem, wenn ein Medikament nur einmal täglich eingenommen werden müsse. Eine Insulintherapie ist dann indiziert, wenn sich mit der oralen Therapie das individuelle Therapieziel nicht erreichen lässt. Das gilt auch für Ältere. Auch für Patienten, die unregelmäßig essen, sei diese Therapieform besser geeignet als eine orale Therapie, weil die Dosis hier besser angepasst werden kann. Bei diesen Patienten könne das Insulin dann bis zu 15 Minuten nach den Mahlzeiten gespritzt werden. Auch sei bei zunehmender Niereninsuffizienz eine Insulintherapie indiziert. Da müsse beachtet werden, dass bei fortschreitender Niereninsuffizienz der Insulinabbau verzögert wird, was eine entsprechende Reduzierung der Medikamentendosis erforderlich macht.

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