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Innere Medizin 5. Dezember 2005

Drohender Diabetespandemie trotzen

Vorsorge und Screening des Typ-2-Diabetes werden in Zukunft einen bedeutenden Stellenwert in der medizinischen Praxis einnehmen müssen. Lebensstilmodifikation mit Diät und körperlicher Aktivität stellt die effektivste Maßnahme zur Prävention des Typ-2-Diabetes dar, heißt es unmissverständlich in den Leitlinien der ÖDG.

Ausgehend von der hohen weltweiten Prävalenz von Typ-2-Diabetes mellitus bei Erwachsenen und der zu erwartenden Zunahme, sollte eine systematische Vorsorge und Betreuung der Betroffenen in Angriff genommen werden. Angesichts der drohenden Diabetespandemie mit deren gesundheitlichen und sozioökonomischen Konsequenzen sind effiziente Strategien zur Prävention und Früherkennung erforderlich. Dabei richtet sich das Augenmerk vor allem auf die noch nicht diagnostizierten Personen, die an Diabetes leiden. Sie haben bereits ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Folgeschäden, wie Schlaganfall, Herzinfarkt und periphere arterielle Verschlusskrankheit. Dr. Marietta Stadler und Prof. Dr. Rudolf Prager, 3. Med. Abt. im Krankenhaus Wien-Lainz, definieren in den von ihnen verfassten ÖDG-Leitlinien „Typ-2-Diabetes mellitus – Prävention und Screening“ die Risikogruppen: „Nach wie vor wird – neben der genetischen Disposition – dem Bewegungsmangel und einer hyperkalorischen, fettreichen Ernährung die Hauptschuld an der Entwicklung eines Typ-2-Diabetes zugeschrieben. Das Risiko steigt mit dem Lebensalter, Übergewicht und Bewegungsarmut signifikant an.“ Auch Frauen weisen nach einem durchlittenen Gestationsdiabetes ein erhöhtes Risiko auf. Die Hauptrisikogruppe stellen, so die Autoren, Patienten mit metabolischem Syndrom (gestörte Glukosetoleranz, Adipositas, Dyslipidämie und/oder arterielle Hypertonie) dar. Sie sind deshalb auch die primäre Zielgruppe für Screening und Diabetesprävention.

Screening-Parameter

Die Leitlinien fordern das systematische Screening auf Typ-2-Diabetes zur Identifikation von Personen mit erhöhtem Risiko. In der „Vorsorgeuntersuchung Neu“ soll darauf zumindest zum Teil eingegangen werden. Das Screening erfolgt über die Bestimmung der gestörten Glukosetoleranz (IGT) und/oder einer gestörten Nüchternglukose (IFG). Generell sollte die Nüchternplasmaglukose ab dem 45. Lebensjahr in dreijährigem Abstand kontrolliert werden. Bei Vorliegen eines weiteren Risikofaktors (siehe Tabelle) soll häufiger bzw. auch bei jüngeren Personen gescreent werden. Wird ein metabolisches Syndrom identifiziert und/oder liegt ein Nüchternblutzucker über 100 mg/dl vor, so wird die Durchführung eines oralen Glukosetoleranztests empfohlen.

Ergebnisse aus Studien

„Gesunde Ernährung, Gewichtsreduktion und körperliche Aktivität können nicht nur das Entstehen eines Diabetes verhindern oder verzögern, sondern wirken sich insgesamt günstig auf das kardiovaskuläre Risiko und die Lebensqualität aus“, erklären die Autoren der Leitlinie. Die Diabetes Prevention-Study (DPS) und das Diabetes Prevention-Program (DPP) dokumentieren bei Patienten mit IGT eine 58-prozentige relative Risikoreduktion für das Auftreten von Typ-2-Diabetes durch Lebensstilmodifikation. Diät und körperliche Aktivität stellen die effektivsten Maßnahmen zur Präven-tion dar. Einen erhöhten Schutz erreicht man durch das frühzeitige Erkennen und Behandeln zusätzlicher kardiovaskulärer Risikofaktoren, wie Rauchen, Hypertonie und Dyslipidämie. „Wird beim Screening ein Prädiabetes festgestellt, sollten eine Lebensstilintervention in Form einer strukturierten Beratung über Ernährung und Bewegung und regelmäßige Follow-ups vorgenommen werden“, so die Leitlinien. Eine medikamentöse Diabetesprävention wird derzeit für den Routineeinsatz noch nicht empfohlen.

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