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Innere Medizin 5. Dezember 2005

Metabolisches Syndrom neu definiert

Die Internationale Diabetes-Föderation stellte ein Konzept vor, das im Praxis-alltag die rasche Diagnose bei metabolischem Syndrom ermöglicht.

Die neue Definition des metabolischen Syndroms ist das Ergebnis internationaler Zusammenarbeit: 21 Spezialisten aller Kontinente mit ganz unterschiedlichen Schwer- punkten – von Genetik über Ernährungsmedizin bis zu Kardiologie und Diabetologie – beteiligten sich daran. Die bisher verwendeten Beschreibungen differierten. Mindestens sieben Definitionen gibt es weltweit. „Wir brauchten eine neue, gemeinsame Definition, die klinisch relevant ist“, betonte Professor Paul Zimmet aus Melbourne, Australien. Denn die Vielzahl verwirrte einerseits, andererseits waren die Definitionen im Praxisalltag oft nur begrenzt einsetzbar. Die WHO-Kriterien beispielsweise fordern das Messen der Insulinresistenz.

Rasche Diagnose bei geringem Aufwand war das Ziel

Die Internationale Diabetes-Föderation (IDF)-Definition konzentriert sich auf fünf Punkte und erlaubt eine schnelle Diagnose mit vertretbarem Aufwand. Kenn-zeichen ist, dass dabei die zentrale Adipositas im Mittelpunkt steht. Ihr Vorliegen ist für die Definition zwingend erforderlich, betonte Zimmet beim ersten internatio­nalen Kongress zu „Prädiabetes und Metabolischem Syndrom“ in Berlin. Denn diese Form der Fettverteilung wird als eine der wichtigsten Ursachen des Syndroms eingestuft. Gemessen wird dazu der Taillenumfang, und zwar genau in der Mitte zwischen Be­ckenkamm und Rippenbogen. Erstmals berücksichtigt wurde dabei, dass die Bedeutung des gemessenen Umfangs je nach ethnischer Herkunft variiert. So kann bei einem relativ schlanken Inder bereits eine abdominelle Adipositas vorliegen, wenn ein Mitteleuropäer mit dem gleichen Body-Mass-Index (BMI) noch keinerlei Zeichen davon hat. Die Grenze zur zentralen Adipositas überschritten haben zum Beispiel Männer mit europäischem Hintergrund bei einem Taillenumfang von 94 Zentimetern, die Frauen bei 80 Zentimetern. Die Anpassung an solche Unterschiede macht die neue Definition des metabolischen Syndroms weltweit anwendbar. In Arzt­praxen mit multikulturellem Publikum werden alle diese Werte gebraucht. Zusätzlich zur abdominellen Adipositas müssen lediglich zwei von vier weiteren Voraussetzungen erfüllt sein: Triglyceride über 150 mg/dl, HDL-Cholesterin unter 50 mg/dl bei Frauen, unter 40 mg/dl bei Männern, Hypertonie, mindestens 130 mmHg systolisch oder 85 mmHg diastolisch, Nüchternplasmaglukose von min­destens 100 mg/dl oder Typ-2-Diabetes. Da Patienten mit metabolischem Syndrom ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Symptome und einen Diabetes mellitus haben, könnte die frühzeitige Diagnose und Therapie diese Gefahr verringern, so Zimmet.

Fazit

Die IDF stellte eine neue Definition des metabolischen Syndroms vor. Ein zentrales Kriterium ist der Taillenumfang. Für Europa gelten als Grenzwerte bei Männern 94 Zentimeter und bei Frauen 80 Zentimeter. Für Menschen aus anderen Gegenden der Welt gelten andere, oft niedrigere Werte. Zur abdominellen Adipositas müssen zwei von vier Kriterien hinzukommen: hohe Triglyceride, ein nie­driges HDL, zu hoher Blutdruck und ein zu hoher Nüchternglukosewert.

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