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Innere Medizin 31. März 2006

Adipositas ebnet unaufhörlich den Weg für Diabetes

Höchste Anstrengungen auf allen Ebenen des Gesundheitssystems werden unumgänglich sein, um eine Abnahme der Diabetesinzidenz zu bewirken.

Laut Experten sind Adipositas und Typ-2-Diabetes längst nicht mehr nur ein Problem in den westlichen Industrieländern. Diabetes wird mit der Veränderung der Lebensbedingungen weltweit stark zunehmen. Für Indien beispielsweise besagen Prognosen eine Verdoppelung der Zahl der Diabetiker von 39 auf 81 Millionen zwischen 2003 und 2025. Insgesamt wird nach einer kürzlich veröffentlichten Studie zur Prävalenz von Diabetes die Zahl der Erkrankten bis 2030 weltweit auf 195 Millionen steigen (Diabetes Care 27, 2004, 1047), in Deutschland werden schon 2010 zehn Millionen erwartet.

Ernährungsumstellung und Bewegung bringen Erfolg

Dass eine Gewichtsabnahme Diabetes definitiv vorbeugt, ist durch Studien längst belegt. In der finnischen Diabetes Prevention Study mit übergewichtigen Teilnehmern mit gestörter Glukosetoleranz konnten fettärmeres Essen und täglich 30 Minuten Sport das Gewicht im ersten Jahr zwar nur um vier Kilo senken, die Rate der Neu-Diabetiker nahm aber in vier Jahren um 58 Prozent im Vergleich zur Kontrollgruppe ab. Die gleiche Verringerung der Inzidenz erbrachte die US-Studie Diabetes Prevention Program. Das Rezept dort: Ernährungsumstellung, Gewichtsreduktion um sieben Prozent und zweieinhalb Stunden Bewegung pro Woche (NEJM, 346, 2002, 393).

Diabetes auch bei Kindern ein zunehmendes Problem

Dass Übergewicht auch bei Kindern oft mit einem pathologischen Glukosestoffwechsel assoziiert ist, dafür gibt es viele Belege. In einer aktuellen Studie hatten 20 Prozent der über 1.000 übergewichtigen bis adipösen Kinder eine Glukosetoleranzstörung. „Von den adipösen Kindern im Alter über zehn Jahren hatte etwa ein Prozent einen Typ-2-Diabetes, der erst im oralen Glukose-Toleranztest auffiel“, so Dr. Thomas Reinehr, Leiter des Adipositas-Schulungsprojekts „Obeldicks“ an den Vestischen Kinderkliniken Datteln in Deutschland. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Ein Drittel der übergewichtigen Kinder hatte Bluthochdruck und ein Viertel Fettstoffwechselstörungen. Außerdem war bei adipösen Kindern im Vergleich zu Normalgewichtigen die Intima media verdickt. Ähnlich die Ergebnisse einer anderen Studie: Bei 520 adipösen Heranwachsenden mit einem BMI über der 97. Perzentile wurde festgestellt, dass 1,5 Prozent einen Typ-2-Diabetes, 3,7 Prozent erhöhte Nüchternblutzucker-Werte und 2,1 Prozent eine gestörte Glukosetoleranz hatten. Reinehr rechnet damit, dass mit Zunahme der Adipositas auch die Inzidenz von Typ-2-Diabetes bei Kindern steigt. US-Studien belegen, dass diese Befürchtung berechtigt ist.

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