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Innere Medizin 4. Juli 2005

Therapie bei akuter bakterieller Sinusitis

Aktuellen Daten zufolge zeigt die einmal tägliche Verabreichung von Clarithromycin ER (extended release) in der Therapie der akuten bakteriellen Sinusitis eine vergleichbare Wirkung wie Amoxicillin/Clavulansäure. Hohe lokale Substanzkonzen­trationen sowie immunmodulatorische Effekte tragen wahrscheinlich zu diesem Therapieerfolg bei.

„Obwohl für Makrolide in den letzten Jahren weltweit eine starke Zunahme von In-vitro-Resistenzraten vor allem gegenüber S. pneumoniae festgestellt wurde (Jacobs MR et al., J Antimicrob Chemother. 2003; 52:229-246), konnte für Clarithromycin trotz intensivem Einsatz in der antibiotischen Behandlung respiratorischer Infekte keine Korrelation zwischen klinischer Wirksamkeit und erhöhter In-vitro-Resistenzen gefunden werden“, beschreibt Prof. George G. Zhanel, PhD, Abteilung für Medizinische Mikrobiologie, medizinische Fakultät der Universität von Manitoba, Winnipeg, Canada, in einer aktuellen Ausgabe des „Infectious disease express report“TM. Wahrscheinlich tragen sehr hohe lokale Substanzkonzentrationen (Franschini et al., J. Antimicrob Chemother. 1991; 27 (Suppl A): 61. 65; Bishai W., J. Antimicrob Chemother. 2002; 49: 433-436) sowie immunmodulatorische Effekte (Rubin BK et al., Am J Med. 2004; 117: 2S-4S) zu diesem Therapieerfolg von Clarithromycin (Klacid®) bei.

S. pneumoniae als häufigster Erreger bei akuter Sinusitis

Das vorherrschende Keimspek­trum bei akuter bakterieller Sinusitis umfasst Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae sowie Moraxella catarrhalis, wobei S. pneumoniae am häufigsten zu finden ist. In einer rezenten internationalen randomisierten Studie wurde die Wirksamkeit der einmal täglichen Gabe von Clarithromycin ER (extended release) der zweimal täglichen Verabreichung von Amoxicillin/Clavulansäure bei akuter bakterieller Sinusitis gegenübergestellt (Curr Med Res Opin. 2005; 21:61-70). Neben der klinisch, bakteriologisch und radiologisch nachweisbaren Wirksamkeit wurden auch Parameter wie Lebensqualität, Patientenzufriedenheit und die Nutzung von Einrichtungen des Gesundheitssystems bewertet. Zhanel: „Es zeigte sich, dass beide Therapieregime nach einem Beobachtungszeitraum von 16 bis 18 Tagen gleich wirksam waren, was das klinische, radiologische und bakteriologische Ansprechen betraf. Bei einer frühen Beurteilung nach zwei bis fünf Tagen zeigte sich, dass die Rückbildung klinischer Symptome wie Nasenverstopfung und Sinus-Druckschmerz unter Therapie mit Clarithromycin ER signifikant stärker ausgeprägt war. Die Verbesserungsrate für purulente Nasensekretion lag für Clarithromycin ER auch bei der klinischen Untersuchung nach 16 bis 18 Tagen statistisch signifikant höher als unter Behandlung mit Amoxicillin/Clavulansäure.“ Im Rahmen der follow-up-Untersuchung 24 bis 31 Tage nach Studienbeginn berichteten 85 Prozent der Patienten, dass sie sich „viel besser“ fühlten. 80 Prozent aller behandelten Patienten waren mit ihrer Medikation zufrieden. Weniger Arzt- und Ambulanzbesuche wurden in der Clarithromycin-Gruppe festgestellt. Medikamentenbezogene Nebenwirkungen wie Diarrhoe, Geschmacksveränderung und Vaginitis traten in milder oder moderater Form auf.

Um die klinische Wirksamkeit von Clarithromycin (Klacid®) trotz zunehmender Prävalenz von Makrolid-Resistenzen gegenüber S. pneumoniae zu beurteilen, wurde eine retrospektive Prüfung vergleichender klinischer Studien durchgeführt, in denen Clarithromycin anderen Makroliden, Beta-Laktamen und Chinolonen in der Therapie von Infektionen des Respira­tionstrakts inklusive der akuten bakteriellen Sinusitis gegenübergestellt wurde (Devcich K et al., Presented at the 6th European Congress of Chemotherapy and Infection (ECC), December 1-3, 2004). Zhanel: „Clarithromycin zeigte über den gesamten Studienzeitraum konstante Wirkung mit mit-tleren klinischen Heilungsraten von 90 Prozent. Die Eradikationsrate für S. pneumoniae mit 91 Prozent war mit jener der anderen Antibiotika vergleichbar.“ Die Potenz einer Substanz wurde durch das Verhältnis der Arzneimittelkonzentration im Bronchialepithel (epithelial lining fluid, ELF) in Relation zum Serum berechnet. Diese lag für Clarithromycin im Vergleich zu allen anderen getesteten Substanzen höher. Die Wissenschafter folgerten, dass trotz dokumentierter steigender Makrolid-in-vitro-Resistenzraten die erhöhte lokale Konzentration im ELF für die nachgewiesene konstant anhaltende klinische Wirksamkeit von Clarithromycin verantwortlich sein könnte. „Aufgrund der vorliegenden Datenlage sollte Clarithromycin ER als mögliche Therapie der ersten Wahl bei akuter bakterieller Sinusitis in Betracht gezogen werden. Die Verfügbarkeit einer bequemen einmal täglichen Verabreichung erhöht Compliance und Verträglichkeit“, schließt Zhanel.

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